Denzel Washington: 'So wurde ich moppelig!'

Denzel Washington: 'So wurde ich moppelig!'
© Getty Images

In ’Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3’ gibt Hollywood-Titan Denzel Washington Bürohengst Walter, der über sich hinauswachsen muss, als eine U-Bahn in New York entführt wird – mit 25 Kilo mehr auf den Rippen. Im Interview verrät er, wie er so moppelig wurde und warum Jungs dumm sind.

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Interview: Barbara Franck

Für Ihre Rolle in ’Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3’ mussten Sie ordentlich zunehmen. War das für Sie als Fitnessfreak schwierig?
Eigentlich war es ganz einfach (lacht). Hamburger und Milkshakes um Mitternacht. Das alles wieder loszuwerden, war der schwierige Part!

Wie haben Sie sich sonst auf die Rolle vorbereitet?

Ich durfte zwei Wochen lang in der Leitstelle der New Yorker U-Bahn zuschauen. Unglaublich beeindruckend, wie die Jungs dort den Überblick behalten.

Sie sind in New York aufgewachsen, die U-Bahn war für sie früher wie ein zweites Zuhause. Haben Sie sich als kleiner Junge heimlich auf den Gleisen herumgetrieben?

Na ja…in dem Alter hat man halt viel Unfug im Kopf. Mutproben und solche Sachen. Jungs sind einfach dumm!

Finden Sie also nicht, dass Männer vor allem ihr Mut auszeichnet?br> Nein. Ihre Dummheit zeichnet sie aus! (lacht)

Würden Sie sich selbst denn als mutigen Mann bezeichnen?
Ein wahrhaft mutiger Mann hat es nicht nötig, sich selbst mutig zu nennen. Das sollen andere übernehmen.

Was für Charakterzüge sind Ihnen denn an einem Menschen wichtig?
Es gibt da keine starren Regeln. Und erst recht erwarte ich von niemandem, dass er sich in seinem Leben danach richtet, was ich mag oder nicht mag. Es braucht Zeit, mich wirklich kennenzulernen. Ohnehin erfährt man oft viel mehr über einen Menschen, wenn man ihn einfach eine Zeit lang aufmerksam beobachtet.

Haben Sie denn den Originalfilm gesehen und sich bei Walter Matthau etwas abgeschaut?
Nein. Das mache ich nie.

Sind Sie nicht neugierig?
Meine Frau und meine Kinder sind echte Filmfreaks. Sie schauen sich wirklich alles an. Ich nicht. Ich interessiere mich nicht für Filme. Habe ich noch nie. Ich habe am Theater angefangen und wollte eigentlich nur eines Tages große Shakespeare-Rollen spielen dürfen. Das war mein Ziel, deshalb bin ich Schauspieler geworden. Damals habe ich überhaupt nicht an eine Karriere beim Film gedacht, geschweige denn daran, ein ‚Star’ zu werden.

Fühlen Sie sich denn in Hollywood nicht wohl?
Ich fühle mich mit mir wohl, und da kommt es ja nicht darauf an, wo ich gerade bin. Ich bin kein Superstar. Ich gehe ins Fitnessstudio wie jeder andere auch. Ich kann mich prügeln, ich boxe, ich komme von der Straße!

Denzel Washington: 'So wurde ich moppelig!'
© dpa, A3322 Sonypictures

Wie war die Arbeit mit John Travolta? Star-Kameramann Michael Ballhaus plauderte unlängst in einem Interview aus, Travolta könne sich angeblich seine nie Texte merken...
Diese Erfahrung habe ich zumindest nicht mit ihm gemacht. Ganz abgesehen davon gibt es ja hunderte verschiedene Arten, sich seiner Rolle anzunähern. Am Set ein wenig mit dem Text zu improvisieren, kann da auch mal dazugehören.

War es denn schwierig, im Film eine gemeinsame Ebene ihm zu finden? Ihre Charaktere sprechen fast nur über das Telefon miteinander.
Jemanden zu sehen, ist ja nur einer von fünf Sinnen. Wir haben jeden Tag zehn Stunden über Mikro miteinander kommuniziert. Da lernt man einen Menschen womöglich sogar noch besser kennen. Wenn man nichts sieht, hört man genauer zu, stellt sich mehr über den anderen vor. Man ist freier.

Inwiefern das?
Ganz am Anfang hat man geredet - Geschichten wurden mündlich weitergegeben. Dann hat man gelesen und sich dabei Dinge vorgestellt. Dann kam das Radio, man hat zugehört, hat mitgedacht. Und schließlich kam das Fernsehen. Man hat sich zurückgelehnt, hat sich alles erklären lassen. Dann kam die 24-Stunden-Dauerberieselung – man hat die gleichen Dinge immer wieder erzählt bekommen. Es war toll, für diesen Film mal wieder den Teil seines Gehirns zu benutzen, der sich viel vorstellt, der sich in einen Anderen hineinversetzen muss.

Stehen Sie Massenmedien also kritisch gegenüber?
Ich glaube, diese Entwicklung hat für die ganze Welt Konsequenzen. Gibt es wirklich 24 Stunden lang Nachrichten? Ich glaube nicht. Also muss man Nachrichten schaffen. Aber sind das wirklich Nachrichten – oder vielleicht Meinungen? Mittlerweile geht es doch nur noch um Meinungen. Wie bei den ganzen Bloggern. Es geht nur noch um Entertainment. Unsere Sinne sind abgestumpft, wir bekommen von allen Seiten viel zu viel vorgebliche Information.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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