'Coming In': Romantik-Komödie mit Ken Duken, Aylin Tezel und Kostja Ullmann als schwuler Friseur

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Aylin Tezel und Kostja Ullmann in der Romantik-Komödie 'Coming In'
Der schwule Friseur Tom hinterfragt seine Sexualität als er auf die freche Heidi trifft.

2 von 5 Punkten

Jetzt mal ganz unter uns: Sind die Zeiten, in denen man denkt, dass Schwule ‚heilbar‘ sind, wenn sie nur endlich auf die richtige Frau treffen, nicht längst vorbei? Offenbar nicht, denn in ‚Coming In‘ scheint genau das zu passieren. In der Romantik-Komödie spielt Leinwand-Schnuckelchen Kostja Ullmann einen schwulen Friseur (Achtung: Klischee!!), der sich nicht mehr sicher ist, schwul zu sein als er auf Heidi trifft. Nee, ist klar…

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Von Elke Feldmann

Tom Herzner (Kostja Ullmann , ‚Sommersturm‘) ist Star-Friseur der Berliner Szene, erfolgreicher Unternehmer und lebt offen schwul in einer Partnerschaft mit seinem Manager Robert (Ken Duken, ‚Zwei Leben‘) . Als Ikone der Homosexuellenbewegung der Hauptstadt scheint der smarte Herzner völlig im Reinen mit seiner Sexualität, seinem Leben und seinen Idealen zu sein. Doch alles gerät ins Wanken als er auf die Kiezfriseurin Heidi (Aylin Tezel, ‚Almanya - Willkommen in Deutschland‘) trifft.

Bei ihr soll er lernen, wie Frauen ticken und was sie wirklich wollen – Dinge, die ihn zu einer Haarpflegelinie für Damen inspirieren soll. Als Undercover-Friseur Horst taucht er in Heidis Neuköllner Salon ‚Bel Hair‘ in eine für ihn ganz neue Welt ab … und entdeckt dabei auch eine ganz neue Seite an sich. Heidis charmante und direkte Art bringt die gut sortierte Welt des Promi-Friseurs mächtig ins Wanken … bis Tom sogar beginnt seine Sexualität in Frage zu stellen. Auf einmal heißt es für Tom Herzner: Schwul oder nicht schwul?

Die deutsche Komödie des ‚Krabat‘-Regisseurs Marco Kreuzpaintner ist ein netter Kinospaß, jedoch ohne nachhaltigem Eindruck – und erst recht ohne wirklich ernstzunehmenden Realitätsbezug. Trotz hochkarätiger Besetzung (Kevin Ducan, Katja und Paula Riemann, Mavie Hörbiger, August Zirner) kann der Film sich nicht einbrennen. 104 Minuten nette Unterhaltung sind garantiert, doch das große Kino ist es nicht. Fraglich, ob das auch der Anspruch der Romantik-Komödie ist.

Ein paar Klischees zuviel

Gemeinsam mit seinen schwulen Freunden versucht Tom (Kostja Ullmann) eine Lösung für sein 'Problem' zu finden
Die sonst so geordnete Welt von Tom (Kostja Ullmann) scheint ins Wanken zu geraten

Marco Kreuzpaintner, selbst homosexuell, bedient in ‚Coming in‘ viele Schwulen-Klischees, vielleicht ein paar zu viele. Gut gestylte und 'natürlich' betont tuntige, schwule Männer, die auf 'Stößchenpartys' ganz ladylike ihre Beine übereinander schlagen und, wie sollte es auch anders sein, ständig wechselnde Beziehungen haben. Dazu noch heterosexuelle Männer, die ständig über das anstrengende Leben mit Frauen stöhnen. Nein, das sind eindeutig ein paar Klischees zu viel.

Kostja Ullmann und Kevin Ducan funktionieren als schwules Paar nur bedingt gut auf der Leinwand. Optisch sind die beiden Herren sicher für jedes Geschlecht ein Hingucker (auch nackt unter der Dusche), jedoch wirken ihre betont tuntigen Bewegungen und die gedehnte Art zu sprechen überhaupt nicht authentisch. So wenig, dass der Zuschauer schon nach kurzer Zeit inständig hofft, dass es endlich zur Kussszene mit der bezaubernden Aylin Tezel kommt, denn erst in der Rolle des Heteros wirkt Kostja Ullmann tatsächlich überzeugend. Keine Frage, der Kinobesucher kann die Chemie, die zwischen den beiden Hauptdarstellern ganz offenbar vorhanden ist, spüren. Als empathische und nicht auf dem Mund gefallene Salonchefin Heidi sticht Tezel sowieso aus dem Ensemble heraus. Von Anfang an kann sie mit ihrer charmanten Art den Kinobesucher für sich gewinnen. Eine Schauspielerin, die man gerne sieht – und das gerne häufiger. Ullmann jedoch nimmt man seine Rolle als überkandidelter, schwuler Mann überhaupt nicht ab.

Ein weiterer Lichtblick neben Aylin Tezel ist August Zirner (‚Die Fälscher‘). Der Charakterdarsteller kann zwar in seiner Rolle als Herausgeber eines Queer-Magazins durchaus brillieren, bedient aber als 'Übertunte' in (natürlich!) schrillen bunten Hemden das schon arg strapazierte Bild des tuntigen schwulen Mannes ebenfalls leider allzu sehr.

Für ‚Coming In‘ hat Marco Kreuzpaintner viel zu viele Schubladen geöffnet. Schade eigentlich, denn mit der Besetzung hat er eigentlich ein gutes Händchen bewiesen. Viel zu sehr lässt er seine Protagonisten Klischees bedienen. Die vorhersehbare Story hält keine Überraschungsmomente parat und außer für einen Schmunzler muss das Zwerchfell nicht gereizt werden. Einschlafen wird man im Kino nicht, aber lange bleibt ‚Coming In‘ leider auch nicht Erinnerung.

Kinostart: 23.10.2014

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