Das sind Pete Dohertys unterhaltsamste Skandale

Das sind Pete Dohertys unterhaltsamste Skandale
Oft weiß man nicht, was er vorhat: Pete Doherty bei einem Auftritt in London © Joel Ryan/Invision/AP

Ist Rock'n'Roll überhaupt noch ein lebendiges Ideal? Oder sind gitarren- und hotelzimmerzerschlagende Männer mit übersteuerten Verstärkern längst eine Episode aus dem Museum der Kulturgeschichte? Die Antwort fiele leichter, gäbe es da nicht einen jungen Herren namens Pete Doherty. Als letzten Aufrechten der bedingungslosen Selbstzerstörung kannten die Fans den 36-Jährigen. Jetzt kehrt er in Bälde, noch 2015, auf die große Bühne zurück - mit seiner Kultband The Libertines und einem neuen Album im Gepäck.

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Heroin im Gericht

Zugleich könnte Fans des guten alten Doherty der Atem stocken: Der Star hat zum Jahresanfang eine Entziehungskur erfolgreich abgeschlossen. Von seiner Hassliebe mit Libertines-Widerpart Carl Barat (36, "A Storm Is Coming") scheint nur noch die Liebe geblieben zu sein. Und während all das dem Menschen Doherty nur zu gönnen ist, schreckte diese Nachricht am Mittwoch alle Libertines-Freunde: Produziert werden soll das neue Album vom One-Direction-Intimus Jake Gosling. Ausgerechnet! Trotzdem wird Pete Doherty natürlich als Erbe des Rock'n'Roll-Spirits im Gedächtnis bleiben. Ein kleiner Rückblick lässt nur diesen Schluss zu:

 

Heroin im Gerichtssaal

 

Denn ein kleiner Auszug aus Dohertys Sündenregister ist schon beeindruckend: Im Jahr 2003 ein Gefängnisaufenthalt wegen eines Einbruchs beim kongenialen Bandkollegen Barat. 2008 noch einmal Gefängnis wegen Drogenbesitzes und Fahrens ohne Führerschein. Dazwischen waren die Libertines wegen der Drogenprobleme aufgelöst worden. Dazu diverse abgebrochene Aufenthalte in Entzugskliniken, eine turbulente Affäre mit Supermodel Kate Moss (39) und so einige Schlägereien.

Vor sechs Jahren wurde Doherty gar zu einer Geldstrafe verurteilt, weil ihm vor Gericht ein Päckchen Heroin aus der Jackentasche fiel. Ebenfalls 2009 stimmte er bei einem Auftritt in München die erste Strophe des Deutschlandliedes an und wurde vom Publikum gnadenlos ausgebuht. Unvergessen wird in Deutschland wohl auch bleiben, dass der Musiker 2011 im beschaulichen Regensburg gemeinsam mit dem Schauspieler August Diehl (39) mutmaßlich in einen Gitarrenladen einbrach - so betrunken, dass die Staatsanwaltschaft nur noch einen Strafbefehl wegen "fahrlässigen Vollrausches" beantragen konnte.

 

Gitarren im Porno-Kino

 

Dazwischen gab es immer wieder ebenso legendäre wie chaotische musikalische Momente. So schwärmen Besucher noch heute von drei Londoner Auftritten der Libertines aus dem Jahr 2003, die jeweils mit einem Bühnensturm des Publikums endeten. Auch Überraschungsauftritte in Pubs, Privatwohnungen oder Porno-Kinos gehörten in der Vergangenheit zum Repertoire von Dohertys Bands und Projekten. Natürlich ebenso wie reihenweise abgesagte Touren und abgebrochene Konzerte.

Da kann schon mal in Vergessenheit geraten, dass Pete Doherty einst auch oder vor allem wegen seiner Songs berühmt wurde. Zuerst in der klassischen, zerstörerischen Zweierkonstellation mit Barat, die sich immer wieder auch in den Texten und Wechselgesängen der beiden niederschlug. Vollkommen ebenbürtig den britischen Helden Morrissey/Marr, einst vereint bei den Smiths, oder Noel und Liam Gallagher von Oasis.

 

"Die Emotionen kommen immer sofort wieder hoch"

 

Das Konzept Rock'n'Roll lebt eben auch von seinem Hang zur Selbstzerstörung. Da bewegt es die Fans, wenn auf "Can't Stand Me Now", der vorletzten Single der Libertines, Doherty Barat zuzurufen schien: "Have we enough to keep it together?". Oder wenn der gleiche Doherty auf dem großen Hit seiner Zweitband Babyshambles, "Delivery", über tobenden Gitarren singt "Here comes a delivery/straight from the heart of my misery" - oder, an anderer Stelle, scheinbar wie im Rückblick auf seine Verfehlungen, "So fuck forever... if you don't mind!". Das ist die Wildheit und Rotzigkeit, die sich der Hörer für sein eigenes Leben wünscht.

Ob es auch ohne Drogen und mit One-Direction-Produzent weiter wild und rotzig bleibt? Den Libertines-Fans bleibt zu hoffen, dass auch in musikalischer Hinsicht stimmt, was Carl Barat vor gut einem Jahr dem "NME" erzählte: "Es ist einfach großartig, wieder mit Peter zu sprechen. Das ist immer lustig, es kommen immer sofort die alten Emotionen wieder hoch", sagte der Sänger und Gitarrist - es klang wie Beschwerde und Lob zugleich.

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