Brüder machen Trecker zu Filmstars

Gläser-Brüder
Jörn und Tammo Gläser (l-r) filmen weltweit Ackerfahrzeeuge. Foto: Holger Hollemann © DPA

Sie fotografieren, filmen und lassen eine Kamera-Drohne steigen: Wer Jörn und Tammo Gläser mit ihrer Ausrüstung sieht, könnte denken, dass hier ein Musikvideo entsteht.

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Die Brüder zücken ihre Kameras allerdings für keinen Popstar, sondern für einen Trecker samt Kurzscheibenegge. "Das ist ein Fendt 939 Vario, vorgestellt erst im letzten Herbst, gebaut im Allgäu", sagt Tammo Gläser (30) mit strahlenden Augen. "Er hat ein komplett neues Grün." Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jörn ist für den Dreh auf einem Feld in der niedersächsischen Provinz extra aus Augsburg angereist.

Fotos aus Rodewald im Kreis Nienburg stellen sie noch am gleichen Abend auf Facebook ein. Zudem werden ein paar Minuten der fünfstündigen Dreharbeiten auf einer neuen DVD landen. Die jungen Männer haben, inspiriert von ihrer Leidenschaft für Traktoren, Mähdrescher & Co., ein florierendes Unternehmen aufgebaut: Inzwischen reisen sie um die Welt, um Landwirte in den USA, Australien oder Russland bei der Arbeit zu begleiten.

Ihre in der Wedemark bei Hannover produzierten DVDs werden in fünf Sprachen übersetzt und europaweit versandt. Stundenlang sind darauf über Felder rollende gigantische Maschinen zu sehen, Motoren dröhnen, und Staub wirbelt auf. Manches ist mit Musik unterlegt, der Sprecher informiert über Erträge und Struktur der jeweiligen Betriebe. Seine Stimme kann aber auch ausgeschaltet werden, um allein die Bilder zu genießen.

Wer schaut sich so etwas an? "Es sind Stadtmenschen darunter, die auf dem Land aufgewachsen sind", sagt Tammo Gläser. Viele Frauen kauften die DVDs für ihre Männer oder Söhne als Weihnachtsgeschenk. Jörn Gläser zeigt auf seinem Smartphone ein von einem Kunden geschicktes Foto: Kleine Jungs sitzen in einer Scheune auf Spielzeug-Treckern, auf einer Großleinwand flimmert eine Landtechnik-DVD. Genaue Absatzzahlen wollen die Filmemacher aber nicht nennen.

Christoph Götz vom Maschinenbauverband VDMA beobachtet auch auf Berufswahlmessen eine besondere Anziehungskraft der Landmaschinen. "Die High-Tech-Trecker mit GPS werden immer bestaunt. Ich glaube, dass die Symbiose aus Technik und Natur die Faszination ausmacht", sagt Götz. Der Verband habe mit eigenen Filmen aus der Landwirtschaft große Klickzahlen auf Youtube erzielt.

Das Videoportal Youtube ist ein Konkurrent der Gläser-Brüder, die schon 2002 ihre ersten Videokassetten von niedersächsischen Äckern bei Ebay verkauften. Bundesweit gibt es nach Schätzungen über 100 Facebook-Fanseiten von Landtechnik-Liebhabern, die eigene Fotos und Filme hochladen. "Auch sehr aktiv sind die Fotografen auf Instagram", sagt der Student Max Meyer, der die Internetplattform "Agrartechnik im Einsatz" betreibt. Es gebe auch mehrere Anbieter von DVDs.

"Ich finde es beeindruckend, dass es für die Filme überhaupt einen Markt gibt", sagt Bauer Kai Zettel (42), während er mit seinem neuen Traktor im Wert eines Einfamilienhauses seine Runden dreht. Tammo Gläser kniet auf dem Feld, um den Fendt bei der Stoppelbearbeitung von unten in Szene zu setzen. Jörn Gläser hat seine Kamera im Anschlag. Die beiden sehen ein bisschen aus wie Tierfilmer, die in der Savanne auf den Auftritt des Löwen lauern. Zettel kennt die Brüder schon seit über zehn Jahren. Damals kamen sie mit dem Fahrrad, um Fotos zu machen, oder wurden von ihrer Mutter gebracht.

Selbst auf einem Hof aufgewachsen sind die Landtechnik-Fans nicht. Die Ferien verbrachten die Brüder jedoch oft bei einem Onkel auf einem Milchviehbetrieb in Ostfriesland. Tammo Gläser erinnert sich: "Wenn unsere Eltern uns dann abholten, um nach Gran Canaria zu fliegen, haben wir protestiert."


dpa
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