Hollywood Blog by Jessica Mazur

Cannes-Blog: Gewichtsprobleme an der Croisette

Cannes-Blog: Gewichtsprobleme an der Croisette
Cannes-Blog: Gewichtsprobleme an der Croisette

von Jessica Mazur

 

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Michael Moore hat zehn Kilo abgenommen. Gut, dass er uns das sagt, denn man sieht es ihm wirklich nicht an - zu gering ist der prozentuale Schwund an Körpermasse. Erzählt hat er das in Cannes bei der Pressekonferenz zu seinem sehr lustigen Film "Sicko", einer bitteren Abrechnung mit dem US-Gesundheitssystem. Moore empört sich in dem Film darüber, dass in seiner Heimat so viele Menschen ohne Krankenversicherung sind, weil sie zu dick (meistens) oder zu dünn (vermutlich ein paar Models) sind und deshalb von den Versicherungsgesellschaften abgelehnt werden. Da brannte uns Journalisten natürlich die Frage auf den Lippen, ob Mr. Moore trotz seiner vollschlanken Figur krankenversichert ist. Ist er, beeilt er sich zu sagen, und zwar über seinen Verband der Filmschaffenden. Und da er schon ahnte, was nach dem Film auf ihn zukommen würde, hat er tatsächlich angefangen, ein bisschen Sport zu treiben und Obst zu essen. Etwas ungelenk rudert er mit seinen wuchtigen Armen, um zu zeigen, wie rank und schlank er sein wird, wenn er das nächste Mal in Cannes einen Film präsentiert. Bis nächstes Jahr gibt das allerdings eher nix. Aber wenn er ordentlich mit seinem Film tourt, hätte er vielleicht eine Chance, denn zum Essen kommt man auf Festivals eher selten.

Den ganzen Tag rennt man hektisch zwischen irgendwelchen Kinos, Interviewlocations und anderen Festivitäten hin und her und hat oft keine Zeit, eine gescheite Mahlzeit zu sich zu nehmen. Restaurants gibt es hier zwar in Hülle und Fülle, aber versuchen Sie doch mal, dort zu einem fairen Preis auf die Schnelle was zu Essen zu finden - es ist nahezu unmöglich. Festivalanorektiker nehmen ihr Frühstück im Laufen, danach ganz lange nichts und dann eine späte Pizza – oder gar nichts, wie gestern Abend. Mit drei Kolleginnen suchte ich im Trendviertel nach Essbarem, doch ohne Reservierung ist hier an einem Samstagabend nichts zu machen. Ein paar Canapés retten uns um Mitternacht auf einer Party davor, aus den Latschen zu kippen, sind aber auch was für den hohlen Zahn. So kann man in den zehn Tagen locker zwei bis drei Kilo verlieren.

Anders Veranlagte kompensieren die Anspannung durch Essen: Die Stressesser schauen, dass sie immer Schokoriegel für den kleinen Hunger zwischendurch dabei haben, holen sich zwischendrin Fastfood und machen den Energieverlust des Tages am Abend mit ein paar Mixgetränken wett. Das macht dann zwei bis drei Kilo mehr auf der Waage.

Für die Stars gilt das alles nicht. Die haben es ja nicht ganz so stressig und können selbst auf Presseterminen in Hotelsuiten immer schnell jemand heranwinken, der dafür sorgt, dass bald ein leckeres Essen unter einer silbernen Haube hereingetragen wird. Hier lauert also eine echte Gefahr für Michael Moore, der spätestens seit der Goldenen Palme für "Fahrenheit 9/11" an der Croisette ein Star ist. Man hört es an den frenetischen "Michael"-Rufen, als er vorbei an mir durch den Festivalpalast läuft (mehr Geschrei gab’s bei Leo DiCaprio auch nicht, und das, obwohl der um Längen besser aussieht). Ob Moore nach dem Festival weiter ein paar Gramm abnehmen wird, werden wir nur dem Sehen nach nicht beurteilen können. Aber ich halte mal am Strand Ausschau. Vielleicht joggt Mr. Moore da ja vorbei.

A bientôt

Ihre Mireilla Zirpins

 

 

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© Bild: Jessica Mazur