Christian Ulmen als Blödel-Biedermann das einzige Highlight in 'Jerry Cotton'

'Jerry Cotton': Christian Ulmen und Christian Tramitz als Blödel-Duo

Christian Ulmen als Blödel-Biedermann das einzige Highlight in 'Jerry Cotton'

Kann ein knallharter FBI-Agent Jeremias Baumwolle heißen? Nicht wirklich. Das fand in den 50er Jahren auch der Waschmittelvertreter Delfried Kaufmann. Und so ließ er den Helden seiner Persiflage auf die deutsche Heftchen-Kultur der Nachkriegszeit unter dem auf Englisch so viel cooler klingenden Namen Jerry Cotton durch die Weltgeschichte spionieren – mit großem Erfolg. Das Regisseur-Gespann Cyrill Boss und Philipp Stennert hat den alten Klassiker nun wieder ins Leben gerufen und ihm das Gesicht von Christian Tramitz gegeben, sein chaotischer Partner ist Christian Ulmen. Was kann da noch schief gehen, vor allem, wenn den beiden schöne Frauen wie Christiane Paul und Penélope Cruz’ kleine Schwester Monica zur Seite stehen? Leider doch einiges. Und so ist bei „Jerry Cotton“ eine Menge Leerlauf mit im Spiel.

Für FBI-Agent Jerry Cotton (überzeugend: Christian Tramitz) sieht es düster aus: Er wurde in eine Falle gelockt und steht nun wegen Doppelmordes auf der Abschussliste seiner Kollegen. Klar, dass er sein blütenreines Image als gefeierter Ermittler wiederherstellen will und alles daran setzt, den wahren Täter auf eigene Faust zu fassen. Doch die Jagd entpuppt sich als ziemlich verzwickt. So sieht sich der eitle Jerry gezwungen, ausgerechnet seinen Partner Phil Decker (urkomisch und wie immer ein Highlight: Christian Ulmen) um Hilfe zu bitten.

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Leider nichts wirklich Neues, und die Witze zünden auch nicht alle

Doch der rückratlose und verklemmte Phil kennt Schießereien leider nur aus Lehrbüchern, hält sich streng an die Vorschriften und verwechselt „Undercover-Ermittlung“ mit Kostümprobe für Karneval - nicht unbedingt die besten Vorraussetzungen für knallharte Nachforschungen. Trotzdem muss sich das ungleiche Duo nun gemeinsam an den Fall machen und herausfinden, wer den Gangsterboss Sammy Serrano erschossen und anschließend Jerrys ehemaligen FBI-Partner aus dem Fenster gestoßen hat. Die Zeit drängt, denn Jerrys ehemalige Kollegin Daryl D. Zanuck (Christiane Paul) ist ihm dicht auf den Fersen.

„Jerry Cotton“ ist nett. Keine Frage. Aber vom Kinosessel haut er den Zuschauer nicht wirklich. Die Story wirkt zu konstruiert und häuft zu viele Unstimmigkeiten. Alles in allem fühlt man sich doch stark an eine leicht missglückte Mischung aus „Get Smart“ und „James Bond“ erinnert. Nichts wirklich Neues, und die Witze zünden auch nicht alle. Das Thema schusseliger Agent ist mittlerweile doch ziemlich ausgelutscht. Die vielen technischen Spielereien beeindrucken nur im ersten Moment, sind nach einer Weile jedoch ziemlich nervig, da sie die Handlung arg in die Länge ziehen.

Dafür werden zumindest eine Menge Stars geboten: Neben Tramitz und Ulmen geben sich auch Moritz Bleibtreu, Günther Kaufmann und Oliver Kalkofe in kleineren und größeren Gastauftritten die Ehre. Böse Zungen könnten da glatt behaupten, dass Boss und Stennert mit Promi-Aufgebot und Technik-Protzerei über die eher seichte Story hinwegtäuschen wollen. Allein Christian Ulmen lässt als unsicherer und doch liebenswerter Ja-Sager Phil stellenweise vergessen, wie langatmig die Geschichte in bestimmten Sequenzen wird. So ist die mittelmäßige Klamotte zumindest für Ulmen-Fans ein absolutes Muss!

Von Christina Rings

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