Charlie Sheen: Ein Leben wie ein wilder Spielfilm

Charlie Sheen: Ein Leben wie ein wilder Spielfilm
Lustig ist es mit Charlie Sheen immer, fast immer © ddp images

Charlie Sheen alias Charlie Harper oder eher Harper alias Sheen? Die Frage stellt sich, denn der Schauspieler ist, obwohl er diese Rolle in der Sitcom "Two and a Half Men" schon lange nicht mehr innehat, fest mit ihr verbunden. Das hat zwei Gründe: Erstens, weil "Two and a Half Men" mit ihm so unglaublich erfolgreich war und auch noch ist. Und zweitens, weil Sheen Harper nicht nur einfach verkörperte, sondern weil er er ist. Sheen spielte quasi sich selbst. Ob das nun schmeichelhaft ist, sei mal dahingestellt. Glaubwürdig wirkte es zumindest.

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50 Jahre und doch nicht weise

Das Schauspielern wurde Sheen in die Wiege gelegt. Sein Vater ist Martin Sheen, weltbekannt geworden durch seine Rolle im Meisterwerk "Apokalypse Now". Auch einer seiner Brüder, Emilio Estevez, der nicht den Künstlernamen Sheen seines Vaters übernommen hat, ist als Schauspieler durchaus bekannt. So war Sheens Weg in die Schauspielerei vorgezeichnet.


Skandale statt Karriere

Sein Weg zur Skandalnudel nicht zwangsläufig. Denn diese Rolle, wohl seine prägendste, hat Sheen, der am 3. September 1965 als Carlos Estevez geboren wurde, weitaus bekannter gemacht als seine schauspielerischen Leistungen. Obwohl sein Karriere-Start verheißungsvoll war. Nach diversen kleineren Auftritten, unter anderem in der Kult-High-School-Komödie "Ferris macht blau", hatte Sheen 1986 in "Platoon" und "Wall Street" im Jahr 1987 zwei Hauptrollen inne, die ihn berühmt machen sollten und die ihm die Tür zu einer großen Kariere öffneten.


Doch Sheen nahm lieber die Hintertür, die ihn über Komödien hin zum TV- und Sitcom-Star führte. Hollywood light. Geldtechnisch aber auch lohnend. Denn er war lange der bestbezahlteste TV-Schauspieler der Welt, angeblich soll er in seiner letzten Staffel pro Folge von "TAAHM" 1,25 Millionen Dollar verdient und möglicherweise, in bester Charlie-Harper-Manier, umgehend auch wieder verprasst haben.


Zurück zu seinen Rollen vor Harper: Darunter viele in Filmen, die man schon wieder vergessen hat, wenn der Abspann läuft. Kultstatus erreicht hat Sheen jedoch als Topper Harley in der Hollywood-Parodie "Hot Shots" und deren Fortsetzung. Da Kult jedoch nicht Klasse bedeutet, sah man Sheen danach weiter in vielen belanglosen Filmen - bis er die Rolle in "Two and a Half Men" ergattern konnte.


Charlie als Charlie in seiner Paraderolle

Diese war nicht nur finanziell erfolgreich für ihn, sondern brachte ihm auch Emmy- und Golden-Globe-Nominierungen ein. In insgesamt acht Staffeln mimte er den notorischen Frauenhelden und Lebemann Charlie Harper, der zusammen mit seinem erfolglosen Bruder und dessen Sohn in einer Villa in Malibu, Kalifornien, lebt. Das Ende seiner Zeit bei "Two and a Half Men" kam unerwartet - und doch auch wieder nicht. Eskalierende Drogeneskapaden auf der einen Seite und Beleidigungen gegen für die Sendung verantwortliche Personen auf der anderen Seite waren dem produzierenden Sender irgendwann zu viel. Sheen wurde 2011 entlassen.


Sein Ruf als Enfant Terrible hatte er sich zuvor über die Jahre sorgfältig erarbeitet: Frauengeschichten, Drogengeschichten, ausgiebige Bekanntschaft mit den Behörden, Besuche von Gefängniszellen und Gerichtssälen - das war nicht nur das Leben von Charlie Harper in "TAAHM", sondern auch jenes von Charlie Sheen in der Realität. Das alles in den Medien, für die Medien.


Schon im Alter von nur 19 Jahren, als ihn wirklich noch niemand kannte, wurde er Vater. Die Beziehung zur Mutter des Kindes war jedoch vorüber, als er ihr in den Arm schoss. Dies wäre für viele Menschen schon das größtmögliche Beziehungsdrama, für Sheen nur der Auftakt zu einer Reihe von Beziehung, bei der jede die vorhergehende an Dramatik toppen sollte. Hier eine stichwortartige Auflistung seiner Verfehlungen.


Eine unvollständige Auflistung

Liaison mit einer Pornodarstellerin, die darauffolgende Freundin verprügelt, Bewährungsstrafe. Danach Heirat mit der Schauspielerin Denise Richards, zwei Töchter, Trennung wegen Drogen und Gewalt. Erneute Ehe, dieses Mal mit einer Immobilienmaklerin, Vater von Zwillingen. Anzeige von ihr gegen ihn an Weihnachten, weil er sie mit dem Messer bedroht haben soll, Verhaftung durch die Polizei. Keine sofortige Trennung, dafür aber Probleme nach Randale in einem New Yorker Hotel und Gewalt gegen eine Pornodarstellerin. Schließlich die Scheidung von der Mutter seiner Zwillinge. Als nächstes Dreiecksbeziehung mit - wie überraschend - einer Pornodarstellerin und einem Model. Wegen Drohung gegen seine Ex-Frau verliert er vorübergehend das Sorgerecht für seine Söhne, zudem gibt es eine einstweilige Verfügung, die besagt, dass er sich den Zwillingen und deren Mutter nicht nähern darf. Zwischendurch immer wieder Interviews, in denen er wahlweise pöbelt oder sich mit seinem Drogenkonsum rühmt. Gerne streut er auch Verschwörungstheorien ein. Auch die jüngste Beziehung und Verlobung zu einer Pornodarstellerin, wird aufgelöst. Um diese Aufzählung jedoch versöhnlich enden zu lassen: Sheen ist seit 2013 Großvater. Damals brachte seine erste Tochter seinen ersten Enkel zur Welt.


Zum Schluss noch einmal zurück zur Ausgangsfrage: Man könnte gar meinen Charlie Harper wäre die Vorlage für Charlie Sheens wildes Leben. Und damit die Kopie, die das Original noch um weiten übertrifft. Sicher ist, sein Auftritt in "Two and a Half Men" wird wohl Sheens Paraderolle bleiben. In dieser Tradition und in Anbetracht seiner Vorgeschichte ist anzunehmen, dass er seinen 50. Geburtstag nicht mit Kinderpunsch feiern wird.



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