Cinderella: Kenneth Branagh schafft den Spagat zwischen Alt und Neu

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'Cinderella'-Neuverfilmung von Kenneth Branagh: Cate Blanchett macht auf böse Stiefmutter
Cate Blanchett (Mitte) mit ihren Filmtöchtern © Jonathan Olley

4,5 von 5 Punkten

Wir leben in einer schnelllebigen Welt, doch die Bedeutung von Märchen hat sich nie verändert: Ihre Erzählungen beflügeln die Fantasie der ganz Kleinen, geben aber auch jenen Mut, die längst die Hoffnung auf Wunder aufgegeben haben. Mit seiner simplen, gleichwohl bewegenden Handlung eroberte Walt Disneys 'Cinderella' bereits 1950 die Herzen vieler Zuschauer. 65 Jahre später verleiht Regisseur Kenneth Branagh ('Hamlet') Ellas Geschichte nun neues Leben - im wahrsten Sinne des Wortes.

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Von Laura Hatko

Denn anstatt den Bleistift zu spitzen, setzt die Zeichentrick-Schmiede für die Neuverfilmung des Klassikers jetzt auf Menschen aus Fleisch und Blut. Aber keine Sorge! Die beliebten Märchen-Figuren verlieren deshalb nicht ihren besonderen Charme: Ganz in Disney-typischer Prinzessinnen-Manier bewegt sich 'Cinderella', gespielt von Lily James ('Broken'), so anmutig und grazil durch Branaghs kinematographischen Räume, die nicht atmosphärischer hätten gestaltet werden können.

Dabei macht es Stiefmutter Lady Tremaine (Cate Blanchett, 'Blue Jasmine') Ella gar nicht so leicht, Haltung zu bewahren. Denn so idyllisch das Leben der Tochter eines reichen Kaufmanns auch begann, umso düsterer ihre Zukunft: Nach dem tragischen Tod ihrer Mutter und der erneuten Hochzeit ihres Vaters heißt Ella ihre neue Stiefmutter und deren Töchter Anastasia (Holliday Grainger) und Drisella (Sophie McShera) mit offenen Armen willkommen - doch als auch ihr Vater unerwartet stirbt, ist sie schutzlos der Grausamkeit ihrer neuen Familie ausgesetzt.

Doch ihre Lebensfreude ist ungebrochen: Als der königliche Hof alle jungen Frauen des Landes zu einem Ball einlädt, hofft sie, dort dem gutaussehenden Fremden (Richard Madden) zu begegnen, den sie zuvor im Wald kennengelernt hatte. Mit Hilfe einer guten Fee, verkörpert von Helena Bonham Carter ('The King's Speech'), macht sich die Kaufmannstochter zur Feierlichkeit auf - ohne zu ahnen, wer ihr 'Seelenverwandter' wirklich ist und wie sich ihre Welt durch ihn für immer verändern wird.

Die Story ist alt, die visuellen Effekte sind es nicht! So schöpft Branagh in einer der schönsten Szenen des Streifens, 'Cinderellas' Verwandlung zu einer anmutigen Prinzessin, alle filmischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts aus: Liebevoll und detailverliebt lässt er Ellas einzige Freunde, ihre heiß geliebten Mäuse, zu Pferden und sie selbst zu einer anmutigen Prinzessin werden. Dabei macht Helena Bonham Carter eine ähnlich gute Figur: Die Schauspielerin, die vor allem für ihre verrückten Rollen an Johnny Depps Seite bekannt ist, verleiht durch ihre ungewohnt fröhliche Erscheinung als gute Fee ihrem leider nur sehr kurzen Auftritt ungewollt Witz.

Auch Hollywood-Ikone Cate Blanchett und Newcomer Richard Madden müssen sich nicht verstecken: Während er die perfekte Inkarnation von Barbies Ken zum Besten gibt, überzeugt sie als böse Stiefmutter, die mit ihren zornigen Blicken Wasser zu Eis gefrieren lassen kann - und so besessen davon ist, Kontrolle über andere auszuüben, dass sie sogar ihre Katze an der Leine hält.

Unterm Strich gelingt Branagh der schwierige Spagat zwischen Neu und Alt. So verliert das Publikum nie die unvergesslichen Elemente des ursprünglichen Zeichentrickklassikers aus den Augen, wodurch Nostalgie aufkommt - und das nicht zu knapp. Einziger Wermutstropfen für eingefleischte Fans: Es wird kaum gesungen! Doch wenn die Moral von Disney-Filmen uns etwas gelehrt hat, dann, dass sich Nachsichtigkeit im Leben doch immer auszahlt.

Kinostart: 12. März 2015

Genre: Märchen

Originaltitel: Cinderella

Filmlänge: 105 Minuten

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