Christy Turlington und Iman sprechen Klartext im Interview

Christy Turlington Burns und Iman teilen eine tiefe Freundschaft
Verstehen sich auch ohne Worte: Christy Turlington Burns und Iman © Dimitrios Kambouris

Interview unter Freundinnen: Christy Turlington Burns und Iman

Sie sind nicht nur ehemalige Supermodels, sondern auch gute Freundinnen. Für das aktuelle Magazin von ‘Citizens of Humanity‘ interviewt Christy Turlington die schöne Somalierin Iman Abdulmajid - doch die beiden Frauen fallen schnell aus der Interview-Situation heraus und es entsteht ein sehr persönliches Gespräch über das Model-Dasein, Schönheit und das, was wirklich im Leben zählt.

Iman (59) führte die Model-Liga der 70er-Jahre an, arbeitete für die größten Designer wie Yves Saint Laurent und Calvin Klein und erlangte damit einen internationalen Bekanntheitsgrad. Ihre Einstellung zum Thema Schönheit sollte sich währenddessen aber immer wieder ändern. Als junge Frau musste sie mit ihrer Familie ihrer Heimat Somalia den Rücken kehren. Als sie es schließlich 1975 in die USA schaffte, war sie auf dem besten Wege Politikwissenschaften zu studieren. Zu der Zeit war Make-Up für sie ein Fremdwort, kein Wunder, denn sie hatte noch nie ein Mode-Magazin in den Händen gehalten. Umso größer war die Überraschung, als sie plötzlich Model wurde: "Bis dato hatte niemand mir jemals gesagt, dass ich schön bin." Sie packte die Gelegenheit beim Schopf, um ihre Familie zu unterstützen. Erst nach langer Zeit habe sie ansatzweise die Begeisterung der Menschen für ihr Aussehen nachvollziehen können.

“Du kannst beides haben, aber nicht zur gleichen Zeit.“

Iman und David Bowie haben eine gemeinsam Tochter
Mit Ende 30 traf Iman auf ihre große Liebe David Bowie © World Entertainment News Network Ltd.

Ähnlich sollte es auch Christy ergehen. Die heute 46-Jährige zählt zu den Supermodels der 80er und 90er-Jahre, zierte eines der bekanntesten Bilder der Mode-Fotografie. Auf dem schwarz-weiß Bild von US-Fotograf Herb Ritters ist die gesamte Supermodel-Liga vereint: Stephanie Seymour, Cindy Crawford, Tatjana Patitz, Naomi Campbell und Christy Turlington. Obwohl sie damit zu den schönsten Frauen des Globus gehören sollte, fühlte sie sich in ihrem Körper "nie richtig wohl".

Das Karriere-Ende haben sowohl Iman wie auch Christy bewusst eingeleitet. “Eines morgens bin ich aufgewacht, es gab die Naomis und Lindas, da wusste ich, das war es dann für mich. Ich bin nie mehr zurückgekehrt“, erinnert sich Iman. Christy traf in der gleichen Zeit eine Entscheidung. Als sie den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht hatte, zog sie sich peu à peu aus dem Business zurück. Ihr Ziel: Die Schulbank drücken. Doch damit sollte sie zunächst mehr auf Mitleid, als auf Anerkennung stoßen. Als sie mit Rucksack zum Weg in die Uni gesichtet wurde, folgten blöde Kommentare, wie “Oh, du armes Ding!“, worauf sie selbstbewusst zu kontern wusste: “Armes Ding? Ich bilde mich weiter, ihr Idioten!“

Auf ähnliche Resonanz sollte die schöne Brunette bei Moden-Shows stoßen, welche sie heute als “Haifisch-Becken“ bezeichnet. Sobald man sich privat dort bewege, stehe man unter ständiger Beobachtung und es würde viel getuschelt. Iman kann Christy da nur zustimmen, denn die Leute fragen kritisch: “Was macht sie hier? Sie sucht bestimmt einen Job.“ Auch wenn Christy sich bis heute nie vollständig vom Model-Business verabschiedet hat, hat sie den richtigen Umgang mit der Branche gefunden. Der Moment war reif, als sie mit dem Rauchen aufgehört hatte und ein paar Kilos mehr auf den schlanken Hüften hatte. Bei den Couture-Shows in Paris die Erleuchtung: “Wisst ihr was, ich tue etwas Gutes für meine Gesundheit, ihr verurteilt mich und ich möchte mich selbst nicht mehr zum Subjekt machen.“ Das Gefühl hat sie für die Zukunft stark gemacht. Nach vier Jahren Studium der Religion und Philosophie kann sie heute selbst entscheiden, welchen Job sie annimmt - an erster Stelle steht jedoch ihre Familie. Mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Edward Burns, hat sie zwei Kinder.

Iman hatte mit Ende 30 die Liebe ihres Lebens kennen gelernt, den schillernden Popstar David Bowie. Mit 45 Jahren folgte ein kleines Wunder: Sie bekommt eine Tochter. Gemeinsam mit David hat sie insgesamt drei Kinder – sie sind eine perfekte Patchwork-Familie.

Beide Frauen sind im Leben angekommen, denn sie wussten schon vorher, dass man die Reihenfolge von Karriere und Familie planen muss. Christy resümiert: “Du kannst beides haben, aber nicht zur gleichen Zeit.“

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