Carly Rae Jepsen im Exklusiv-Interview

Carly Rae Jepsen im Exklusiv-Interview
© Nina G. Gilhooley

"'Canadian Idol‘ war Fluch und Segen zugleich!"

Seit ihrem Mega-Hit „Call Me Maybe“ ist die kanadische Sängerin Carly Rae Jepsen in aller Munde. Der Song belegt seit Wochen die weltweit die Chartspitzen, verbucht mehr als 200 Millionen Videoabrufe im Internet und stellt mit unzähligen Parodien und Coverversionen – von Justin Bieber bis Barack Obama - einen wohl einmaligen Rekord auf. Ein Erfolg, von dem 26jährige Carly Rae Jepsen noch vor einem Jahr nur träumen konnte. Wir haben die sympathische Kanadierin getroffen und sie zu ihrem neuen Album „Kiss“, ihrer anstehenden Tour mit Justin Bieber und den aufregendsten Momenten in ihrer noch jungen Karriere befragt.

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Nicole Feybert

Willkommen in Deutschland und Glückwunsch zum neuen Album, Carly! Dein Erfolg ist sensationell, du hast gerade die VMAs hinter dir – wie war´s?

Das war irre aufregend für mich, mit Leuten wie One Direction oder The Wanted nominiert zu sein! Alleine mit denen in einem Satz genannt zu werden, ist jenseits aller Erwartungen für mich. Noch vor einem Jahr war ich gerade mal in Kanada ein wenig bekannt.

Trotzdem etwas enttäuscht, weil am Ende „One Direction“ in der Newcomer-Kategorie gewonnen haben?

Nein, eigentlich nicht. Bei der Preisvergabe überhaupt mitmischen zu dürfen, war schon der Wahnsinn! Leider waren wir an genau diesem Abend in Paris, um meine neue Single „Good Time“ zu promoten, so dass ich persönlich nicht anwesend sein konnte. Ich hatte die Show an dem Tag ganz vergessen – bis man mir es am nächsten Tag erzählt hat! (lacht)

Dein Album „Kiss“ wird am 14.9. veröffentlicht – verrate uns, wonach es klingt!

Es ist ein richtiges Pop-Album geworden, mit einem leichten 80er Jahre – Vibe, inspiriert von einigen meiner Lieblingskünstler: Madonna, LaRoux oder Robyn. Die Songs selbst sind über einen langen Zeitraum entstanden, ich habe die Ideen und Inspirationen dazu gesammelt, seitdem ich 17 bin. Das Album fühlt sich sehr nach mir selbst an!

„Call Me Maybe“ hat ja schonmal einen guten Vorgeschmack gegeben. Dein damaliger Freund hat dich zu dem Song inspiriert - ist das auch so in etwa abgelaufen? Du gehst zu ihm à la „Call Me Maybe“…?

Oh nein, überhaupt nicht! Eher in meiner Fantasie, wo ich etwas mutiger bin… (lacht). Der Song sollte eher als Flirt-Song betrachtet werden, ich habe ihn mit zwei guten Freunden geschrieben, Tavish Crowe und Josh Ramsay.

… okay, und wie würdest du dann jemanden ansprechen, wenn die Songvariante eher nicht in Frage kommt?

Ich bin nicht sicher, ich glaube, ich würde mich einfach ganz altmodisch vorstellen, mich mit ihm unterhalten und dabei testen, ob die Chemie stimmt!

Der Song wurde im Internet unzählige Male gecovert, parodiert, karaoke-gesungen, hast du ein Lieblingsvideo?

Daraus eins auszuwählen, ist sehr schwer. Aber die Nr. 1 wird wohl Justin Bieber bleiben! Alleine schon deshalb, weil es der erste völlig surreale Moment für mich war. (Anm.d.Redaktion: durch Justin Biebers Tweet über den Song und seine Parodie wurde „Call Me Maybe“ über Nacht weltbekannt) Ich liebe die Parodien und Versionen der ganzen Stars, aber vor allem auch die der Fans. Ich erinnere mich besonders an eines, das ich in Kanada gesehen habe: zwei deutsche Mädels haben ein Wohnzimmervideo gedreht, haargenau so, wie meine Schwester und ich das früher zu anderen Songs getan haben. Das war schon sehr cool zu sehen.

"Ich hatte schon immer eine Schwäche für Popmusik"

Carly Rae Jepsen im Exklusiv-Interview
© Nina G. Gilhooley

Viele wissen gar nicht, dass du den Song selbst geschrieben hast.

Ja, ich habe „Call Me Maybe“ gemeinsam mit Tavish Crowe geschrieben. Ich habe recht früh mit dem Songwriting begonnen. Um ehrlich zu sein, habe ich mit 9 Jahren den ersten geschrieben… einen Protestsong übers Fällen von Bäumen. Der war nicht sonderlich gut - aber wahnsinnig leidenschaftlich! (lacht) Ich habe dann von meiner Mom und meinem Stiefvater eine Gitarre geschenkt bekommen, als ich 17 war und die School Of Performing Arts in Victoria besuchte. Aber ich wollte gar nicht auf die Bühne und Songs von anderen performen, ich wollte eigene Sachen spielen. Das war der Moment, der mich richtig musikalisch gepackt hat.

Welche Musiker inspirieren dich?

Viele, mit deren Musik ich aufgewachsen bin. Ich war eins dieser seltenen Kinder, das den Musikgeschmack seiner Eltern toll fand. Zum Beispiel die Van Morrisons und James Taylors dieser Welt; meine Mom war ein großer Fan von Ricky Lee Jones. Ich habe die Songs von Sinead O´Connor gesungen. Gleichzeitig hatte ich aber auch diese Schwäche für Popmusik, die mit der Zeit immer mehr gewachsen ist.

Hast du deine Songs also ursprünglich gar nicht als Popsongs geschrieben?

Die meisten meiner Songideen starten eh mit einer Akustikgitarre. Daher klingen sie erst einmal sehr reduziert und folky. „Call Me Maybe“ war tatsächlich zuerst mehr als Folksong geschrieben worden! Wir haben ihn zu Josh Ramsay gebracht, und er hat das Ganze in den Popsound gebracht, den wir jetzt hören.

Dein Erfolg scheint zur Zeit zu explodieren. Was ist für dich bislang der beste, was der schwierigste Teil des Popstarlebens?

Das Beste ist für mich das Reisen. Hinter dir sehe ich gerade den berühmten Kölner Dom, morgen sind wir vielleicht in London und am nächsten Tag in Japan. Wie verrückt und großartig ist das? Auch wenn das alles im Zeitraffertempo abläuft und es immer nur ein kurzer Eindruck von allen Städten und Ländern ist - für mich ist es genug, um zu wissen, welche Orte ich gerne noch einmal besuchen und näher kennen lernen möchte. Die andere Seite der Medaille ist, dass man so lange von der Familie und den Freunden getrennt ist. Mehr als ich es erwartet hatte. Aber so kommt man langsam ins Tempo einer Tournee! Und hier und da werden sie mich auch während der Tour besuchen und eine Weile begleiten.

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