Daniel Brühl: Nicht immer erfolgreich beim Flirten

Daniel Brühl: Nicht immer erfolgreich beim Flirten

In Cannes kannte man ihn schon wegen „Die fetten Jahre sind vorbei“, der hier im Wettbewerb lief. Und „Good-Bye Lenin“ hat hier auch fast jeder gesehen. Doch nach seinem herzigen Auftritt als verknallter Nazi-Filmstar, der mit nichts davon abzuhalten ist, seine französische Flamme mit schlechten Anmachsprüchen zu behelligen, kann Hollywood nicht mehr lange auf sich warten lassen. Daniel jedoch ist ganz der alte, bleibt auf dem Teppich und versucht zwischen all den Partys an der Croisette einfach mal schwimmen zu gehen. Mireilla Zirpins hat ihn in Südfrankreich getroffen

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Wie sind in Cannes dieses Jahr die Parties?

Mir kommt es so vor, als wäre ich schon viel länger hier. Ich habe schon eine Menge erleben dürfen. Das ist schon eine Reizüberflutung. Man landet manchmal auf ganz seltsamen Feiern auf Schiffen oder in seltsamen Hotels. Ich habe es aber zusammen mit meinem Geschäftspartner – ich bin ja jetzt auch unter die Produzenten gegangen - versucht, ein bisschen langsamer anzugehen. Wir haben also die Zeit gefunden, hier ganz normal schwimmen zu gehen, unsere Fischsuppe zu essen und dem Ganzen ein bisschen zu entfliehen.

Wie fühlt sich das an, den Film hier zu präsentieren, der am meisten Aufmerksamkeit bekommt?

Ich bin zum vierten Mal hier und war damals bei „Die fetten Jahre“ so unglaublich aufgeregt und nervös. Aber Routine stellt sich nicht ein. Und „Inglourious Basterds“ ist das größte Ereignis in meinem Berufsleben bislang – vielleicht bleibt es das auch.

Wie war die Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino?

Ich bin Tarantino-Fan, seit ich mit 16 „Reservoir Dogs“ gesehen habe. Bei „Pulp Fiction“ meinte ich zu meinem Kumpel: „Ich will einmal einen richtigen Kinofilm machen.“ Dass mich 14 Jahre später ausgerechnet Tarantino anruft. Er hat mir die Rolle direkt nach dem Casting angeboten, was normalerweise nie passiert. Das ist für das Ego eines Schauspielers schon toll. Dabei war ich mir beim Vorsprechen nicht sicher. Ich muss ja in dem Film viel Französisch reden. Quentin sagte: Zu blöd, dass wir das Script nur auf Englisch da haben. Ich hab einfach was improvisiert – allerdings auf Spanisch, ich bin ja zweisprachig aufgewachsen. Ich wusste, der kann kein Wort Französisch und merkt das eh nicht. Jetzt kann man’s ja erzählen.

Und wie lief’s mit Brad Pitt?

Super. Ich schätze ihn sehr als Schauspieler – noch viel mehr, seit ich ihn kennen gelernt habe. Weil er völlig lässig und bescheiden ans Set gekommen ist und allen die Aufregung ganz schnell nimmt. Nach fünf Minuten hält man ihn nur noch für einen gut aussehenden Amerikaner. Jeder fand ihn klasse, die Frauen natürlich noch mehr.

Daniel Brühl: Nicht immer erfolgreich beim Flirten
© picture-alliance/ dpa, Hubert Boesl

Das Thema Judenjäger versus Nazijäger ist ja ein bisschen heikel. Hattest du Angst vor den Reaktionen?

Nein, das soll so sein und ist auch gut für einen Film, denn darüber kommt er ins Gespräch. Angepasste Filme, die jeder nett findet, sind doch langweilig. Tarantino hat in seinen Filmen immer polarisiert. Sie sind Geschmackssache, weil immer gewalttätig. Es ist aber keine plumpe Gewaltorgie, sondern hochintelligent ausgedacht und umgesetzt. Man merkt in jeder Sekunde, wie sehr sich Tarantino mit deutscher Geschichte und deutschen Filmen auseinandergesetzt hat. Er hat ein Gespür für Timing und Suspense und schreibt tolle Dialoge, die man im Kopf behält. Immer schon.

Die schönste deiner Dialogzeilen, die du im Film sagen darfst?

Ich mag jede Szene. Besonders klasse fand ich, dass ein Teil in Schwarz/Weiß gedreht ist. Davon habe ich immer schon geträumt. Die Rolle passt überhaupt perfekt zu mir und ist sehr komisch - eine komplizierte Liebesgeschichte mit einem französischen Mädchen. Ich bin da sehr flirtig unterwegs, lande aber nicht immer mit meinen Versuchen. Das führt zu sehr lustigen Situationen.

Hast du auch schon mal schlechte Erfahrungen mit deinen eigenen Baggerkünsten gemacht?

Oh ja, des öfteren! (lacht laut und schallend) Wahrscheinlich ist es mir sogar heute Abend hier auf der Party schon mehrfach so gegangen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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