"Das Märchen der Märchen": Bizarres Schauspiel

"Das Märchen der Märchen": Bizarres Schauspiel
Die Königin von Longtrellis (Salma Hayek) verspeist das Herz eines Seeungeheuers © 2015 Concorde Filmverleih GmbH

Es wird Zeit, mit einem Missverständnis aufzuräumen. In der Hoffnung, dass künftige Generationen von Heranwachsenden in ihren Träumen nicht mehr von brennenden Hexen und mordlüsternen Wölfen verfolgt werden: Märchen sind nichts für Kinder. Die berühmten Geschichten der Gebrüder Grimm waren ursprünglich nie dazu gedacht, Achtjährige um den Schlaf zu bringen. Zu brutal, zu schlüpfrig, zu verstörend war die erste Fassung von "Grimms Märchen" im Jahr 1812. Erst nach diversen Überarbeitung schafften es Hänsel, Gretel und alle anderen in die Kinderzimmer dieser Welt.

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Neuer Film von Matteo Garrone

In der klassischen, nicht kindgerechten Tradition der Geschichten sieht sich auch der neueste Film von Regisseur Matteo Garrone (46, "Gomorrha"). Sein "Märchen der Märchen" ist zwar ab 12 Jahren freigegeben, trotzdem dürften gerade Jugendliche mit dem Werk ihre Probleme haben. Zu bizarr und speziell ist die Bildsprache, zu eigenwillig die fantastische Filmwelt. Wer aber eine Vorliebe für die Werke von Guillermo del Toro oder Tim Burton hat und außerdem mit der Märchen-Thematik warm wird, den erwartet ein außergewöhnliches und stargespicktes Projekt.

Der Film erzählt drei Geschichten zwischen Faszination und Erschrecken, zwischen Schönheit und dem Hässlichen: Die Sehnsucht der Königin von Longtrellis (Salma Hayek) nach einem Erben, die sie das Leben ihres Mannes (John C. Reilly) einbüßen lässt. Zwei mysteriöse Schwestern, die die Leidenschaft des Königs von Strongcliff (Vincent Cassel) heraufbeschwören. Die Besessenheit des Königs von Highhills (Toby Jones) von einem riesenhaften Floh, der seine Tochter ins Unglück stürzt.

 

Fazit

 

Vorlage für Garrones Film, der seine Weltpremiere im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes hatte, ist die italienische Märchensammlung "Pentameron", die knapp 200 Jahre vor den Grimm'schen Märchen erschien. Die Geschichten verweben das Schöne mit dem Grotesken und schaffen so ein sehr eigenständiges Werk des europäischen Fantasy-Kinos, das sich in seiner Abgründigkeit und Widersprüchlichkeit wohltuend von fröhlichen Hollywood-Märchen abhebt.

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