Das Hollywood-Geschäft nur eine Fassade? "Inside Hollywood"

Das Hollywood-Geschäft nur eine Fassade? "Inside Hollywood"

Von Britta Plötner

Im Leben des Filmproduzenten Ben (Robert de Niro) läuft's nicht gerade gut: Stress mit Chefin Lou Tarnow (Catherine Keener), Probleme mit dem Hauptdarsteller seines neusten Werkes, Bruce Willis (Bruce Willis) und die gescheitere Ehe mit Kelly (Robin Wright Penn). Dazu kommen noch seine pubertierende Tochter Zoe (Kristen Stewart) und die Midlife-Crisis, die auch vor einem der mächtigsten Produzenten Hollywoods nicht halt macht. Das hört sich nicht nur chaotisch an - es ist chaotisch. Doch Ben versucht, die Ruhe zu bewahren und allen Menschen gerecht zu werden. Das dieser Schuss nur nach hinten los gehen kann, ist vorhersehbar.

Eigentlich könnte Bens Leben ein Traum sein. Er hat einen coolen Job, hat drei zauberhafte Kinder von zwei wunderschönen Frauen, ein tolles Haus, einen fetten Porsche und kann sich auch über weiblichen Zuspruch nicht beklagen. Doch der Schein trügt. Seine zweite Ehe ist ebenso gescheitert wie seine erste, aus dem tollen Haus ist er mittlerweile ausgezogen, seine Noch-Ehefrau sieht er meist nur noch bei den wöchentlichen Terminen auf der Couch der Paartherapeutin. Und auch wenn die 'Vanity Fair' ihn zu einen der mächtigsten Filmbosse Hollywoods erkoren hat, so muss er sich doch tagtäglich mit allerhand heuchelnden und selbstverliebten Strippenziehern in Tinseltown herumschlagen. Zum Durchdrehen!

Und niemandem kann er es recht machen - Studiochefin Lou passt das blutige Ende seiner neuen Produktion 'Fierce' nicht, und der durchgeknallte Regisseur Jeremy Brunell (Michael Wincott) verweigert zunächst jede Änderung und beharrt auf seiner künstlerischen Freiheit. Und wie soll es Ben gelingen, den vor Wut rasenden Bruce davon zu überzeugen, dass, sollte er seinen Rauschebart nicht abrasieren, der Film gecancelt wird. Sein verängstigter Agent Dick (John Turturro) ist ihm auf jeden Fall keine große Hilfe. Doch Ben hat ein Ziel - er will mit seiner Produktion zu den Filmfestspielen nach Cannes und dort eine glamouröse Weltpremiere feiern. Als Bruce endlich seine Wangen vom überflüssigen Haar befreit und Jeremy ein Einsehen hat, indem er das Ende von 'Fierce' zur Zufriedenheit von Führungsetage und Marketing ändert, rückt Bens großer Traum in greifbare Nähe.

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Das Hollywood-Geschäft nur eine Fassade? "Inside Hollywood"

Trotz einer hochkarätigen Besetzung ist dem Oscar-prämierten Regisseur Barry Levinson (Rain Man, Good Morning, Vietnam) mit der ironischen Komödie 'Inside Hollywood' kein großer Wurf gelungen. Schade, aber der Film ist eindeutig zu lang, ganze Passagen im Mittelteil langweilen. Dabei gibt es, trotz oftmals langatmiger Handlung, dieser durchaus amüsanten Geschichte einiges zu Lachen. Mit feinem Witz und dem ein oder anderen Augenzwickern entführt Levinson den Zuschauer in die Welt hinter den Kulissen Hollywoods. Robert de Niro spielt - außer dem herausragenden Michael Wincott - alle anderen an die Wand. Der verzweifelte Versuch eines Mannes, sein verkorkstes Leben in den Griff zu bekommen, wird von de Niro mit Witz und Charisma perfekt umgesetzt.

Ein dickes Lob gilt auch dem Kameramann Stéphane Fontaine, der es schafft, den Zuschauer mitzunehmen in das chaotische, hektische Hollywood. Zeitrafferaufnahmen in vielen Freeway-Szenen verstärken die dauernde Bewegung, den Stress und das Lebensgefühl. Meist klebt Fontaine mit seiner Kamera ganz nah an Robert de Niro - dadurch gelingt es ihm, eine extreme Nähe zum Hauptdarsteller zu schaffen. Oftmals anstrengend - aber durchaus effektiv!

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