Burlesque: Aguileras ‚Dirrrty’ Kino-Debüt

Heiße Kurven und flache Story

Burlesque: Aguileras ‚Dirrrty’ Kino-Debüt

Eine knapp bekleidete Dita von Teese, die sich in einem überdimensionalen Champagnerglas suhlt und dabei die kaum vorhandene Kleidung abstreift - das ist das erste, woran man denkt, wenn man heutzutage das Wort „Burlesque“ hört. Diesen Ruf will Regisseur Steven Antin mit seinem gleichnamigen Debüt jetzt ordentlich aufpolieren. „Burlesque“ kommt mit viel Gesang und sexy Choreographien daher - gekrönt von Cher und Christina Aguilera in den Hauptrollen. Klingt nach einer perfekten Mischung, aber reicht das für einen 120-minütigen Kinofilm?

Die Handlung kommt etwas flach daher: Landei Ali (Christina Aguilera) flieht aus ihrem öden Leben ins schillernde Los Angeles und verirrt sich schließlich in die „Burlesque Lounge“, ein stilechtes, wenn auch etwas runtergekommenes Revue-Theater. Für Ali der richtige Ort, um ins Showbiz einzusteigen. Nach einiger Überzeugungskunst gibt ihr die hochverschuldete Clubbesitzerin Tess (gespielt von Cher, die seit „Mondsüchtig“ und, „Meerjungfrauen küssen besser“ keinen erfolgreichen Kinofilm mehr gemacht hat) eine Chance. Mit ihren Kurven und ihrer gewaltigen Stimme wird Ali schnell der Star der Show.

Natürlich darf die unausweichliche Love-Story nicht fehlen. Ali verknallt sich in Jack (gespielt von „Twilight“-Bösewicht Cam Gigandet). Der arbeitet als cooler Barkeeper in der „Burlesque Lounge“, fährt Motorrad, trägt viel zu enge Muskelshirts (die ihren Namen in dem Fall verdient haben) und komponiert seine eigene Musik – ein absoluter Traumtyp also, wäre er nicht verlobt. Seine durch Abwesenheit glänzende Verlobte legt Ali natürlich Steine in den Weg. Doch damit nicht genug: Der hoch verschuldeten „Burlesque Lounge“ droht auch noch das Aus.

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Wirkliche Überraschungen oder unvorhergesehene Wendungen hält die Handlung nicht bereit. Vor allem die Liebesgeschichte um Ali und Jack wirkt phasenweise etwas klebrig und klischeebehaftet. Wirklich Fahrt bekommt der Film erst dann, wenn es auf der Bühne zur Sache geht und Christina Aguilera in bester „Moulin Rouge“-Manier mit ihren Schauspielkolleginnen (darunter „Veronica Mars“- Star Kristen Bell als zickige Diva Nikki) auf der Bühne die Hüften kreisen lassen.

Doch leider hakt der Film auch hier, denn die Gesangsauftritte von Aguilera und Cher sind offensichtlich nachträglich vertont worden. Die Sängerinnen haben in den Bühnenszenen nicht mal ein Mikrofon in der Hand, so dass die gezeigten Auftritte ganz und gar nicht authentisch wirken, sondern vielmehr wie poppige Musikvideos.

Und Christina Aguilera? Die macht in ihrem Kino-Debüt eine wirklich gute Figur, was nicht schwer ist, da sie die meiste Zeit singen und in sexy Dessous tanzen darf – und das liegt ihr ja bekanntermaßen im Blut (man denke nur an ihr legendäres Musikvideo zum Song „Dirrty“). In Szenen, die besonders von Dialogen leben, wirkt Aguilera jedoch etwas hölzern und man merkt, dass ihr die nötige Filmerfahrung fehlt. Ganz anders Cher: Ihr kauft man die verzweifelte, aber taffe Clubbesitzerin Tess in jeder Sekunde ab - und das trotz ihrer durch Beauty-Eingriffe fast völlig erstarrten Gesichtsmimik.

Trotz dünner Story ist „Burlesque“ wegen der (fast) perfekten Besetzung und der heißen Bühnen-Szenen einen Kinobesuch wert. Vor allem Fans von Christina Aguilera werden auf ihre Kosten kommen. Anspruchsvolle Kinogänger, die von einer Handlung überrascht werden wollen und den 08/15-Hollywood-Liebeskitsch leid sind, sollten diesem Revue-Theater lieber fern bleiben…

Von Sebastian Schmidt

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