Campino: Kommerz bleibt tabu

Campino: Kommerz bleibt tabu
Campino © Cover Media

Campino (53) versichert, dass sich die Mitglieder der Toten Hosen in ihren Grundansichten nicht verändert haben.

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Auch im Mainstream

In den 80ern galt die Düsseldorfer Band noch als unangepasste Punk-Truppe. Mittlerweile sind die Hosen längst im Mainstream angekommen und landen einen Hit nach dem nächsten. Auch wenn sie im Laufe ihrer Karriere durchaus Kompromisse eingehen mussten, haben sich einige Dinge nicht verändert. Die Einstellung zum Thema Kommerz beispielsweise.

"Nicht aus Zufall haben wir noch nie kommerziell Werbung gemacht. Wir haben dafür weder unsere Musik noch uns selbst zur Verfügung gestellt", betonte Frontmann Campino im Interview mit der 'NZZ'. "Es gab Angebote in Millionenhöhe. Das haben wir immer abgesagt. Wegen unserer Geschichte und unseres Selbstverständnisses, wer wir sind."

Auch Auftritte auf Firmenpartys hätten sie trotz hoher Angebote stets abgelehnt. "Das sind Dinge, die wir bewusst nicht tun. Insofern ist durchaus was geblieben vom Geist der Anfangstage. Vieles hat sich verändert, wir haben viele Kompromisse und teilweise Dinge gemacht, die wir bereuen. Aber im Grunde haben wir nie mit unserer Vergangenheit gebrochen."

Der Weg in den Mainstream sei sowieso "eine schleichende Entwicklung" gewesen, erklärte Campino weiter. Dass sie heute nicht mehr das "Sprachrohr der Rebellen" sind, weiß er genau. "Das waren Die Toten Hosen einst, als sie naiv waren, unverbraucht und deshalb in diesem Punkt glaubwürdig. Heute sollten wir nicht so tun, als wären wir noch diese Figuren von früher. Aber wir sind heute da, wo wir stehen, weil wir einmal diese Typen gewesen sind", zeigte er sich überzeugt.

Was Campino damals wie heute wichtig ist: der Kampf gegen Rassismus. In der 'Aargauer Zeitung' rief er deshalb dazu auf, gegen diese Bedrohung vorzugehen. "Dieser Hass kann zur Mainstream-Gesinnung werden. Sprüche, die bisher tabu waren, werden plötzlich gesellschaftsfähig, ohne dass jemand aufschreit. Da muss die Gesellschaft dagegenhalten. Man muss es sich im Supermarkt nicht mitansehen, wenn einer runtergemacht wird, nur weil er nicht von hier ist. Da kann man etwas dagegen tun."

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