Cameron Diaz auf Britneys Spuren? "Beim Leben meiner Schwester"

Cameron Diaz auf Britneys Spuren? "Beim Leben meiner Schwester"

Von Mireilla Zirpins

Cameron Diaz machte vor einiger Zeit Schlagzeilen mit einem Foto, das sie glatzköpfig zeigt. Doch anders als Britney Spears hat sie sich nicht in psychischer Verwirrung den Schädel rasiert. Der Kahlschlag war nur für eine Filmrolle. Und Diaz spielt nicht etwa eine Krebspatientin, sondern die Mutter eines leukämiekranken Mädchens und schert sich die Glatze aus Solidarität. Bei Sara Fitzgeralds Tochter Kate (Sofia Vassilieva) wird im Kleinkindalter Blutkrebs diagnostiziert. Kein Verwandter kommt als Knochenmarkspender in Frage. Da lassen sich die Eltern ein drittes Kind im Reagenzglas designen. Anna ("Little Miss Sunshine" Abigail Breslin) soll als Ersatzteillager für ihre große Schwester dienen.

Das tut sie auch bis zu ihrem elften Lebensjahr. Doch als Anna Kate einer Niere spenden soll, nimmt die Kleine sich einen Staranwalt, verklagt ihre Eltern und fordert die medizinische Mündigkeit. Damit setzt der Film ein und hat den Zuschauer emotional auch sofort eingewickelt. Ist es richtig, dass dieses Mädchen seine 14-Jährige Schwester sterben lässt, nur damit es selbst einmal Cheerleaderin werden oder sich betrinken kann? Andererseits kann es auch nicht richtig sein, dass Annas Eltern sie gegen ihren Willen unters Messer zerren können, nur weil sie erziehungsberechtigt sind. Schließlich stellen die Operation und das Leben mit nur einer Niere ein beträchtliches Risiko dar.

Während der Zuschauer sich in den ethisch-moralischen Konflikt einfühlt, eskalieren die Ereignisse. Denn Sara ihres Zeichens studierte Juristin, gibt keineswegs klein bei, sondern zieht ebenfalls vor Gericht, um sich die Niere ihrer Jüngsten zur Rettung ihrer Mittleren zu erklagen. Dass jede der Parteien einen guten Grund für ihre Sicht hat, zeigt Nick Cassavetes in vielen Rückblenden, die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt sind. Das ist formal ansprechend und zwingt das Publikum, jede Sichtweise einmal einzunehmen und verdeutlicht die Ausweglosigkeit der Situation.

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Cameron Diaz auf Britneys Spuren? "Beim Leben meiner Schwester"

Leider vertraut der Regisseur seinem starken Stoff nicht genug und drückt mehr auf die Tränendrüse, als nötig wäre. Da bekommt Kate noch einen ebenfalls krebskranken Boyfriend an die Seite gestellt, und die Richterin (Joan Cusack) knabbert am Unfalltod ihrer halbwüchsigen Tochter. Weichzeichner-Rückblenden, schnulzige Songs und eine kitschige Collage, die die todgeweihte Kate für ihre Mutter anfertigt, tun ein Übriges: Die einen brechen in Tränen aus, die anderen entfremden sich von dem Stoff.

Das ist schade, denn die beiden jugendlichen Hauptdarstellerinnen spielen eindringlich-unaufdringlich, intensiv und überzeugend. Cameron Diaz, die sonst eher im Komödienfach zu Hause ist, gibt sich alle Mühe, der verzweifelten Mutter, die zur Kampfhenne mutiert, Tiefe zu verleihen. Doch mit ihren hysterischen Auftritten macht sie die Figur unsympathischer, als gut für den Film ist.

Dabei packt der Film viele heiße Eisen an und zeigt nicht nur die Ohnmacht der Familie einer Kranken, sondern auch die schleichende Diskriminierung der beiden gesunden Kinder, die sich im Schatten des sterbenden Geschwisters nur schwer entwickeln können. Schon deswegen ist "Beim Leben meiner Schwester" ein interessanter filmischer Beitrag, auch wenn er zu kalkuliert auf die Rührung des Zuschauers zielt. Unser Tipp: Nicht anschauen, wenn Sie eh schon deprimiert sind!

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