David Bennent: Der Blechtrommler wird 50

David Bennent
David Bennent ist sich treu geblieben. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © deutsche presse agentur
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David Bennent war zwölf, als er in der oscargekrönten Verfilmung von Günter Grass' Bestseller "Die Blechtrommel" die Hauptrolle spielte.

Die Figur des kleinen Oskar Matzerath, der mit drei Jahren nicht mehr wachsen will, machte den Schauspielersohn 1979 über Nacht weltberühmt - und eröffnete ihm die Chancen, auf die andere zeitlebens warten.

Dennoch hadert der gebürtige Schweizer bis heute mit dem Erfolg. "Der Film war beides für mich - Fluch und Segen", sagt er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zu seinem 50. Geburtstag am Freitag (9. September) in Berlin. "Wegen meiner Rolle wurde meine Körpergröße ein Thema."

1,55 ist Bennent heute, zart und schmal, aber durchtrainiert. 15 Jahre Taekwondo stecken in den Knochen. Dennoch hieß es kürzlich bei seinem vielgelobten Auftritt als Mammon im Salzburger "Jedermann", der "kleinwüchsige Mime" habe sich zu einem großen Schauspieler entwickelt. Das ärgert ihn. "Bei Napoleon oder Danny DeVito fragt auch niemand danach, wie groß sie sind."

Beruflich hat der Sohn des unvergessenen Charakterdarstellers Heinz Bennent (1921-2011) seither viel gestemmt. Auf die Rolle in Volker Schlöndorffs Grass-Verfilmung folgten Kinoarbeiten wie der Thriller "Dog Day" (1984) an der Seite von Lee Marvin und der Fantasyfilm "Legend" (1985) des britischen Oscar-Preisträgers Ridley Scott.

Doch Bennents Herz gehörte vor allem dem Theater. "Meine Welt ist Shakespeare, Kleist und Schiller", sagte er einmal. In Paris verpflichtete ihn 1983 Regisseur Patrice Chéreau für seine legendäre Inszenierung von Jean Genets "Die Wände".

Von 1990 bis 1997 gehörte er zum Pariser Ensemble von Starregisseur Peter Brook. Zu seinem Auftritt als Caliban in Shakespeares "Sturm" schrieb die Zeitschrift "Theater heute" 1990: "Furioser war Shakespeares Monster wohl noch nie auf einer Bühne zu sehen."

Dabei hat Bennent, 1966 in Lausanne geboren, das Handwerk nie offiziell gelernt. Schon in der Schulzeit zog er mit seinen Eltern und der zwei Jahre älteren Schwester Anne viel in der Welt herum, lange Zeiten lebte die Familie auf der damaligen Aussteigerinsel Mykonos.

Die Mutter brachte dem Jungen selbst Schreiben und Lesen bei. Bei seinen gelegentlichen Schulbesuchen wurde er von den anderen gehänselt, weil er "wirklich klein war und ein bisschen eigenartig", wie er selbst sagt. Die schützende Hand war immer der Vater. "Er hat mir wie Obelix mit der Kraftbrühe in die Wiege gelegt, immer zu meiner Meinung zu stehen und zu sagen, was ich denke."

Später feiert er mit dem Vater auch beruflich große Erfolge. Ihre jahrelangen Auftritte mit Samuel Becketts "Endspiel" waren an vielen Bühnen umjubelt. Vom Jahr 2000 an gingen sie auch gemeinsam mit Rezitationsabenden auf Tournee.

Seit 2005 war der Sohn mehrfach auch am Berliner Renaissance-Theater zu sehen. Erst in den vergangenen drei Jahren arbeitete er wieder für Film und Fernsehen. So lief im vergangenen Jahr der ZDF-Zweiteiler "Die Pfeiler der Macht" nach dem gleichnamigen Roman von Ken Follett. Ende September kommt Kai Wessels NS-Drama "Nebel im August" über die Ermordung von behinderten Kindern ins Kino.

Eigentlich sei er mit seinem Leben zufrieden, sagt der in Berlin lebende Schauspieler. "Bisher bin ich mir treu geblieben und habe das gemacht, was ich machen möchte. Und ich hoffe, dass mir das weiter so gelingt."


Quelle: DPA
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