Daniel Schuhmacher im exklusiven Interview

Daniel Schuhmacher im Interview Daniel Schuhmacher (l.) sprach mit unserem Redakteur Jakob Paßlick.

"Ich bin ein Melancholiker"

Der DSDS-Sieger von 2009 bringt sein drittes Album auf den Markt. Unserem Redakteur Jakob Paßlick gewährte Daniel Schuhmacher tiefe Einblicke in sein Seelenleben.

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Auf deinem Album sind zum ersten Mal ausschließlich selbstgeschriebene Lieder von dir zu hören. Das war dir besonders wichtig, warum? Daniel: Es war immer ein Traum von mir. Ich habe schon immer Songs geschrieben, die waren am Anfang aber schrecklich. Deshalb ist es jetzt auch das wichtigste Album für mich. Das ist Herzblut, das bin jetzt ich, auch mit ganz persönlichen und intimen Momenten auf dem Album. Das waren zweieinhalb Jahre richtig harte Arbeit.

Was können die Fans von deinem Album erwarten? Daniel: Ich glaube, wer die ersten beiden Alben kennt, ist überrascht. Auf der neuen Platte gibt es Popmusik mit Elektroeinflüssen der 80er Jahre, ebenso auch Balladen zu hören.

'Diversity' heißt übersetzt 'Vielfalt'. Was willst du damit ausdrücken? Daniel: Für viele war ich der liebe Junge ohne Profil. Ich bin aber definitiv mehr. Ich habe auch - das hört man in den Songs - meine dunklen und provokanten Seiten. Bin aber eben auch ehrlich und ein Stückweit sensibel. Ich mag dieses Schubladen denken nicht. Leider wird man sehr schnell in eine Schublade gesteckt. 'Diversity' ist darauf bezogen, dass ich mehr bin als viele denken.

Gab es unter deinen Songs ein Sorgenkind? Daniel: 'Why Do I Cry'. Den hatte ich für das Album überhaupt nicht auf dem Sender. Schließlich haben wir an dem Lied herumgewerkelt und es klang geil. Plötzlich hatte der Song einen ganz anderen Stellenwert bei mir. Mittlerweile ist das einer der Lieblingssongs der Fans. Wir haben über 40 Songs für das Album geschrieben. Sich dann für 15 zu entscheiden war echt eine harte Aufgabe.

Deine Songs lesen sich teilweise sehr melancholisch… Daniel: Ich bin melancholisch und schreibe sehr gerne melancholische Songs. Ich beneide die Leute, die diese ganzen Partysongs schreiben können. Ich kann das nicht. Ich erinnere mich auch eher an die melancholischen und vielleicht auch etwas traurigeren Dinge in meinem Leben. Das ist so: Ich bin Melancholiker, habe aber immer die Hoffnung, das alles besser wird. Hoffnung gibt es trotz Melancholie auch immer in meinen Songs.

Daniel Schuhmacher im Interview "Ich bin Dieter Bohlen extrem dankbar"

"Das macht einen teilweise echt 'gaga' im Kopf!"

In einem deiner Lieder - 'Touch me' - sprichst du von der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Daniel: Der Song ist auf Freundschaft und natürlich auf Liebe bezogen. Dass man Menschen um sich herum hat, bei denen man sich wohlfühlt, Menschen, die echt für einen da sind und hinter einem stehen. Wenn man so eine Show gewinnt, merkt man ganz schnell, wer seine echten Freunde sind und wer nicht.

Im Song 'Over' sprichst du von Abrechnungen. Daniel: Definitiv. 'Over' ist der Song mit dem größten Hasspotential. Da habe ich alles rausgelassen.

Mit wem rechnest du ab? Daniel: Das bezieht sich beispielsweise auf Menschen aus der Industrie, die ich kennengelernt habe. Gerade nach DSDS. Aber auch Menschen, bei denen ich dachte, dass ich ihnen vertrauen kann. Doch plötzlich merkt man, dass sie keine wahren Freunde waren. Dann ist man enttäuscht und wütend. 'Over' ist für mich die komplette Abrechnung mit diesen Menschen. Ich hoffe, dass die Leute, die es betrifft, den Song hören und wissen, dass sie gemeint sind und es ihnen dann schlecht geht. Ich muss aber immer wieder aufs Neue sagen, nicht Dieter Bohlen. Viele meinen immer: ‚Over‘ könnte ich über die Zeit mit Bohlen geschrieben haben, das stimmt auf keinen Fall. Dieter Bohlen bin ich extrem dankbar. Es gibt kein böses Blut von mir.

In 'Vertigo' verarbeitest du Selbstzweifel: Daniel: Ich hatte Selbstzweifel. Vor DSDS war ich kein selbstbewusster Mensch, auch danach hatte ich Zweifel. Es ging einfach alles so schnell und ich musste so schnell hereinwachsen. Man muss erst einmal mit der neuen Welt klarkommen. Man zweifelt ständig, ob man das Richtige macht, und dann will man auch noch jedem gefallen. Das macht einen teilweise echt 'gaga' im Kopf. Man muss schneller erwachsen werden.

Klingt hart. Daniel: Ich bin nicht der Typ, der sagt: 'Geil, ich werde auf der Straße erkannt.' Auf der Bühne liebe ich das. Wenn ich rumlaufe, muss ich aber nicht erkannt werden. Dass mich plötzlich alle erkannt haben und auch eine Meinung zu mir haben, war der schwierigste Part, den ich lernen musste.

Das ist als Casting-Show-Gewinner wohl auch noch extremer? Daniel: Ja, die denken, die kennen einen und wissen genau wie man ist. Gibt es ein Beispiel?

Beim Einkaufen. Plötzlich kommt einer und sagt: 'Ich find dich Scheiße!'

Lesen Sie im zweiten Teil: Daniel Schuhmacher spricht über seine Heimat, dass er 15 Kilo abgenommen hat und darüber, was deutschen Castingshows fehlt.

 
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