Hollywood Blog by Jessica Mazur

Cannes-Blog: Jagd auf die Promis

Cannes-Blog: Jagd auf die Promis
Cannes-Blog: Jagd auf die Promis

von Jessica Mazur

 

- Anzeige -

Die Stars in Cannes können einem schon Leid tun. Nie sind sie allein! Wenn sie vor ihrem Hotel in ein Auto steigen, lauert draußen schon eine ganze Meute Schaulustiger. Denn die erste Faustregel in Cannes lautet: Wo zwei oder drei zusammen stehen, kann ein Filmstar nicht weit sein. Und so gesellen sich gleich weitere promigeile Passanten dazu - und natürlich bald auch Paparazzi. Das kann man hier jeden Tag vor einem anderen der exklusiven Strandclubs sehen, die mit Zeltdächern gut vor den Neugierigen abgeschirmt unterhalb der Ufermeile La Croisette liegen. Schließlich sind Brangelina in der Stadt, und die halbe Stadt würde gern mal in ihrer Nähe stehen.

 

Vor dem Hotel Martinez, einer der Top-Adressen hier an der Côte, steht immer eine Traube von Menschen, die mit einem Drängelgitter in ihre Schranken verwiesen werden. Wer kein Promi ist, muss wie ich sein Glück am Seiteneingang versuchen. "Auf wen wartet ihr?" frage ich ein älteres französisches Ehepaar. "Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Hier standen all diese Leute, da haben wir uns einfach mal dazugestellt."

 

Auf einmal kommt Bewegung in die Sache. Eine schwarze Limousine fährt vor. Alle drängeln was das Zeug hält und halten die Fotoapparate abschussbereit über den Kopf und im Zweifelsfall über die vier Reihen vor ihnen. "Who is it, who's there?" fragt panisch ein Neuhinzugekommener mit Rucksack und kurzen Hosen das Mädchen in Shorts und Bikinioberteil. "I don’t know", sagt sie mit französischem Akzent und versucht fleißig, weiter nach vorn zu kommen. Ein ziemlich unspektakulär aussehender Typ lässt einen Hotelangestellten seine Sporttasche in den Kofferraum wuchten. "Guy, Guy!" ruft jemand aus der Menge, aber der Mann reagiert nicht mal auf die Rufe und verschwindet im Fond des Wagens. Die Paparazzi halten drauf, wissen aber auch nicht, wen sie da ablichten. Mit meinem Pressebadge darf ich rein ins Hotel. "Sag uns nachher, wer drin ist", rufen mir die Fotografen nach.

 

In der Lobby drängeln sich jede Menge aufgebrezelte Menschen. Dass sie keine Stars sind, erkennt man schon an den großen Sonnenbrillen. Die Promis hingegen fahren mit ihren abgedunkelten Autos bis an die Roten Teppich oder ihr Hotel vor und würden dort niemals eine Sonnenbrille tragen. Denn außerhalb der repräsentativen Tätigkeit geben sie sich meist ganz unglamourös. In der Suite von Jimmy Choo treffe ich die Schauspielerin Saffron Burrows, die halb angezogen hereinrauscht und ein paar Sandalen braucht. Sie macht es sich auf dem Boden gemütlich, um die Schuhe anzuprobieren. Das werden die Menschen vor dem Hotel nie zu sehen bekommen.

 

Mit ein bisschen Glück aber sehen sie in einer der Bars bei genauerem Hinsehen doch ein bekanntes Gesicht. Eine Bekannte berichtet, dass sie Jude Law gesichtet hat – und zwar in einem eher preiswerten unglamourösen Restaurant. Er trug noch die gleichen lässigen Klamotten wie am selben Morgen beim Interview. Und wir freuen uns, dass es Promis gibt, die wie wir den ganzen Tag lang in den gleichen Klamotten herumlaufen. Damit sich jeder mal wie ein Star fühlt, hat man sich hier was ganz Besonderes ausgedacht: Auf dem Heimweg von einer Party, auf der wir keine Lust mehr hatten, weiter auf den Stargast Alain Delon zu warten, werden wir von Fotografen angefallen, die uns posieren lassen. Wir machen unter Gelächter brav mit und lassen die Jungs dann stehen. Denn natürlich fotografiert hier niemand unbekannte Gesichter ohne Hintergedanken. In einem der zahlreichen Foto-Shops kann man am nächsten Tag sein eigenes 'Starporträt' für viel zu viel Geld erwerben – oder ein Foto von echten Stars, die dieses Jahr oder irgendwann früher vom Hausfotografen abgeschossen wurden. Das ist Cannes: Hier wird aus allem Kohle gemacht.

A bientôt

Mireilla Zirpins

Cannes-Blog: Jagd auf die Promis
© Bild: Jessica Mazur