Christian Ulmen: "Wir brauchen die Katzenbergers"

Christian Ulmen: "Wir brauchen die Katzenbergers"
Christian Ulmen spielt bei "MANN/FRAU" nicht nur mit, er produziert die Webserie auch © BR/Philipp Kimmelzwinger

In der Serie "MANN/FRAU", die derzeit wieder im Web und freitags (23.15 Uhr, BR) auch im Fernsehen zu sehen ist, ist Christian Ulmen (39, "Männerherzen") nicht nur Produzent, sondern auch Darsteller. Als Barkeeper darf er sich Sätze wie "Früher war alles besser" anhören. Ob das wirklich stimmt und warum Daniela Katzenberger wichtig für die deutsche Unterhaltung ist, erklärt er im Interview mit spot on news.

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Der Schauspieler im Interview

 

Waren zwischenmenschliche Beziehungen vor Facebook und Co. besser?

 

Christian Ulmen: Ich glaube, es gibt mittlerweile ein paar Studien dazu, und die sagen alle: Es ist schwieriger geworden, weil die Leute sich schneller Ersatz holen können, ihren aktuellen Partner schneller "entfrienden", aber ich bin ganz glücklich darüber, dass mich das nicht betrifft. Andersherum: Wenn eine Beziehung nicht gegen "Tinder" ankommt, ist sie halt auch in sich instabil.

 

Aber zu Ihren Teenagerzeiten gab es das alles noch nicht.

 

Ulmen: Ich glaube nicht, dass sich das Teenagersein, dieses Ausprobieren und Irrlichtern, irgendwie verändert hat, nur weil die Spielzeuge anders sind. Wir haben früher als Teenager auch Quatsch gemacht. Wir haben uns die Haare gefärbt, Kassetten aufgenommen oder Telefonstreiche gemacht, waren todessehnsüchtig verliebt und haben dasselbe Mädchen nach zwei Wochen mit dem Arsch nicht mehr angeguckt.

 

Haben Sie Ihre Frau in der ersten Kennenlernphase gegoogelt?

 

Ulmen: Ja, natürlich. Ich google sowieso alles. Ich finde es auch nicht schlimm, sich gegenseitig zu googlen.

 

Googeln Sie sich selber auch?

 

Ulmen: Hin und wieder. Insbesondere mache ich das, um zu erfahren, wie ein Film oder eine Webserie funktioniert hat. Man bekommt einen guten Meinungsspiegel, wenn man seine Arbeit googelt. Was früher "Pressespiegel" hieß, ist jetzt über viele Quellen verteilt, und man hat eine deutlich heterogenere Antwort zu dem, was man so fabriziert.

 

Wie gehen Sie mit weniger konstruktiver Kritik um?

 

Ulmen: Ich bin da ziemlich immun. Allerdings lasse ich gute Kritik auch nicht an mich ran. Man darf, wenn man sich über negative Kritik nicht ärgern will, die positive auch nicht zu ernst nehmen.

 

Sie halten Ihre Kinder strikt aus der Öffentlichkeit heraus. Bei Daniela Katzenberger, die sogar Kameras mit in den Kreißsaal nimmt, sieht man gerade das Gegenbeispiel. Was halten Sie davon?

 

Ulmen: Robbie Williams hat das ja auch gemacht. Er hat sich selbst und seine Frau vor der Geburt fotografiert und das über Twitter und Facebook geteilt, und das war unglaublich lustig und überraschenderweise überhaupt nicht peinlich. Dieses Beispiel hat mich gelehrt, dass man auch mit Privatem durchaus unterhaltsame Auftritte hinlegen kann. Das ist nicht von Haus aus so bräsig und ekelhaft, wie es bei vielen anderen anmutet. Und das Kind von Robbie Williams wird ohnehin damit klarkommen müssen, das Kind von Robbie Williams zu sein. Das ist bei dem Kind von Daniela Katzenberger nicht anders.

 

Sie machen das aber nicht.

 

Ulmen: Ich habe für mich beschlossen, meine Kinder nicht in die Öffentlichkeit zu holen, einfach weil sie die Konsequenzen nicht abschätzen können. Wenn sie älter sind, können sie das besser, und dann können sie das auch selbst entscheiden. Aber ich weigere mich trotzdem, das anderen vorzuschreiben. Wenn einer Lust hat, aus der Geburt seiner Kindes eine Fernsehsendung zu machen, dann muss das in einer, wie Udo Lindenberg sagen würde, bunten Republik Deutschland möglich sein. Das ist ein Farbtupfer in unserer Unterhaltungsindustrie. Und für Leute, die das komische Fach bedienen, ist das eine Fundgrube. Wir brauchen die Katzenbergers, die ihre Kinder öffentlich zur Welt bringen, genauso wie die Hobby-Moralisten, die sich darüber aufregen.

 

Es wird also nicht irgendwann "Die Ulmens" im Fernsehen geben?

 

Ulmen: Nein. Zumindest nicht im Sinne von Dokutainment. Mir ist das unangenehm. Ich brauche diesen Rückzugsort. Meine Art der Unterhaltung ist auch nicht, mich selbst darzustellen. Ich sehe keinen Unterhaltungswert darin, mich zuhause filmen zu lassen.

 

Machen Sie sich Sorgen darüber, dass Ihre Kinder im Internetzeitalter aufwachsen?

 

Ulmen: Ja. Vor allem, was das Thema Pornographie angeht. Nichts fände ich furchtbarer, als wenn die sich schon mit 14 oder 15 diese vordergründige Sexualität reinziehen und dadurch verrohen. Aber das ist eine von vielen Sorgen, die man als Vater hat. Und sie ist noch nicht so stark, dass ich in allen digitalen Fortschritten eine große Gefahr sehe.

 

Sie haben sich auf Facebook in Nora Tschirners Debatte um das Thema Flüchtlinge eingeschaltet. Kommt von Ihnen auch noch ein Statement, wie man es von beispielsweise von Oliver Kalkofe gesehen hat?

 

Ulmen: Wenn ich eine regelmäßige Show im Fernsehen hätte, würde ich mich in deren Rahmen sicherlich äußern. Ich habe großen Respekt vor denen, die das tun, aber ich mache das lieber auf Augenhöhe. Ich habe meine Meinung auf der Facebook-Seite von Nora gesagt, habe mich an Aktionen beteiligt und ballere sofort zurück, wenn es auf meiner Seite unangebrachte Kommentare gibt.

spot on news

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