Claudia Jung: Deshalb mag sie ihren Beinamen nicht

Claudia Jung: Deshalb mag sie ihren Beinamen nicht
Claudia Jung begibt sich auf einen musikalischen Seitensprung © Electrola/Susanne Sigl

In den Medien wird Claudia Jung (50) gerne als "die große Dame des deutschen Schlagers" angekündigt. Warum sie selbst den Beinamen für unpassend hält, hat die Sängerin im Interview über ihr neues Album "Seitensprung" verraten. Außerdem nimmt sie Kollegin Helene Fischer in Sachen Plagiatsvorwürfe in Schutz.

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"Die große Dame des Schlagers"

Frau Jung, Sie sagen, ihr Album "Seitensprung" sei musikalisches Fremdgehen der leidenschaftlichen Art. Können Sie das näher erklären?

Claudia Jung: Mit einem Seitensprung implizieren wir normalerweise so etwas wie das Fremdgehen. Das ist es ja gewissermaßen auch, aber der musikalischen Art. Weil ich mit diesen Songs, die wir für das reine Cover-Album ausgewählt haben, in Schubladen gewildert habe, die mit reinem Schlager eigentlich wenig zu tun haben. Da habe ich mich einfach der großen internationalen Hits bedient, die mir in meinem Leben bisher sehr viel Freude bereitet haben.


Was macht aus Ihrer Sicht ein gutes Cover aus?

Jung: Das liegt immer an der Auswahl und am Interpreten. Man sollte nicht versuchen, das Original zu kopieren, sondern man muss immer versuchen, dem Song seinen eigenen Stempel aufzudrücken.


Was halten Sie von Heinos Transformation vom volkstümlichen Schlagersänger zum Rock-Opa?

Jung: Ich finde das sehr lustig. Aber vor allem auch sehr mutig. Es war an der Zeit, dass das mal einer macht und es passt zu keinem anderen so gut wie zu Heino.


Wäre das auch etwas für Sie, um neue Fans zu gewinnen?

Jung: Nein, weil ich mache nun mal Schlager. Da ist es egal, ob ich einen Song von Elton John oder Herbert Grönemeyer anpacke. Wenn ich ihn singe, hat er meinen Stempel drauf, und das ist dann deutscher Schlager.


In der Presse werden Sie gerne als "die große Dame des deutschen Schlagers" bezeichnet...

Jung: Das klingt so alt! Aber das kam damals von Dieter Thomas Heck und der hatte das eigentlich auf meine Körpergröße bezogen. Ich bin nun mal ein hochgewachsener Mensch. Der Name passt eigentlich nicht so: Ein Abendkleid allein macht noch lange keine Dame. (lacht)


Aber wenn sie "die große Dame des deutschen Schlagers" sind, was ist dann Helene Fischer?

Jung: Keine Dame und groß schon gleich drei Mal nicht. Helene ist eine tolle Frau. Die Kameras lieben sie. Und endlich ist sie nach vielen Jahren des Wartens mit einem Hit ausgestattet. Das hatte mir davor gefehlt. Denn sie ist so eine tolle Künstlerin mit einer enormen Bühnenpräsenz, aber es gab lange Zeit keinen Hit, mit dem man sie sofort in Verbindung gebracht hätte. Aber dank Kristina Bach hat sie ja seit geraumer Zeit einen echten Smash-Hit.


Und die Plagiatsvorwürfe?

Jung: Das ist doch letztlich egal! Es klauen doch alle wie die Raben. Man muss es halt pfiffig machen, sodass es nicht gleich auffällt. Aber bei Helene kommt noch der Neidfaktor dazu, weil sie eben nun so erfolgreich ist.


Ist Helene Fischer also gut oder schlecht für den deutschen Schlager?

Jung: Sie tut der Schlagerszene absolut gut. Leute wie Wolle Petry, Andrea Berg, Helene Fischer oder Andreas Gabalier bewegen Massen und strafen damit sämtliche Musikredakteure Lügen, die behaupten Schlager wäre nicht massenfähig.


Wären Sie auch gerne noch mal 20 Jahre jünger wie Helene Fischer, um einen ähnlichen Hype auslösen zu können?

Jung: Nein, auf gar keinen Fall! Ich sehe das natürlich immer aus meinem jetzigen Blickwinkel. Aber eine Karriere in dieser Form ist nicht mehr machbar, wenn du verheiratet bist und Familie und Verpflichtungen hast. So was musst du machen, solange du jung bist.

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