Der 3D-Blockbuster des Jahres: 'Planet der Affen - Revolution' mit Andy Serkis

Planet der Affen: Revolution
Das intelligente Volk der Affen wird von Caesar (Andy Serkis) angeführt, der mittlerweile eine Familie hat.

4,5 von 5 Punkten

Vor drei Jahren bildete die Idee eines Reboots der kultigen 'Planet der Affen'-Reihe den Auftakt zu einem komplett neuen Franchise. ‚Planet der Affen: Prevolution' war 2011 ein Kassenschlager, der weltweit über 400 Millionen Euro einspielte und von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert wurde. Jetzt folgt also mit 'Revolution' der zweite Teil der Neuauflage - und die Kinogänger dürfen sicherlich auf DEN Sommerblockbuster 2014 gespannt sein.

- Anzeige -

Von Norbert Dickten

Beeindruckte schon der erste Teil mit seinen respektablen Effekten, sorgt das mittlerweile wesentlich ausgereiftere Performance-Capture-Verfahren dafür, dass sich die computeranimierten Affen, Gorillas und Orang-Utans inzwischen kaum noch von echten unterscheiden. Es sei allerdings dahingestellt, ob sich der Aufwand, den Film in 3D zu drehen (statt ihn nachträglich einfach zu konvertieren) wirklich gelohnt hat, doch dazu später mehr. Selbstredend übrigens, dass auch Motion-Capture-'König' Andy Serkis wieder mit dabei ist - den meisten durch seine Paraderolle des Gollum in ‚Der Herr der Ringe‘ bekannt. Als Ober-Schimpanse Caesar will er den drohenden Krieg zwischen seinen Artgenossen und den Menschen verhindern. Denn zehn Jahre, nachdem ein Forscher auf der Suche nach einem Heilmittel gegen Alzheimer unwissentlich ein Virus geschaffen hat, das bei Versuchsaffen enorme Intelligenzsprünge bewirkte, aber für den Menschen tödlich ist, leben die wenigen Überlebenden der zum größten Teil ausgerotteten Menschheit in städtischen Ruinen.

Aus den Versuchsaffen von einst dagegen hat sich inzwischen ein intelligentes, kleines Volk entwickelt, das sich unter der Führung von Caesar (Andy Serkis), dessen Entwicklungs- und Befreiungsgeschichte der erste Teil erzählte, in einem Wald vor den Toren San Franciscos eine Heimat gebaut hat. Hier schälen sich allmählich die ersten Anfänge einer Zivilisation heraus: Die Affen haben einfache Holzhütten erbaut, können Feuer machen und kommunizieren neben ihrer Zeichensprache auch immer häufiger mit dem gesprochenen Wort - wenngleich noch recht rudimentär und von der Entwicklungsstufe der eloquenten Primaten in Charlton Hestons 'Planet der Affen' (1968), zu dem dieser Reboot die Vorgeschichte erzählt, noch sehr weit entfernt.

Der Konflikt beginnt, als eine Gruppe von Menschen unter der Führung von Ingenieur Malcolm (Jason Clarke, 'Der große Gatsby', 'White House Down') auf die Affen im Wald trifft. Um ihr Überleben zu sichern, sind die Menschen auf der Suche nach einem Wasserkraftwerk, mit dessen Instandsetzung sie dringend benötigten Strom erzeugen wollen. Doch trotz aller Skepsis lässt der bei Menschen aufgewachsene Caesar diese aber gewähren - sehr zum Unmut seines Gefährten Koba, einem Bonobo, der in der Gefangenschaft fürchterlich von den Menschen gequält wurde. Und zeigt der Film mit seinen insgesamt 130 Minuten bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht einige Längen, entfaltet er spätestens mit der Entwicklung des Machtkampfs zwischen den beiden Alpha-Tieren seine wahre Größe.

Auch intelligente Affen können böse sein

Planet der Affen: Revolution
Das Friedensabkommen zwischen Menschen und Affen erweist sich als fragil.

Denn nicht nur der drohende Krieg zwischen Menschen und Affen sorgt für einen immer größeren Spannungsbogen - vor allem das intrigante Drama zwischen Caesar und Koba entwickelt sich zu einem tief- und abgründigen Konflikt, das einem Königsdrama Shakespeares in nichts nachsteht. Dabei ist es Regisseur Matt Reeves (‚Cloverfield‘) hoch anzurechnen, dass er hier nicht den moralischen Zeigefinger erhebt. Zeigt der gefährliche Machtkampf zwischen den Kontrahenten doch, dass die intelligent gewordenen Affen keineswegs die besseren Menschen sind und deren Untergang nur folgerichtig sein kann. Im Gegenteil: Das Böse bahnt sich auch bei den Affen seinen Weg. Fast zu schade, dass die ‚richtigen‘ Darsteller - allen voran Jason Clarke, der mit seiner diplomatischen und besonnenen Art gewissermaßen Caesars Gegenstück bei den Menschen darstellt - gegen die visuelle Opulenz der computeranimierten Affen kaum mithalten können.

Und selbst ein Urgestein wie Hollywood-Mime Gary Oldman, der in seiner Rolle als Dreyfuss den Affen so sehr misstraut wie Koba den Menschen und ganz auf Zerstörung setzt, verblasst nahezu vor der beeindruckenden Präsenz der Affen. So wirken auch die Szenen in den dichten Wäldern vor den Toren San Franciscos viel lebhafter und realistischer als die Szenen mit den Menschen in ihren notdürftig aufrecht erhaltenen Behausungen. Kein Wunder, entstanden die Außendrehs doch zu 85 Prozent in den Wäldern von Vancouver und nahe New Orleans, und nicht in abgeschotteten Studios.

„Niemand hatte je versucht, echte Locations in 3D zu filmen - zumindest nicht in diesem Ausmaß. Fotorealistische Affen in einer naturalistischen Umgebung zeigen zu können, ist wirklich aufregend“, lobte Andy Serkis seinen Regisseur nach den Dreharbeiten auch überschwänglich. Und das glaubt man dem Schauspieler sofort, obwohl man nach wirklich spektakulären 3D-Effekten in ‚Planet der Affen: Revolution‘ vergebens sucht. Macht aber nichts, kann man sich in den einnehmenden und in ihrer Tiefenschärfe durchaus beeindruckenden Bildern auch ohne allzu offensichtliche Effekte schnell verlieren. Und damit hat ‚Planet der Affen: Revolution’ im Prinzip das erreicht, was ein Kino-Spektakel dieser Größenordnung auch soll: Zwei Stunden gelungene Unterhaltung.

Kinostart: 07.08.2014

— ANZEIGE —