'Das Leuchten der Stille': Liebesdrama ohne Taschentuch-Faktor

'Das Leuchten der Stille': Amanda Seyfried turtelt mit Channing Tatum

'Das Leuchten der Stille': Liebesdrama ohne Taschentuch-Faktor
© Scott Garfield

Mit „Das Leuchten der Stille“ hat sich Regisseur Lasse Hallström in die Reihe der Verfilmer von Nicolas-Sparks-‚Romanen eingereiht. Doch obwohl der Bestseller-Autor sonst ein Garant für hohen Taschentuch-Verbrauch ist, will die ereignislos vor sich hinplätschernde Liebesstory beim Zuschauer kein echtes Herzschmerz-Feeling aufkommen lassen.

Während seines Heimaturlaubs besucht Soldat John Tyree (Channing Tatum, gerade vom 'People'-Magazin zum schönsten Mann der Welt gekürt) seinen Vater (Richard Jenkins) in South Carolina. Beim Surfen am Strand lernt er die Südstaatenschönheit Savannah Curtis (Amanda Seyfried) kennen, eine Studentin aus reichem Hause. Obwohl die beiden aus verschiedenen Welten stammen, ist es für beide Liebe auf den ersten Blick. Sie verbringen zwei unvergessliche Wochen zusammen, in denen John auch Savannahs guten Freund Tim kennenlernt, der einen autistischen Sohn hat. Die Studentin macht unterdessen Bekanntschaft mit Johns schweigsamem Vater. Doch dann muss der US-Soldat ein letztes Mal zu seiner Einheit zurückkehren, um die letzten zwölf Monate seines Wehrdiensts abzuleisten. Nur ein Jahr trennt das frisch verliebte Paar von einer gemeinsamen Zukunft.

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'Das Leuchten der Stille' verfehlt die Tränendrüsen der Zuschauer

Beim letzten Treffen aber kommt es zum Eklat: Savannah äußert die Vermutung, dass Johns Vater Autist sein könnte. Wütend lässt John sie stehen. Doch der Streit der beiden Verliebten hält nicht lange an. Noch vor Johns Abreise bringt Savannah ihrem Liebsten persönlich einen Brief vorbei, dem zahlreiche weitere folgen sollen, um die Distanz zu überbrücken. Eines Tages jedoch erreicht John der letzte Brief: Savannah hat sich mit einem anderen verlobt. Wie wird John mit dieser Nachricht umgehen?

Das Liebesdrama „Das Leuchten der Stille“ plätschert ohne echte Höhepunkte dahin und verfehlt die Tränendrüsen des Zuschauers. Während Amanda Seyfried die Rolle der Savannah mit Bravour meistert und einmal mehr beweist, warum sie derzeit zu den hoch gehandelten Gesichtern Hollywoods gehört, bleibt Channing Tatum in der Rolle des John eher farblos. Der Zuschauer kauft ihm den schüchternen, geschniegelten US-Soldaten, der jede Woche sehnsuchtsvoll auf den Brief seiner Liebsten wartet (mit der er zuvor wohlgemerkt nur zwei Wochen verbracht hat) nicht ab. Auch im Zusammenspiel schaffen es die beiden nicht, eine glaubwürdige Liaison auf die Leinwand zu zaubern.

Erwähnt sei aber der überzeugende Richard Jenkins in der Rolle von Johns in sich gekehrten Vater. Er spielt zwar nur eine Nebenrolle, ist aber in dieser wirklich glaubhaft und stellt damit einmal mehr sein Talent als Charakterdarsteller unter Beweis. Dennoch schlägt der Versuch Lasse Hallströms, eine Verbindung zwischen dem seichten Liebesdrama und dem doch sehr ernsten und komplexen Thema Autismus zu schaffen, fehl. Es scheint, als habe der Regisseur versucht, seinem Film durch die Krankheit etwas mehr Tiefgang zu verpassen. Doch da hat er sich leider ein Thema ausgesucht, das sich nicht mal eben nebenbei abhandeln lässt.

Insgesamt berührt der Film erstaunlich wenig. Der Zuschauer bleibt zwar von Kitsch der schlimmeren Sorte verschont, aber leider auch davor, sein Taschentuch zu zücken. Wer auf einen reinigenden Weinkrampf hofft, ist hier definitiv fehl am Platze.

Von Jacqueline Sachse

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