Cat's Eyes: Ein Himmel voller Geigen

Cat's Eyes
Faris Badwan und Rachel Zeffira mögen Sonnenbrillen und lieben es opulent. Foto: RAF Records © DPA

Mit Harfengezupfe und einem Himmel voller Geigen beginnt eines der ungewöhnlichsten Alben dieses Pop-Sommers. Dahinter steckt das britisch-kanadische Duo Cat's Eyes, das sich weiterhin nicht in eine Schublade stecken lässt.

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Nach dem noch etwas unentschlossenen selbstbetitelten Debüt von 2011 war erstmal so lange Funkstille, dass man das Projekt von Faris Badwan (The Horrors) und Rachel Zeffira schon auf der Vermisstenlisten hatte. Dann gab es plötzlich mit dem tollen Soundtrack "The Duke Of Burgundy" und einem European Film Award ein echtes Ausrufezeichen. Nun also "Treasure House" (RAF Records/Kobalt), das alles aufbietet, was heute im Genre-Fach Orchestraler Pop möglich ist.

Neben den bereits erwähnten Harfen und Streichern also noch viel (Kirchen-)Orgel, Keyboardgeklimper, Oboen und Klarinetten, jenseitig klingende Chor-Arrangements. Und die beiden starken Stimmen von Badwan/Zeffira on top - mal solo, oft gemeinsam in Schönheit schwelgend. Zwar ist mit "Be Careful Where You Park Your Car" zwischendurch auch mal ein herzhaftes Soul-Stück im Girlgroup-Modus dabei und direkt danach mit "Standoff" ein treibender Postpunk-Rocksong - zwei Tracks übrigens, die im Klangdesign dieser Platte ein wenig wie Fremdkörper wirken.

Denn ganz überwiegend sind die neuen Lieder der "Katzenaugen" von plüschiger Opulenz und klarer Retro-Orientierung im Stil der 60er und frühen 70er geprägt. Zeitweise fühlt man sich an die Musik zu einem Tatantino-Film erinnert, dann wieder an die eleganten Pop-Dramen der Carpenters. Nach schlanken 36 Minuten ist das Dreampop-Kleinod auch schon vorüber. Der nächste Auftrag für Cat's Eyes aus der Filmindustrie dürfte angesichts dieser neuen Cinemascope-Sound-Visitenkarte nur eine Frage der Zeit sein.


dpa
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