Clint Eastwood erzählt die Geschichte der 'Jersey Boys'

Filmkritik und Trailer

Kinostart: 31.07.2014

3,5 von 5 Punkten

Identische Bühnenoutfits, perfekt einstudierte Choreografien, wilde Partys und Groupies auf dem Hotelzimmer sowie zerstrittene Bandmitglieder und Geldsorgen – den Aufstieg und Fall der sogenannten Boybands gibt es nicht erst seit 'New Kids On The Block' oder 'Take That'. Schon in den 50er Jahren ließen talentierte Musiker den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär Realität werden und versuchten im harten Business zu (über-)leben. Hollywood-Urgestein Clint Eastwood hat in seinem neuen Werk 'Jersey Boys' die legendäre Geschichte der Band 'The Four Seasons' und ihren harten Weg auf die Bühnen dieser Welt mit einem talentierten Cast, realitätsgetreuen Kulissen und dem Flair der damaligen Zeit auf die Leinwand gebracht.

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Von Alexandra Mölgen

Clint Eastwood ist ein Meister seiner Zeit und zu Recht im Laufe seiner fast 60-jährigen Karriere mit vier Oscars belohnt worden. Nach Film-Giganten wie 'Million Dollar Baby', 'Mystic River', 'Flags of our Fathers' oder 'Gran Torino' hat der 84-Jährige ein weiteres Filmspektakel inszeniert. In dem vom gleichnamigen Musical inspirierten Film gibt es keine wilden Verfolgungsjagden oder Special Effects und dennoch hat 'Jersey Boys' viele ergreifende und mitreißende Momente. Abstriche gibt es allerdings für die Dauer von 134 Minuten und daraus resultierend: unnötig in die Länge gezogene Szenen.

Frankie Valli (John Lloyd Young) ist zwar mit einer faszinierenden Stimme gesegnet, doch als 16-jähriger Jungspund, der in einem ärmlichen Viertel von New Jersey in den 50er Jahren aufwächst und sein Geld als Friseur verdient, stehen ihm nicht allzu viele Türen offen. Wie am Anfang des Films so schön gesagt wird: "Um aus diesem Milieu herauszukommen, gab es nur drei Möglichkeiten: Der Militärdient, der das Leben kosten konnte. Die Mafia war ebenfalls gefährlich. Oder berühmt werden!" Frankie entschied sich für Letzteres, und hätte damals wohl nie damit gerechnet, welche Spuren er in der Musikgeschichte hinterlassen würde.

Mithilfe des ehrgeizigen Tommy DeVito (Vincent Piazza) gründete er zusammen mit Bob Gaudio (Erich Bergen) und Nick Massi (Michael Lomenda) die Band 'The Four Seasons'. Mit 'Sherry', 'Big Girls Don't Cry' und 'Walk Like A Man' landeten die vier Jungs 1962 prompt drei Nummer-eins-Hits in Folge. Mit dem Charterfolg kamen auch der Ruhm und das Geld und das Leben zeigte sich von seiner süßen Seite. Die Presse zeigte großes Interesse an den Jungs aus Jersey, Groupies setzten zu Verfolgungsjagden an und Partys wurden Teil ihres Lebens. Doch wie man weiß, folgt auf den Höhenflug meist der tiefe Fall. Auch private Tragödien, Schulden und Streitereien innerhalb der Band pflasterten ihren mehr als zehn Jahre andauernden Erfolg bis es zum großen Knall kam …

Christopher Walken in dem Musikfilm 'Jersey Boys'. Das Musik-Quartett macht Bekanntschaft mit dem Gangster Gyp DeCarlo (Christopher Walken)

Ohrwurm-Garantie mit den Jungs von 'The Four Seasons'

Während Multi-Talent Clint Eastwood für seine bisherigen Blockbuster in den Hauptrollen oft erfolgreiche Hollywood-Größen wie Angelina Jolie, Leonardo DiCaprio, Sean Penn oder Morgan Freeman verpflichtet hatte, so setzt er in 'Jersey Boys' bewusst auf unbekannte Gesichter – natürlich mit Ausnahme von Christopher Walken, der in einer Nebenrolle zu sehen ist. Das hat den positiven Effekt, dass der Zuschauer die Hauptdarsteller in dieser Rolle kennenlernt und an ihr wachsen sieht. Es kommt einem vor, als würden die vier Jungs wirklich vor unseren Augen berühmt werden.

Unterstützt wird die Authentizität durch den Bonus, dass die vier Hauptdarsteller selbst und vor allem auch live vor der Kamera singen. Drei von ihnen (Young, Bergen und Lomenda) standen zuvor auch für das 'Jersey Boys'-Musical auf der Bühne und sind somit die optimale Besetzung für den Musikfilm.

Abstriche gibt es nicht nur für die Dauer und die dadurch von Zeit zu Zeit entstehende Langeweile, sondern auch für die überflüssigen Unterbrechungen, die von den Hauptdarstellern selbst erzeugt werden. Und zwar dann, wenn die 'Jersey Boys' – wahrscheinlich um dem Film noch mehr Tiefgang zu verleihen – sich immer wieder mit direktem Blick in die Kamera an die Zuschauer wenden, um in dem Moment ihre persönliche Auffassung der aktuell im Hintergrund ablaufenden Situation zu schildern.

Alles in allem ist 'Jersey Boys' ein gelungener Film, der einem durch die prägnanten Lieder auch noch Stunden nach dem Kino-Besuch im Kopf bleibt. Vor allem die jüngere Generation dürfte verwundert darüber sein, wie viele Songs sie von 'The Four Seasons' kennen dürfte – dem Film 'Dirty Dancing', der viele der Lieder eingebaut hat, sei Dank!

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