Clueso im Interview: "Ich bin irgendwie eingeknickt"

Clueso spricht über sein neues Album 'Stadtrandlichter'
Clueso: Nach drei Jahren Kreativ-Pause ist er wieder zurück

Von Mariana Jang

Drei Jahre lang haben wir nichts mehr von ihm gehört. Jetzt meldet sich Clueso, der eigentlich Thomas Hübner heißt, endlich mit seinem neuen Album 'Stadtrandlichter' zurück. Ganz bewusst hat sich der Sänger damals aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. "Ich musste Abstand gewinnen", verrät uns der Erfurter. Denn obwohl er schon seit 15 Jahren im Musikgeschäft ist, wird er 2011 durch Hits wie 'Cello' mit Udo Lindenberg auch der breiten Masse bekannt. "Das hat sich auch auf der Straße bemerkbar gemacht", erzählt er. "Es haben sich viele Türen geöffnet, aber es hat auch viel Energie gezogen. Ich bin irgendwie eingeknickt. Ich hatte einfach zu wenig Zeit für meine Leidenschaft, meine Musik."

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Diese Leidenschaft findet er erst wieder, als er mit seinem Großvater zusammen Musik macht, einem "supercoolen Typen mit einer Stimme wie Johnny Cash". Dürfen wir uns also bald auf ein Opa-Enkel-Duett freuen? "Die Songs werden nie rauskommen", muss Clueso uns leider enttäuschen. "Er möchte sich mit 84 nicht an die jungen Leute heften." Die Zusammenarbeit mit seinem Großvater hat ihm aber eines klar gemacht: "So möchte ich wieder Musik machen. Ich möchte Zeit haben." Auf seinen Reisen tankt der Sänger wieder Kraft und es entstehen viele neue Songs, die demnächst als Reise-Album veröffentlicht werden sollen.

'Stadtrandlichter' ist Cluesos erstes Album, das er komplett selbst produziert hat – und zwar unter seinem eigenen Label 'Text und Ton'. Die neu gewonnene Freiheit brachte allerdings auch neue Herausforderungen mit sich. "Ich hatte für jeden Song bestimmt mindestens 40 Versionen. Da haben selbst meine Freunde irgendwann gesagt, dass ich übertreibe und mir mal eine Auszeit nehmen soll", erzählt der 34-Jährige. "Das Schlimmste ist, wenn man Musik nur im Studio hört. Da bohrt man Löcher, wo keine hingehören. Das Leben draußen ist ja auch noch laut und darf mitspielen."

Clueso lebt mit sechs Männern in einer WG

Clueso spricht über sein neues Album 'Stadtrandlichter'
Mariana Jang traf Clueso in Köln zum Interview

Doch nicht nur draußen ist das Leben laut, auch daheim ist bei Clueso ständig was los. Kein Wunder, denn in seiner Geburtsstadt und Wahlheimat Erfurt lebt er mit sechs Männern in einer WG. "Das klingt erstmal chaotisch, aber wir haben viel Platz", erklärt er. "Manchmal rennen wir alle mit Kaffeetassen durch die WG, wenn wir nachts unsere Arbeitsphasen haben. Das steckt an und macht kreativ." Doch in der Künstler-WG wird natürlich nicht nur gearbeitet. "Es gibt auch Phasen, die an Kommune I erinnern, wo wilde Partys gefeiert werden und wir alle in die Sauna gehen oder über den Hof zum Pool rennen", verrät er. "Ich mag den Ort, weil er magisch ist und ich so sein kann, wie ich bin. Man ist nie ganz alleine. Ich mag es unter Gleichgesinnten zu sein und ich bin froh, wenn ich mit Leuten Gedanken austauschen kann, die ähnlich denken."

Von kurzlebigen Trends hält Clueso nichts. Er möchte Musik machen, die man auch noch in zehn Jahren hören kann. Aber er probiert auch gerne neue Sachen aus. So ist auf seinem neuen Album neben dem bekannten Clueso-Sound auch elektronische Musik zu hören. Dabei begann er seine Karriere eigentlich als Rapper. Könnte er sich vorstellen, irgendwann nochmal Hip-Hop-Musik zu machen? "Ja, aber da müsste mich wirklich jemand am Ärmel ziehen und sagen: 'Los, machen wir zehn Lieder.' Ich singe einfach lieber."

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