'Contraband' mit Mark Wahlberg und Kate Beckinsale

Hölzern und vorhersehbar: 'Contraband'

Von Mihaela Gladovic

2,5 von 5 Punkten

Einmal Gauner, immer Gauner. Das muss auch Mark Wahlberg in ‚Contraband‘, dem Remake des isländischen Films ‚Reykjavik- Rotterdam‘, erfahren. Als Ex-Schmuggler Chris Farraday hat er vor geraumer Zeit seiner Frau und seinen Kindern zuliebe die Schieberei an den Nagel gehängt. Nach einem verpatzen Koksdeal seines jungen Schwagers muss er allerdings nochmal ran. Das ungeschriebene Gesetz unter Drogenbaronen in Hollywood Actionfilmen besagt schließlich: „Baust du Mist, mache ich deine Familie kalt“. Klingt wie ein drittklassiges Heist-Movie von der Stange. Ist es leider auch.

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Die ganze Thematik um die bedrohte Familie ist so ausgelutscht wie der Plot vorhersehbar. Die Schauspieler liefern zwar allesamt eine solide Leistung, dennoch bleiben die Figuren insgesamt etwas lieblos und eindimensional ausgearbeitet. Einzig Giovanni Ribisi (‚Avatar‘, ‚Public Enemies‘) schaut man als abgewracktem Gangsterboss mit allerhand Tattoos wirklich gern beim Bösesein zu. Wahlberg hingegen spielt etwas hölzern und verlässt sich zu sehr darauf, dass man ihm durch sein Image den Bad-Guy-Gone-Good schon abnimmt. Zwar funktioniert das bisweilen ganz prächtig, wirkliches Interesse am Schicksal des Protagonisten und dem seiner Familie entwickelt der Zuschauer dennoch nicht. Das ist mehr als schade, hat Wahlberg sich doch durch so manch bemerkenswerte Leistung (man denke an ‚Boogie Nights‘, ‚The Departed‘ oder ‚The Figther‘) vom Teenie-Idol zum ernst zu nehmenden Schauspieler gemausert.

'Contraband' mit Mark Wahlberg und Kate Beckinsale

Hölzern und frei von Überraschungen

Dass die Figuren keine größere Identifikationsfläche bieten und sowohl die Story als auch die Charaktere beliebig und austauschbar bleiben, liegt auch an der fehlenden Chemie zwischen Wahlberg und Kate Beckinsale, die als Schmugglergattin schon von Aarons Guzikowskis Drehbuch zur Stichwortgeberin deklassiert wird und erst gar keine Entfaltungsmöglichkeiten bekommt. Zwar passt die konsequent kühle Atmosphäre und die Gradlinigkeit, mit der erzählt wird, hervorragend zum Genre. Die inszenatorische Zurückhaltung im Vergleich zu so manch anderem Action-Kracher ist definitiv ein Pluspunkt. Ein bisschen mehr Emotionen hätten es aber doch sein dürfen, wenn man das ganze Tamtam schon an der rührenden Story über die Familie in Gefahr aufzieht. Dazu wirkt alles ein wenig konstruiert und bemüht. Nicht einmal der (etwas zu früh preisgegebene) Plottwist kommt da als große Überraschung daher.

Das Ärgerliche an ‚Contraband‘ ist also nicht etwa das erschöpfte Thema um die Familie mit der Klinge am Hals – schließlich ähneln sich die meisten Genrefilme im Ausgangspunkt ihrer Handlung. Drehbuchautor Aaron Guzikowski und Regisseur Baltasar Kormákur (der im skandinavischen Original die Hauptrolle mimt) inszenieren ihre Geschichte einfach zu konventionell und risikofrei, um das Publikum in ihren Kinosesseln schwitzen zu lassen. Klarer Fall von verschenktem Potenzial.

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