'Das Leben ist nichts für Feiglinge': Wotan Wilke Möhring hat Sinn für Dramen

Das Leben ist nichts für Feiglinge - Filmkritik
Das Leben ist nichts für Feiglinge © Bernd Spauke

4 von 5 Punkten

Er hat Charme, Sexappeal und ist einer der beliebtesten Schauspieler Deutschlands - beruflich wie auch privat könnte es für Wotan Wilke Möhring zurzeit nicht besser laufen. Während der 45-Jährige im wahren Leben gerade zum dritten Mal Vater geworden ist, muss er sich in seinem neuen Film 'Das Leben ist nichts für Feiglinge' unter der Regie von André Erkau als plötzlich alleinerziehender Vater durchschlagen. Die warmherzige Tragikomödie schildert die emotionale Reise von drei Menschen, die ganz unterschiedlich mit dem Thema Verlust umgehen. Ein Film, der auf beeindruckende Weise das Auf und Ab des Lebens widerspiegelt.

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Über den Tod spricht man nur sehr ungern und viele schieben das Thema lieber ganz weit von sich. So auch Markus Färber (Wotan Wilke Möhring, 'Männerherzen'), der mit dem plötzlichen Unfall-Tod seiner Frau fertig werden muss und aus Angst vor der eigenen Trauer verzweifelt versucht die Normalität in den Alltag zurückzubringen. Dies gelingt ihm leider gar nicht und so verliert er nicht nur den Zugang zu den Angestellten seiner Catering-Firma, sondern auch den zu Tochter Kim (Helen Woigk, 'Die Gräfin').

Als wäre das alles nicht schon genug, wird bei Markus 'Mutter Gerlinde Färber (Christine Schorn, 'Good Bye, Lenin!') auch noch Krebs diagnostiziert. Daraufhin packt seine Tochter ihre Sachen und brennt mit ihrem Freund nach Dänemark durch. Zusammen mit seiner Mutter und dessen Pflegerin Paula (Rosalie Thomass, 'Eine ganz heiße Nummer') macht sich Markus auf die Suche nach Kim und findet auf der Reise nicht nur seine Tochter wieder, sondern auch zurück ins Leben.

Auch wenn es vordergründig um das Thema Tod geht, so feiert 'Das Leben ist nichts für Feiglinge' vor allem das Leben. Regisseur André Erkau ("Arschkalt") schafft es mit seiner Verfilmung des gleichnamigen Romans von Gernot Gricksch (der auch für das Drehbuch verantwortlich war) schwierige Themen wie Tod, Krankheit und Entfremdung mit lakonischem Witz und bemerkenswerter Leichtigkeit so zu verpacken, dass daraus ein beschwingter und optimistischer Film wird, der auch für Mainstream-Konsumenten und Fans von "Keinohrhasen" oder "Männerherzen" unterhaltsam ist. Das liegt vor allem daran, dass er die Verletzlichkeit der Figuren zu jeder Zeit ernst nimmt und so zeichnet, wie es das wahre Leben vormacht.

Kann Wotan Wilke Möhring auch in einem Drama überzeugen?

Wotan Wilke Möhring ("Männerherzen") brilliert in seiner Darstellung des komplett überforderten Witwers und bringt die zerrüttete Gefühlswelt von Markus toll zur Geltung. Mit dieser Rolle beweist der 45-Jährige, dass er sich ebenso in einem Drama zurechtfindet und auch tragische Rolle überzeugend verkörpert.

Neben Möhring brilliert auch Christine Schorn ("Good Bye, Lenin!") in ihrer Rolle als Gerlinde Färber. Obwohl ihre Figur innerlich resigniert, spickt sie Gerlinde mit kernigem Zynismus und bringt eine herzzerreißende Verletzlichkeit in die Rolle, für die sie für den deutschen Fernsehpreis nominiert wurde. Mit Rosalie Thomass ("Eine ganz heiße Nummer") als Paula, die mit ihrer lebensbejahenden Darstellung Leichtigkeit in die Geschichte bringt, sorgt sie für die meisten Lacher im Film.

Und auch optisch überzeugt der Film. Obwohl auf sentimentale Gefühlsausbrüche der Schauspieler weitgehend verzichtet wird, schaffen die atmosphärischen Schauplätze in Deutschland und die windige Dünen-Umgebung in Dänemark genau das richtige Maß an Melancholie und Tragik.

Fazit: Ein Film für die ganze Familie, der ans Herz geht und trotz seines schweren Themas überzeugt. Man verlässt das Kino mit einem guten Gefühl.

Von Ann-Christin Gebhardt

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