Charlotte Roche: magersüchtig und alkoholkrank?

Charlotte Roche hat ein neues Buch geschrieben: Schoßgebete.
Charlotte Roche hat ein neues Buch geschrieben: Schoßgebete © dpa, Ulrich Perrey

Charlotte Roche: "Alles immer extrem machen"

Charlotte Roches Hämorrhoiden-Werk 'Feuchtgebiete' aus dem Jahr 2008 verkaufte sich 1,7 Millionen Mal. Der Erfolg des Buches ging darauf zurück, dass Roche Themen wie Intimrasur, Inzest oder auch Exkrementophilie aneinanderreihte - und durch diese Pseudo-Tabubrüche in die Schlagzeilen kam. Roche hat Gefallen am Geldverdienen gefunden. In Kürze erscheint ihr Zweitwerk 'Schoßgebete', für das sich die Autorin gerade schwer ins Zeug legt.

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Von Christiane Mitatselis

Roche überlässt nichts dem Zufall. Der Verlag, in dem 'Schoßgebete' erscheint, kündigt eine Auflage von 500.000 Exemplaren an. Das ist eine gewaltige Zahl. Journalisten dürfen das Werk erst zwei Tage vor seinem Erscheinen am 12. August lesen. Der 'Spiegel' bekam es jedoch vorher zu sehen, das Hamburger Magazin durfte Frau Roche zudem interviewen. Sechseinhalb Seiten gab der Spiegel für dieses Gespräch aus, in dem vor allem eins klar wurde: Roche schreckt vor nichts mehr zurück - und sie weiß, wie man Schlagzeilen produziert.

Schreiben sei für sie Therapie, sagt sie. Sie sei nämlich sehr krank. Vorsichtshalber leidet sie gleich an so gut wie allen psychischen Krankheiten: "Ich habe Depressionen, Angstzustände, alles, ein Problem jagt das nächste. Wenn ich keine Magersucht habe, bin ich Alkoholikerin. Letztes Jahr habe ich aufgehört zu trinken. Ich muss alles immer extrem machen." Der Spiegel veröffentlichte Roches Bekenntnis schon vorab am Sonntag, natürlich stiegen die Nachrichtenagenturen sofort darauf ein. Und schon spricht man über die Autorin, die vielleicht demnächst auch noch tablettensüchtig wird. Oder autodestruktive Tendenzen entwickelt? Sie könnte sich die Arme zwischen ihren vielen Tattoos aufritzen, auch das würde Aufregung erzeugen.

'Schoßgebete': Parallelen zu Charlotte Roche

Ihr neues Buch handelt dem Vernehmen nach vor allem von Sex in der Ehe. Vorsichtshalber beginnt es, wie dem 'Spiegel' zu entnehmen ist, mit der 15-seitigen Schilderung einer Oralsex-Szene. Das Ehepaar hat das Bett vorher mit Heizdecken angewärmt und versucht es so zu treiben, dass es die Kinder, die im Haus sind, nicht merken. Achtung! Roche ist selbst verheiratet und hat eine Tochter. Schreibt sie also über sich selbst?, soll der Leser sich wohl fragen. Vermutlich erhoffen sich Verlag und Autorin eine ausgiebige Talkshow und Feuilleton-Debatte darüber, wie viel intime Dinge ein Schriftsteller über sich selbst verraten darf. Geht sie zu weit? Ist das noch Literatur?​

Um den "Schoßgebeten" den ultimativen autobiografischen Touch zu verleihen, kommt in dem Buch auch ein schrecklicher Unfall vor. Der Hintergrund: Die drei Brüder der Autorin kamen vor zehn Jahren auf dem Weg zur Hochzeit der Schwester bei einem Autounfall ums Leben, ihre Mutter wurde schwer verletzt. Einst klagte Roche gegen die "Bild-Zeitung" und deren Berichterstattung über den Unfall. Nun hat sie keine Probleme mehr, die tragischen Ereignisse an die große Glocke zu hängen. Es sei "ihre Geschichte". Sie habe den Zeitpunkt und die Worte selbst gewählt, argumentiert sie. Man kann nur hinzufügen: Auch aus dieser traurigen Geschichte lässt sich Profit schlagen. Zumal Roche zugibt, dass ihr Geld "superwichtig" sei. "Mehr Geld heißt mehr Leben, es ist eine Absicherung gegen den Tod." Sie habe alles in Immobilien angelegt.

Roches erstes Werk fand ich langweilig und schlecht geschrieben. Wer ihr zweites Buch jetzt noch kauft, der ist es wohl selbst schuld.

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