Cooler Catwalk: 'Der Gestiefelte Kater'

Cooler Catwalk: 'Der Gestiefelte Kater'

3,5 von 5 Punkten

Schon nach seinem ersten Auftritt in ‚Shrek 2‘, als er dem grünen Oger mit einem Mordauftrag und ausgefahrenen Krallen ans Bein sprang und ihn schließlich mit seinen riesigen, berühmt berüchtigten Kulleraugen um Vergebung bat, war es klar: DreamWorks und die Macher von ‚Shrek‘ haben mit dem gessssstiefelten Katerrr eine Figur geschaffen, die einfach viel zu cool ist, um als bloßer Nebencharakter über die Leinwände dieser Welt zu tanzen. Mit seiner rauchig tiefen Stimme, dem spanischen Akzent und einer Menge frecher One-Liner avancierte das diabolische Kätzchen schnell zum heimlichen Publikumsliebling. So war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die tierische Mischung aus Don Juan und Zorro ihren eigenen Film bekommt. Allerdings hat das Kreativ-Team von DreamWorks beim Ideen-Brainstorming wahrlich ganze Arbeit geleistet und ist mit ihrer durchgeknallten Legende vielleicht etwas übers Ziel hinausgeschossen:

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Bevor er treuer Begleiter eines Ogers und eines Esels wurde, wuchs der Kater (im Original gesprochen von Antonio Banderas, den deutschen Kater spricht Benno Fürmann) als Waise in dem Dorf San Ricardo auf. Nach einer vollbrachten Heldentat mit Stiefeln beschenkt, von den Frauen verehrt und den Männern respektiert, zog der nun beschuhte Schnurrer den Neid seines besten Freundes – des erfinderischen Eis(!) Humpty Alexander Dumpty (Original: Zack Galifianakis, Deutsche Stimme: Elton) – auf sich. Einst waren sie unzertrennliche Abenteurer auf der Suche nach magischen Bohnen, die zu einem himmlischen Schloss voller goldener Eier führen, bis das Ei seinen treuen Gefährten betrügt. Seither muss der Kater seine Tage als Gesetzesloser fristen. Als er während seiner ständigen Flucht das Gaunerpaar Jack (Original: Billy Bob Thornton, Deutsche Stimme: Christian Berkel) und Jill (Original: Ami Sedaris, Deutsche Stimme: Andrea Sawatzki), das die magischen Bohnen hat, ausfindig macht, rennt er geradewegs in die Arme eines alten Bekannten und einer maskierten Kampfkatze, an der er erst einmal in einem heißen Tanzduell vorbei kommen muss.

Cooler Catwalk: 'Der Gestiefelte Kater'

„Der Gestiefelte Kater“ vereint ein buntes Potpourri aus großartigen Ideen – seien es die herrlich schrägen Charaktere, wie das nerdige Eiergesicht und das hässliche Gaunerpaar, oder die inszenatorischen Kniffe, die an alte Spagetti-Western erinnern, oder gar die hübsch eingearbeiteten Filmzitate, mit denen so einigen Kultstreifen der letzen Jahre Tribut gezollt wird. Paart man diesen Mix aus Popkultur und Märchenwelt dann auch noch mit witzig scharfen Dialogen, ist man eigentlich auf dem besten Weg zum unterhaltsamsten Animationsfilm des Jahres. Wären da nicht Konkurrenten wie ‚Rango‘ oder ‚Kung-Fu Panda 2‘ und die Tatsache, dass dieser Ideencocktail vielleicht doch ein paar Umdrehungen zu viel hat.

Die Geschichte wirkt zu Überladen von einer ganzen Reihe wilder Actionszenen, die den Zuschauer von den durchweg starken Figuren ablenken. Kohärent wirkt die Story dabei nicht immer und leidet ein bisschen darunter, stets zu vorhersehbar zu sein. Einzig für die Vorgeschichte aus des Katers Kindheitstagen wird sich ausgiebig Zeit genommen. Hätte man das Erzähltempo hier nicht sofort von 0 auf 100 gejagt, sondern etwas langsamer Fahrt aufgenommen, wäre man dem komplexen Charakter des hoffnungslosen Romantikers getarnt als schnurrender Latin-Lover und Ganove mit dem Herz am rechten Fleck etwas gerechter geworden. Auch die anderen Figuren, wie besagte mysteriöse Kampfamazone Kitty Softpaws (Original: Salma Hayek, Deutsche Stimme: Caroline Vera Squella) und Humpty Dumpty, haben interessante Facetten an sich, die man stärker hätte in Szene setzen können und mehr Identifikationspotential zu schaffen.

Wenn er auch nicht durchgängig überzeugt, so kann ‚Der Gestiefelte Kater‘ mit einer gelungenen Mischung aus kleinkindlich naivem Klamauk und subtil pikantem Humor bei allen Generationen punkten. Auch optisch ist das Animations-Abenteuer fantastisch gelungen. Selbst bei den zahlreichen Actionsequenzen kann man dem bunten Treiben der schnell geschnittenen Szenen mit rasanten Kamerafahren trotz der dunklen 3D-Brille problemlos folgen: Das Bild bleibt klar, die Farben gesättigt und selbst der 3D-Effekt kann sich diesmal wirklich sehen lassen. So vergisst man doch schnell das Ungetüm, das man auf der Nase trägt und kann diese cineastische Karussellfahrt mit der ganzen Familie genießen. Wer des Englischen mächtig ist, sollte das in der Originalfassung tun, denn Antonio Banderas‘ stimmliche Interpretation des Katers ist unschlagbar. Aber auch Benno Fürmann kann mit seinem antrainierten spanischen Akzent, der zwar nicht an das Original herankommt, dennoch voll überzeugen.

Von Mihaela Gladovic

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