Depeche Mode: Martin Gore im Interview über Freundschaft, Politik und das aktuelle Album

Depeche Mode: Über Freundschaft abseits des Tour-Zirkus'
Die Kult-Musiker von Depeche Mode melden sich zurück (v.l.): Martin Gore, Dave Gahen und Andrew Fletcher © Sony Music / Anton Corbijn, SpotOn

Martin Gore im Interview

Sänger Dave Gahen (54), Keyboarder Andrew Fletcher (55) und Martin Gore (55) sind seit mehr als 35 Jahren durch die Synthie-Pop-Kultband Depeche Mode miteinander verbunden. Gemeinsam gingen sie durch künstlerische Höhen und private Tiefen wie den Beinahe-Tod des Sängers im Jahr 1996. Wie es heute um die Freundschaft zwischen den Künstlern bestellt ist - und was das mit dem neuen Album "Spirit" zu tun hat, verrät der in London geborene Keyboarder, Gitarrist, Songwriter und Sänger Martin Gore im Interview mit spot on news.

Das Album heißt "Spirit". Was steckt hinter dem Titel?

Martin Gore: Ich bin der Ansicht, dass die Menschheit in ihrer Menschlichkeit momentan versagt. Das greift der Album-Titel "Spirit" auf. Meine Hoffnung ist, dass ein Album wie dieses die Menschen zum Nachdenken bringt und hilft, zu unserem spirituellen Weg zurückzufinden. Ob Musik so etwas erreichen kann oder nicht, ist die ewige Diskussion. Trotzdem hoffe ich es.

Das Album ist so politisch wie keines zuvor. Warum?

Gore: Ja, das ist es und das sollte es auch sein. Die Welt ist in einer kompletten Unordnung. Die meisten Songs sind 2015/2016 entstanden und auch da waren die Dinge schon nicht gut. Darauf musste ich eingehen.

Zwei der Top-Themen aktuell sind der Brexit und Donald Trump. Was halten Sie als Brite vom Brexit?

Gore: Der Brexit deprimiert mich immer noch. Und ich hoffe, dass es nicht bedeutet, dass die Europäische Union noch mehr zerbricht. Ich denke, je mehr die Welt zerbricht und sich isoliert, ein umso gefährlicherer Ort wird sie.

Und Donald Trump, was halten Sie von ihm?

Gore: Donald Trump ist schrecklich. Ich kann es immer noch nicht fassen. Ich lebe ja in Amerika und konnte es schon kaum glauben, dass er überhaupt von den Republikanern nominiert worden ist. Alles, was er versucht durchzudrücken - die Einreiseverbote und andere Regeln -, mit all dem dreht er die Uhr um 50 Jahre zurück.

Apropos: Sie, Dave Gahen und Andrew Fletcher machen Ihren Job schon seit mehr als 35 Jahren. Wie tief ist Ihre Freundschaft heute? Gehen Sie beispielsweise mal zusammen auf ein Bier, wenn Sie nicht auf Tour sind?

Gore: Die Frage passt zum Album-Titel: Jeder in der Band hat einen anderen Grund, warum er "Spirit" mag, denn der Begriff hat viele verschiedene Bedeutungen. Andy zum Beispiel mag ihn, weil er findet, dass er den aktuellen Geist innerhalb der Band repräsentiert - der tatsächlich auf einem bisherigen Höchststand ist. Trotzdem gehen wir nicht zusammen auf ein Bier. Weder wenn wir arbeiten, noch wenn wir nicht arbeiten, weil ich nicht trinke und Dave nicht trinkt.

Und auf einen Kaffee?

Gore: Wenn wir nicht arbeiten lebt Dave in New York, ich in Santa Barbara (Kalifornien) und Andy in London. Für einen Kaffee nicht optimal. Manche Leute denken aber, dass es auch die Arbeit als Band erschweren würde. Doch das ist nicht der Fall. Denn wenn wir uns für ein Projekt entscheiden, sind wir zwei Jahre lang sehr viel zusammen.

Sie haben fünf Kinder, drei davon sind erwachsen. Strebt eines davon ebenfalls eine Musikkarriere an?

Gore: Eine Tochter ist jetzt 25 und spielt in einer Band. Ich glaube aber nicht, dass sie wirklich ernsthaft ins Musik-Business einsteigen will.

Was wäre denn trotzdem Ihr Top-Tipp für einen jungen Künstler?

Gore: Es ist schwierig heutzutage. Ich versuche schon, meiner Tochter Ratschläge zu geben. Ich versuche auch, meinen Neffen Ratschläge zu geben, die ebenfalls in Bands spielen. Die Dinge haben sich aber sehr verändert. Es ist nicht einfach, sein Leben heutzutage mit Musik zu bestreiten - es sei denn, du spielst schlimme Pop-Musik...

Depeche Mode geht wieder auf eine große Welt-Tour. Was war denn für Sie persönlich der unvergesslichste Fan-Moment bei einem Konzert?

Gore: Unsere Konzerte haben so einen großen Feier-Faktor, weil das Publikum einfach so sehr hinter uns steht. Sie singen jedes Wort, jede Melodie mit. Es ist einfach Wahnsinn, auf der Bühne zu stehen und das zu erleben. Vor allem, weil es jedes Mal und überall auf der Welt passiert, wenn wir auftreten. Wir werden da sehr verwöhnt.

... und gab es da nicht die eine wunderschöne Frau, die mit was auch immer gewinkt hat, oder ähnliches?

Gore: (lacht) Schon, aber auch das passiert bei jedem Auftritt.

+++ Depeche Mode on Tour +++

Das neue Album "Spirit" ist seit Freitag (17. März) im Handel; die erste Single-Auskopplung "Where's the Revolution" bereits seit 3. März erhältlich. Die dazugehörende Tour startet am 5. Mai im schwedischen Stockholm und endet am 28. Oktober in Edmonton, Kanada.

In Deutschland werden Depeche Mode zahlreiche Konzerte geben: 27. Mai, Leipzig +++ 5. Juni, Köln +++ 7. Juni, Dresden +++ 9. Juni, München +++ 11. und 12. Juni, Hannover +++ 20. Juni, Frankfurt +++ 22. Juni, Berlin +++ 4. Juli Gelsenkirchen.

spot on news