David Rott: Eine Rakete mit Wünschen in den Nachthimmel

David Rott: Eine Rakete mit Wünschen in den Nachthimmel
Schauspieler David Rott - welche Wünsche er wohl in den Silvesterhimmel schickt? © ddp images

David Rott (38, "Heute bin ich blond") spielt am heutigen Mittwoch in "Kleine große Stimme" (30. Dezember, 20.15 Uhr, das Erste) den Leiter der weltberühmten Wiener Sängerknaben. Im Interview mit spot on news verrät er, ob so ein Leben auch für ihn infrage gekommen wäre - und warum "ein ganz grundsätzlicher Anarchismus" eigentlich "notwendig" ist. Ebenfalls jedes Jahr an Silvester notwendig ist für den gebürtigen Leverkusener eine Rakete voller Wünsche.

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Silvester, Chor, Anarchismus

Welche Rolle spielt Wien in Ihrem Leben?

David Rott: Eine sehr große. Es ist meine Lieblingsstadt. Ich bin dort auf die Schauspielschule gegangen, habe dann am Burgtheater gespielt und inzwischen dort auch schon einige Filme gedreht.


In dem Film "Kleine große Stimme" geht es um die Wiener Sängerknaben. Was halten Sie denn davon?

Rott: Vor dem Film wusste ich, dass es sie gibt und dass es so ein bisschen das Real Madrid unter den Knabenchören ist. Privat hatte ich bis dahin aber nicht so viel klassische Knabenchorgesangsmusik gehört. Als klar war, dass ich diesen Film machen würde, habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen.


Hätten Sie sich vorstellen können, als kleiner Junge dort mitzumachen?

Rott: Nein. Das ist schon ein Leben für die Musik. Der Alltag ist sehr straff reglementiert. Früher nochmal mehr als heute. Aber auch heute leben die Sängerknaben in einem Internat. Das ist international entsprechend, gibt es dort nicht nur Kinder aus Österreich, sondern auch aus Japan und den USA. Die sehen ihre Eltern dann zweimal im Jahr in einem Alter von acht oder neun Jahren. Das hätte ich nicht gewollt und auch nicht gekonnt.


Wie steht's um Ihre Sangeskünste?

Rott: Ich weiß schon, dass viele Schauspieler irgendwann auch mal ein Album aufnehmen. Das Singen ist aber nicht ganz so meins. Für den TV-Zweiteiler "Der Mann mit dem Fagott", in dem ich den jungen Udo Jürgens gespielt habe, habe ich Klavierspielen gelernt. Privat spiele ich Gitarre, habe lange Geigenunterricht gehabt und schon mal in einem Orchester gespielt. Musik spielt schon eine Rolle in meinem Leben, aber eher für den Hausgebrauch.


Ihr Film "Kleine große Stimme" spielt zwar in der Nachkriegszeit, passt aber auch sehr gut in die heutige Zeit. Unter anderem heißt es: "Keiner ist fremd, wenn wir es nicht wollen." Und "Wären wir ein guter Chor, wenn wir nur Sopran-Stimmen hätten?"

Rott: Stimmt, das sind zwei tolle und richtige Sätze. Der Film beschäftigt sich mit Rassismus. Und das ist heute aktueller denn je. Wichtig ist aber auch zu schauen, woher die Vorurteile kommen. Meist haben sie mit Angst zu tun. Aus dieser Angst entsteht große Dummheit.


Im Film setzen Sie sich über eine Regel hinweg. Haben Sie es privat schon mal erlebt, dass Sie sich über eine Regel hinweggesetzt haben und dann etwas ganz Tolles dabei herausgekommen ist?

Rott: Ich glaube sogar, dass man verpflichtet ist, sich über Regeln hinwegzusetzen, wenn der Inhalt nicht mehr gegeben ist. So ein ganz grundsätzlicher Anarchismus ist eigentlich notwendig, wenn alles lebendig bleiben soll. Regeln nur einzuhalten, weil sie da sind, finde ich nicht gut. Man darf schon auch mal hinterfragen, ob es noch Sinn macht. Wenn die Regeln noch Sinn machen, kann man sie gern einhalten. Wenn nicht, muss etwas Neues her.


Wie feiern Sie Silvester, eher laut mit Party oder gemütlich mit Bleigießen?

Rott: Beides. Ich lebe mit mehreren Familien in einer Hausgemeinschaft und da ist immer sehr viel los. Genau wie Weihnachten auch, ist es aber vor allem ein Fest der Kinder. Wir sind auf jeden Fall immer da und schießen eine Rakete mit den Wünschen für das neue Jahr in den Nachthimmel.


Wie sieht Ihre persönliche Bilanz 2015 aus?

Rott: Da gab es sehr viele tolle Sachen, ich habe viel gearbeitet. Politisch gesehen hat es sich dagegen ziemlich zugezogen, sodass man schon ein paar Befürchtungen haben kann. Ich hoffe aber, dass wir das alle zusammen meistern werden.



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