Cannes: Goldene Palme für deutschen Film

Cannes: Goldene Palme für deutschen Film

Preise für Haneke und Waltz

Der Österreicher Michael Haneke hat mit seinem sehr deutschen Film "Das weiße Band" die Goldene Palme beim 62. Filmfestival in Cannes gewonnen. Vor genau 25 Jahren hatte mit Wim Wenders ("Paris, Texas") zuletzt ein deutschsprachiger Regisseur in Cannes triumphieren können. Hanekes in Schwarzweiß gedrehtes Drama mit dem Untertitel "Eine deutsche Kindergeschichte" spielt in einem Dorf in Norddeutschland vor dem Ersten Weltkrieg. Haneke zeigt die autoritären Strukturen in den Familien und in der Dorfgesellschaft, die Verinnerlichung von Werten durch die Kinder und geht damit den Ursachen von Terror und Gewalt auf den Grund.

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Auch der Darstellerpreis ging an den gebürtigen Österreicher Christoph Waltz für seine Leistung in dem Film "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino. Haneke, ein vornehm auftretender Intellektueller, war auf der Bühne im Festivalpalais sichtlich gerührt. "Manchmal fragt mich meine Frau eine typisch weibliche Frage, ob ich glücklich bin. Das ist schwer zu beantworten. Aber heute Abend kann ich sagen, dass ich sehr glücklich bin."

Cannes: Goldene Palme für deutschen Film

Als beste weibliche Darstellerin freute sich die Französin Charlotte Gainsbourg über die Würdigung ihrer harten Rolle in "Antichrist" von Lars von Trier. Der Große Preis der Jury ging an den Franzosen Jacques Audiard für das Gefängnisdrama "Un Prophète". Den Preis der Jury teilen sich zu gleichen Teilen die Britin Andrea Arnold für das Sozialdrama "Fish Tank" und der Südkoreaner Park Chan-wook für seien Vampirfilm "Thirst" (Durst).

Insgesamt liefen in diesem Jahr in Cannes 20 Filme im Wettbewerb um die Goldene Palme. Viele von ihnen boten ausgiebige Darstellungen von Sex und Gewalt. Auf dem Roten Teppich wurde etwas weniger Glamour zur Schau getragen, nur wenige Superstars zeigten sich den Fans. Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise war beim Festival an der Côte d'Azur deutlich zu spüren: Die Organisatoren veröffentlichten zwar keine konkreten Zahlen, aber Fachblätter schätzten, dass vor allem die Zahl der Branchenteilnehmer auf dem Internationalen Filmmarkt um mindestens ein Viertel gegenüber dem extrem gut besuchten Jahr 2008 gesunken sei.

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