Brüller oder Kalauer? Kaya Yanar in 'Agent Ranjid' - Kritik

Kaya Yanar und Birte Glang in 'Agent Ranjid'
Kaya Yanar und Birte Glang in 'Agent Ranjid' © dpa, Constantin Film

2 von 5 Punkten

Museumsführer, Zahnarzt, Grundschullehrer: Wenn es um verschiedene Berufe geht, kann sich Kaya Yanar über mangelnde Praxis nicht beschweren. Zusammen mit Dieter Tappert alias Paul Panzer hat der Comedian in der RTL-Show ’Stars bei der Arbeit’ bereits unzählige Jobmöglichkeiten getestet. Dabei nutzt er stets seine türkisch-arabischen Wurzeln, um in die verschiedensten klischeebeladenen Figuren der Multikulti-Gesellschaft zu schlüpfen. Die beliebteste von ihnen ist laut Yanar der liebenswert-trottelige Inder Ranjid Bambalapitiya – ein Name wie gemacht für einen Agenten. Nicht verwunderlich also, dass dieser in ’Agent Ranjid rettet die Welt’, dem ersten Kinoabenteuer des Comedians, zum Titelhelden avanciert.

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Dabei ist der Inder eigentlich nur ein unspektakulärer Putzmann, der seine Kuh Benytha abgöttisch liebt. Als es in den vier Mägen des Tieres allerdings mächtig zu rumoren anfängt, gerät Ranjids Welt aus den Fugen: Sein geliebtes Rindvieh braucht eine Magenoperation, andernfalls holt Tierarzt Dr. Abdecker (Tom Gerhardt) die Schrotflinte raus. Doch woher soll Ranjid das Geld für den rettenden Eingriff nehmen? Während er noch überlegt, versucht der irre Holländer Freek van Dyk (Hollands ‘Blade Runner‘-Star Rutger Hauer) mit Hilfe eines Spezialhandys und eines gekaperten Satelliten, die Gehirne der mächtigen Politiker fernzusteuern und so die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Zur Seite stehen ihm dabei sein treudoofer, deutscher Schwager Reppe (Gode Benedix) und die holländische Kampfamazone Viagra van den Hupen (’Unter uns’-Darstellerin Birte Glang). Deren Name ist Programm: Wenn sie ihren eng anliegenden Catsuit öffnet, rutscht den Herren der Schöpfung das Hirn in die mittleren Körperregionen und sie kippen aus den Latschen. Schließlich bleibt Bundesmerkel (Sehr gut: Angela-Merkel-Imitatorin Antonia von Romatowski) nichts anderes übrig, als den Geheimdienst Ayran Secret Service (ASS) einzuschalten, der sich eigentlich nur für Gammelfleisch-Döner, Produktpiraterie und Security bei Tarkan-Konzerten zuständig fühlt. Nachdem Reppe und Viagra bereits die beiden ASS-Superagenten Hakan und Sirtakimann (beides Kaya Yanar) ausgeschaltet haben, ruht plötzlich alle Hoffnung auf dem trotteligen Ranjid. Der neue “Süperagent“ kann so immerhin das Geld für Benythas Eingriff verdienen.

Sechs Rollen, wenig echte Lacher

Kaya Yanar in 'Agent Ranjid'
Kaya Yanar in 'Agent Ranjid' © dpa, Constantin Film

Neben dem Inder nimmt Yanars beliebter türkischer Türsteher Hakan die zweite Hauptrolle ein, zudem ist der Komiker in vier Nebenrollen zu sehen. Dabei setzt ’Agent Ranjid’ ganz auf die bereits im Showprogramm des Comedians etablierten Zutaten aus Dialekten und maßlos überzogenen Klischees über die entsprechenden in Deutschland lebenden Ausländer. Auch für die ein oder andere Hommage an beliebte Agentenkomödien wie ’Die nackte Kanone’ oder ’Austin Powers’ ist sich ’Agent Ranjid’ nicht zu schade. In genau deren Fußstapfen wandelt der Film mit seiner Mischung aus albernen Dialogen, Slapstick und Action auch, hinzu kommt das ein oder andere schrille Bollywood-Element.

Ob man den Film am Ende mag oder nicht, hängt maßgeblich davon ab, wie viel man Yanars Humor abgewinnen kann. Wer den Comedian kennt und liebt, wird an seinen Figuren noch einmal neue Seiten kennenlernen und sich köstlich amüsieren. Die restlichen Zuschauer erwartet eine hohe Gagdichte, die aber leider nur in wenigen Momenten wirkliche Lacher hervorruft. Ist es am Anfang noch amüsant, wenn der holländische Bösewicht in Holzlatschen daherkommt, nutzen sich die Klischees und die immer gleichen Eigenheiten der Figuren im Laufe des Films ab. Zudem sind sich Yanar und Drehbuch-Co-Autor Dieter Tappert selbst für flache Pipi-Pups-Witze nicht zu schade. Die Story dagegen kann durchaus die ein oder andere originelle Idee vorweisen, und auch bei den Locations punktet die Komödie mit guten Einfällen wie der Holzachterbahn im Movie Park Bottrop. In einer Liga mit den großen Vorbildern spielt ’Agent Rajid’ allerdings längst nicht.

Von Timo Steinhaus

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