Darum schreibt Ella Henderson melancholische Lieder

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Ella Henderson im Interview
Ella Henderson (rechts) im Gespräch mit Anna Wüst

Von Anna Wüst

Zwei Jahre ist es her, dass Ella Henderson bei der britischen Ausgabe von 'The X-Factor' das erste Mal vor einem Millionenpublikum stand und Nicole Scherzinger zu Tränen rührte. "Extrem nervös und ängstlich" war die damals 16-Jährige vor ihrem Auftritt‚ wie sie uns im Interview verrät. Zu dem Zeitpunkt hätte sie wohl nicht damit gerechnet, dass mal mit ihrem ersten Album 'Chapter One' im Sturm die Charts erobern würde. Wenn die heute 18-Jährige zurückdenkt, kommt es ihr vor, als wären es Millionen Jahre her. Und dass Ella zu einer jungen Frau herangereift ist, sieht man nicht nur an ihrem neuen Styling.

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Das Mädchen aus Tetney in England wirkt bei unserem Interview nämlich weder ängstlich noch zurückhaltend. Kein Wunder, für ihr zartes Alter hat Ella schon eine ganze Menge erlebt. "Als ich auf meinem Handy gesehen habe, dass meine Single Nummer eins in England ist – das war einfach verrückt", erzählt sie uns. Genau das hat sich Ella immer erträumt, denn sie ist mit Musik aufgewachsen. Schon mit drei Jahren hat sie angefangen, sich selbst das Klavierspielen beizubringen. Mit elf Jahren wechselte sie auf eine Schule für darstellende Künste. Dass der Erfolg sich jedoch so schnell einstellen würde, kam eher unerwartet: "Ich wusste immer, dass ich Musik machen will. Ich wusste nur nicht, wie ich dahin kommen soll. Und jetzt sitze ich hier mit meinen 18 Jahren. Das ist alles so schnell passiert, es ist unglaublich."

'Ghost' ist die erste Single-Auskopplung ihres Albums, obwohl der Song quasi in letzter Minute geschrieben wurde. Denn Ella war mit dem fast kompletten Album nicht ganz zufrieden: "Irgendetwas fehlte. Also nahm ich mir ein bisschen mehr Zeit zum Schreiben. In dieser Zeit lernte ich Ryan Tedder (Frontmann von 'One Republic') kennen. Er hörte einen Song von mir und wir trafen uns im Studio. Die Chemie stimmte einfach und innerhalb von 20 Minuten hatten wir 'Ghost' geschrieben." Dass es ihr Lieblingssong auf der Platte ist, kann sie dennoch nicht behaupten, dieser hänge immer von ihrer Laune ab: "Morgen kann es sich wieder ändern", lacht Ella.

Ella Henderson hat den Song 'Missed' für ihren Großvater geschrieben

Wenn die junge Musikerin so ausgelassen erzählt, kann man sich schwer vorstellen, woher diese Melancholie in ihren Liedern kommt. Innerlich sei sie ein nachdenklicher Mensch, so die 18-Jährige: "Ich halte mich lieber bedeckt. Wenn ich mich ausdrücken will, dann tue ich das durch meine Musik. Das ist es, was ich am Schreiben liebe. Ich entscheide, durch welche Türen ich gehen will und was ich zu sagen habe." Auch bei ihrem Album hatte Ella das Glück, selbst entscheiden zu können. Egal, ob es um die Songs, das Album-Cover, die Videos oder ihre Klamotten ging . "Ich will echt sein, denn das macht Musik aus. Sonst würde es sich nicht richtig anfühlen."

Und dass ihre Texte von Herzen kommen, beweist sie besonders mit einem ihrer ersten Songs: 'Missed' schrieb sie bereits im Alter von 14 Jahren, nachdem ihr Großvater verstarb. "Ich konnte mich nie von ihm verabschieden. Ich war noch sehr jung, als er von uns gegangen ist. Aber er hatte einen sehr großen Einfluss auf mich, besonders musikalisch. Ich habe zu ihm aufgeschaut. Meine Emotionen habe ich dann in diesen Song fließen lassen, wodurch ich ihn loslassen und "Goodbye" sagen konnte."

Neben ihrem Großvater hat Ella noch andere Vorbilder: Mit der zehnfachen Grammy-Gewinnerin Adele würde sie liebend gerne mal zusammenarbeiten: "Sie ist so echt und ich liebe, wofür sie steht". Denn auch privat ist Ella ein Fan von kräftigen, rauen Stimmen: Sam Smith, Lauryn Hill oder Alicia Keys gehören zu ihren Favoriten. Aber auch Reggae-Musik darf beim Chillen nicht fehlen. Wir sind gespannt, welche Zukunft Ella noch bevorsteht. Mit ihren 18 Jahren hat sie noch so viel Zeit - und scheint trotzdem fast schon ein alter Hase im Geschäft zu sein.

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