Collien Ulmen-Fernandes: Gleichberechtigung ist noch nicht erreicht

Collien Ulmen-Fernandes: Gleichberechtigung ist noch nicht erreicht
Berufstätige Mutter und Ehefrau: Collien Ulmen-Fernandes © ddp images

Fernsehen 2.0: Seit Montag ist die zweite Staffel der Webserie "MANN/FRAU" online zu sehen. Ab Freitag (11.9. um 23.15 Uhr im BR) gibt es die rund dreiminütigen Folgen um die Lebens- und Liebeswirren von zwei Großstädtern auch im TV zu sehen. Produzent ist Christian Ulmen (39), der auch selbst in der Serie mitspielt. Ebenso wie seine Frau Collien Ulmen-Fernandes (33, "Ich bin dann mal Mama"), die als beste Freundin der Protagonistin mit Rat und Tat zur Seite steht. spot on news hat mit ihr über die Tücken des Internets und über gedachte und reale Gleichberechtigung gesprochen.

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Die Moderatorin im Interview

 

Waren zwischenmenschliche Beziehungen vor Facebook und Smartphone besser?

 

Ulmen-Fernandes: Ich glaube, dass durch die Erfindung der SMS vieles einfacher geworden ist. In einer Zeit, als ich noch Single war, hätte ich mich nicht unbedingt getraut, jemanden direkt anzusprechen. Da gab es sogar mal eine konkrete Situation. Ich habe mit einem Schauspieler gedreht, den ich total toll fand, habe mich aber nie getraut, einen Schritt auf ihn zuzugehen. An einem drehfreien Tag habe ich ihn dann per SMS gefragt, ob er mit mir ins Kino gehen möchte. Es ist leichter, sich zu überwinden, eine SMS zu schreiben, als jemanden so etwas persönlich zu fragen.

 

Dafür wird insgesamt weniger telefoniert, die Kommunikation wird distanzierter.

 

Ulmen-Fernandes: Das kann ich schlecht beurteilen, weil sich in meinem Leben in den letzten Jahren so viel geändert hat. Dadurch, dass ich jetzt ein Kind habe, komme ich sowieso kaum noch dazu, mit meinen Freundinnen zu telefonieren. Das liegt aber eher an meinem Dasein als Mutter als am digitalen Zeitalter.

 

Sie halten Ihre Tochter komplett aus der Öffentlichkeit raus. Bei Daniela Katzenberger, die sogar Kameras in den Kreißsaal mitnimmt, hat man gerade das Gegenbeispiel erlebt. Was halten Sie davon?

 

Ulmen-Fernandes: Das muss jeder machen, wie er mag. Wir wollen das so nicht. Ich sehe allerdings auch ein juristisches Problem darin, welche Konsequenzen es für das Kind haben wird. Wir hatten den Fall, dass kurz nach der Geburt unseres Kindes Paparazzi vor der Tür standen und Fotos von uns und dem Baby gemacht haben. Nun wird argumentiert, dass unser Kind eine Person des öffentlichen Lebens geworden sei. Das sehen wir anders. Wir sind noch dabei, das vor Gericht zu klären.

 

Sie wurden als arbeitende Mutter im Netz oft heftig kritisiert. Geht Ihnen das nahe?

 

Ulmen-Fernandes: Das geht mir schon nahe. Vor allem kann ich die Gedanken, die dahinter stecken nicht nachvollziehen. Erst vor kurzem hat wieder jemand einen Kommentar gepostet, wann ich denn eigentlich mal bei meinem Kind bin, weil ich gerade ein Reisemagazin moderiere, für das ich in diverse europäische Länder reise. Christian ist seit ein paar Wochen in Weimar, um den "Tatort" zu drehen und postet davon auch Bilder auf Facebook. Da beschwert sich keiner. Wenn der Papa weg ist, ist für die Netzgemeinde in Sachen Rollenverteilung die Welt in Ordnung.

 

Wie erklären Sie sich das?

 

Ulmen-Fernandes: Ich glaube, es liegt daran, dass wir nur bei einer gewollten und nicht bei einer realen Gleichberechtigung sind. Dieses Konstrukt finden in der Theorie alle toll, in der Umsetzung scheitert es aber an vielen Dingen. Die meisten Männer finden ein Vaterjahr gut, aber nur ein Bruchteil der Männer macht es dann tatsächlich. Irgendwie ist es noch in den Köpfen der Menschen, dass die Mutter bei ihrem Kind zu sein hat.

 

Macht es Ihnen Sorgen, dass Ihre Tochter im Internetzeitalter aufwächst?

 

Ulmen-Fernandes: Ein wenig, denn man kann sich im Internet schnell verlieren. Alles bleibt für immer da, auch wenn es längst überholte Informationen sind. Dadurch, dass man alles, was man findet, erstmal für bare Münze nimmt, wird man schnell auf eine falsche Fährte gelockt. Das habe ich bei der Recherchearbeit für ein Doku-Projekt gemerkt. Ich finde, dass die Schulen den richtigen Umgang mit dem Internet vermehrt lehren sollten und dass im Internet viel mehr "aufgeräumt" werden müsste und veraltete Informationen schneller gelöscht werden sollten.

 

Googeln Sie sich manchmal selbst?

 

Ulmen-Fernandes: Nein, weil ich mich dann nur aufrege. Damit will ich meine Zeit nicht verschwenden.

spot on news

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