Christian Audigier: Er vereinte Tattoos und Mode wie kein anderer

Christian Audigier: Er vereinte Tattoos und Mode wie kein anderer
Der "King of Fashion" ist gestorben: Christian Audigier © ddp images

Bescheidenheit war nie eine seiner herausragenden Eigenschaften: Stattdessen wollte der nun verstorbene Modedesigner Christian Audigier (1958-2015) von Anfang an hoch hinaus. Er wächst im Arbeiterviertel der südfranzösischen Stadt Avignon bei seiner alleinerziehenden Mutter auf, das Geld ist knapp - doch Audigier möchte als Teenager in Mick Jaggers Fußstapfen treten und Rockstar werden. Da ihm das Gesangstalent fehlt, beginnt er mit 14 Jahren, auf den Straßen seiner Heimatstadt Jeans zu verkaufen.

- Anzeige -

Zum Tod des "King of Fashion"

Sein erster Job wird zum Karriere-Grundstein: Mit 16 Jahren verkauft er die Hosen aus Denim in Avignon so erfolgreich, dass eine bekannte Jeansmarke auf den jungen Franzosen aufmerksam wird und ihn sofort engagiert. 1999 wandert Audigier schließlich von Frankreich nach Los Angeles aus, um ein Star zu werden. Der Plan geht auf: Ab 2001 ist er für drei Jahre Chefdesigner der US-amerikanischen Kultmarke "Von Dutch" und verschafft ihr mit seinen eigenwilligen Designs ein neues Image. Die Marke wird unter Audigier zum Liebling der US-Teenager, der von ihm entworfene "Trucker Hat" - eine Fernfahrermütze aus Plastik - mausert sich zum Verkaufsschlager.

 

Die Idee, Mode mit Tattoos zu verbinden

 

2003, nach seinem Weggang als Chefdesigner bei "Von Dutch", entdeckt Audigier zufällig ein T-Shirt, das mit einer Zeichnung der Tattoo-Legende Don Ed Hardy (70) bedruckt ist. In ihm reift ein neuer Plan: "Wenn man sich in Los Angeles aufhält, fallen einem ständig Tattoos an Leuten auf. Ich dachte schon immer, es wäre interessant, ein Tattoo auf ein T-Shirt zu packen", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den Modeschöpfer.

Audigier bietet Don Ed Hardy für die Rechte an seinen Tattoo-Entwürfen 300.000 Dollar sowie eine prozentuale Beteiligung am Umsatz und die Aussicht, selbst ein Star zu werden. Der Tattoo-Künstler nimmt das Angebot an und leiht dem Modemacher seinen Namen und die Designs. Seinem eigenen Geschmack entsprechen die Kleidungsstücke des Labels, das seinen Namen trägt, allerdings nicht. "Ich verurteile keinen dafür, wie er lebt und sich kleidet, aber ich selbst trage keine 'Ed Hardy'-T-Shirts", wird Don Ed Hardy unter anderem von der "Welt" zitiert.

 

Madonna liebt die Entwürfe

 

Bei den Promis sind die schrillen und bunten Entwürfe dafür umso beliebter: Auf dem Höhepunkt des Labels "Ed Hardy" 2008 tragen berühmte Gesichter wie Bastian Schweinsteiger (30), Heidi Klum (42), Sylvester Stallone (69) oder auch Madonna (56) T-Shirts und Caps mit Totenköpfen, flammenden Herzen und Slogans wie "Love kills slowly". Drei Jahre nach der Gründung bringt es "Ed Hardy" auf einen Umsatz von 80 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 72 Mio. Euro), weltweit eröffnet Audigier mehr als 40 Läden. Seine 2010 veröffentlichte Autobiografie nennt er folgerichtig "Von ganz unten zum King of Fashion".

Die prominente Aufmerksamkeit schmeichelt dem in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Franzosen: "Britney Spears habe ich einfach mal in einen meiner Läden eingeladen. Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Madonna kam zu mir, weil sie meine Klamotten mochte. Und mit Heidi Klum habe ich für "Germany's next Topmodel" zusammengearbeitet. Sie hat mir sehr geholfen", sagte er einst im Interview mit dem "Stern".

Der Mode-Unternehmer erlag im Alter von 57 Jahren seinem Krebsleiden im Cedars-Sinai Krankenhaus in Los Angeles.

spot on news

— ANZEIGE —