Daniel Craig: "Ich bin nicht lustig!"

Daniel Craig: "Ich bin nicht lustig!"

Im Interview gibt er sich naturgemäß ‘very british’: freundlich, aber zurückhaltend. Private Details lässt sich der 007-Darsteller mit den stahlblauen Augen nur äußerst ungern entlocken. Trotzdem hat er verraten, warum er seine Kollegen am Set zu seinem neuen Film ’Unbeugsam’ zum Wodka trinken überredet hat und er findet, dass auch seine Paraderolle James Bond Schwächen hat.

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Interview: Kathrin Pleiss

Mr. Craig, wie geht’s Ihnen? Springen Sie momentan von einem Set zum nächsten?

Mir geht’s super. Nach den Aufnahmen zu ’Unbeugsam’ in Litauen bin ich zurück nach London geflogen und direkt am nächsten Tag war ich schon wieder für Bond-Proben im Studio. Das war ganz gut eigentlich, denn so habe diesen Job schnell wieder aus dem Kopf gekriegt und bin wieder zu klarem Verstand gekommen.

Was haben Sie denn gegen die Kälte in Litauen gemacht?

Wodka trinken hilft! Nein, wir konnten gar nicht so viel trinken. Der einzige Tag, an dem wir gesoffen haben, war der, an dem wir die Hochzeit gedreht haben. Da gab es nicht so viel Text. Wir mussten nur feiern und tanzen. Also hab ich gesagt: ’Macht doch mal Wodka in die Flaschen und reicht sie rum!’ Wir mussten dann allerdings früh Schluss machen, weil alle voll waren.(lacht)

Sie waren also auch bei der Filmcrew der Anführer?

Ja, klar … der Wodka-Kerl, der Antreiber. Das war meine Aufgabe. (lacht sich halbtot) Tja, wenn du die Hauptrolle hast, dann hast du auch eine gewisse Verantwortung für dein Team. Du musst dich um die Leute kümmern.

Können Sie sich vorstellen mal eine Komödie zu machen?

Ich hab doch schon ganz viele gemacht! Nein, ich bin nicht lustig. Ich bin aber ein großer Fan von Leuten wie Ben Stiller. Die machen tolle Filme. Allerdings gibt es meiner Meinung nach nur eine Handvoll gute Comedy-Autoren. Deswegen machen Komödien mich etwas nervös. Ich habe in ’The Mother’ mitgespielt, und ich fand das irrsinnig komisch. Okay, das hat jetzt nicht jeder gedacht – aber das ist so meine Richtung. (In ‚Die Mutter’ spielt Daniel Craig den jungen Lover einer 60-Jährigen)

Was hat Sie an der sehr ernsten Rolle des Tuvia gereizt? Er ist ja ein Mann der Gegensätze. Rächer und Retter zugleich.

Klar, es gibt ja immer diese Momente im Film, wo das Publikum über die Hauptrolle urteilt – auch moralisch. Zum Beispiel als Tuvia diesen Typen umbringt, der ihn als Anführer in Frage stellt. Diese Szene macht Sinn für mich. Tuvia bringt den Typen um, weil dieser ihn sonst im Schlaf töten würde. Das ist Diktatur – kein Zweifel. Und er erlaubt seinen Leuten, den deutschen Soldaten zu töten. Ihn als Gefangenen im Dorf zu behalten, hätte die ganze Community zerstört. Deswegen erlaubt Tuvia den Mord. Die Zuschauer müssen darüber moralisch richten. Ohne solche Entscheidungen hätte ich den Film nicht machen können. Solche Szenen müssen Fragen aufwerfen.

Was hätten Sie persönlich denn an Tuvias Stelle getan?

Ich weiß es nicht. Ich wünschte, ich könnte jetzt sagen, ich hätte mein Bestes getan. Ich weiß, dass ich meine Familie beschützt hätte. Vermutlich hätte ich sogar für sie getötet. Aber was ist dann der nächste Schritt? Ich habe keine Ahnung. Gerade das finde ich an dem Film faszinierend.

Daniel Craig: "Ich bin nicht lustig!"

Was sind die Unterschiede zwischen Bond und Tuvia?

Bond kann man sowieso eigentlich mit gar nichts vergleichen. Er kämpft gegen die bösen Jungs und wir versuchen, dass das dann gut aussieht. Bond ist immer Premium und Hochglanz, so ist das eben - ein riesiger Hype, aber am Ende ist es auch nur ein Film. Mittlerweile verstehe ich ja was von Filmsprache und durchblicke ein bisschen, wie das alles funktioniert. Egal, ob du jetzt Bond drehst oder einen Film wie ’Unbeugsam’ - letztlich hast du immer das gleiche Ziel: Gib dein Bestes, um einen möglichst guten Job abzuliefern. Das Tolle an meinem Job: Ich arbeite viel, komme viel rum und erkunde immer wieder neue Sachen.

Wissen Sie noch, in wie vielen Ländern Sie vergangenes Jahr waren?

Jetzt so aus dem Kopf? Weiß ich nicht! Aber ich war schon an ungewöhnlichen Orten. Wir haben Bond in Panama gedreht. Das Land war eine kolossale Überraschung für mich. Panama City ist ein skurriler Ort, aber auf seine eigene Art auch schön.

Haben sich nach Bond die Dinge für Sie geändert. Sehen die Filmbosse Sie jetzt mit anderen Augen?

Ich schaue selbst immer nach guten Drehbüchern. Aber es stimmt schon. Die Türen sind weiter geworden, da hat sich was verändert. Aber es geht ja immer noch darum, dass ich eine Rolle auch wirklich spielen will. Ich habe auch schon viele schwache Charaktere gespielt. Bond ist auch schwach, das ist ja das Interessante. Tuvia genauso. Es geht um den Entwicklungsprozess. Das ist es, was mich an Rollen fasziniert.

Wie wichtig ist es für Sie persönlich, auch Filme zu drehen, die Menschen zum Nachdenken anregen sollen, die eine Moral haben als Kontrast zu den Bond-Filmen?

Nee, so ist das nicht. Ich sehe das nicht als Kontrast zu Bond. Beim Betrachten von Bond sage ich mir nicht: „Oh mein Gott, ich muss dringend mal was ganz anderes spielen.“ Das ist nicht meine Art. Ich will im Grunde eigentlich nur, dass ein Pärchen ausgeht, meinen Film sieht und hinterher noch eine Stunde darüber spricht. Das wäre ein Erfolg. Kino ist ein soziales Ereignis. Zuhause sehe ich mir zwar auch gerne Filme auf meinem supertollen Fernseher an. Ich habe so einen richtig großen, der ganz tollen Sound hat. Aber Kino ist etwas anderes. Mit anderen Leuten raus zu gehen, einen Film zu sehen – das macht Spaß. Hinterher diskutiert man. Ob nun über den Film oder über Fußball – das ist egal.

Wann waren Sie denn das letzte Mal im Kino oder beim Fußball?

Heute Nachmittag, wenn ihr alle weg seid, hab ich ja frei! (lacht) Fußball? Dafür habe ich leider keine Zeit. Aber Liverpool ist mein Team. Ich hab mir vorgenommen, noch zu einem Spiel zu gehen, bevor die Saison vorbei ist.

Mr. Craig, vielen Dank für das Gespräch.

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