Debüt von Júníus Meyvant: Begeisternder Retro-Soul

Júníus Meyvant
Júníus Meyvant hat Soul. Foto: Sigridur Unnur Ludviksdottir © DPA

Dass aus Island tolle Fußballer kommen, wissen viele wohl erst seit den überraschenden EM-Erfolgen der Wikinger-Kicker. Dass der nordeuropäische Inselstaat mit seinen gerade mal 330.000 Einwohnern großartige Musiker hervorbringt, ist schon länger bekannt.

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Nach Björk, Sigur Rós, Of Monsters And Men oder Emiliana Torrini tut sich nun Unnar Gísli Sigurmundsson alias Júníus Meyvant hervor. Und wohl selten klang ein isländisches Album weniger nach Island. Denn was der rauschebärtige Rotschopf Meyvant hier mit "Floating Harmonies" (Record Records/Broken Silence) abliefert, ist prächtiger Folk-Soul, der an ganz große US-amerikanische Vorbilder erinnert.

Da sind fette Streicher- und Bläsersätze zu hören, die in den berühmten Studios von Motown oder Stax während der 60er und 70er Jahre nicht besser klangen. Gitarren und Bässe perlen ungemein funky aus den Boxen. Und als Sahnehäubchen singt der musikalische Spätstarter von den isländischen Westman Islands mit einer leicht angerauten, sensiblen und sehr wandlungsfähigen Stimme, die ebenfalls keine Vergleiche scheuen muss. Im siebenminütigen "Manos" lässt Meyvant sogar wunderbar leichtfüßigen Samba einfließen.

Schwarzer Retro-Sound von weißen Musikern kann höchst authentisch sein, das hatten erst im Vorjahr der amerikanische Produzent, Sänger und Songwriter Matthew E. White oder auch der Brite Pete Josef bewiesen. Dass ihnen nun ein Mann aus dem Norden Europas nachfolgt und ein perfektes Sommer-Soul-Album vorlegt, überrascht noch um einiges mehr. Júníus Meyvant hat sich dafür - ebenso wie Islands Fußballhelden - ein zünftiges Klatsch-Ritual mehr als verdient.

Konzerte von Júníus Meyvant im September: 02.09. Berlin, Privatclub; 04.09. Dresden, The Sound Of Bronkow Music Festival; 07.09. München, Ampere; 09.09. Hamburg, Nochtspeicher; 24.09. Köln, Kornern Festival


dpa
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