Bruce Willis in 'Cop Out': Dämlich, aber saucool

Cop Out - Geladen und entsichert

Bruce Willis in 'Cop Out': Dämlich, aber saucool

Wer will eigentlich den 128. Film über zwei halbblöde Streifen-Polizisten sehen, die erst nichts hinkriegen und dann doch den Fall lösen? Nun, haben wir auch zuerst gedacht. Zum Glück nimmt sich Bruce Willis in dieser lässigen Cop-Komödie von "Clerks – die Ladenhüter"-Regisseur Kevin Smith aber sowas von selbst auf die Schippe, dass man sehr froh ist, den Film doch gesehen zu haben.

Denn die meisten Gags in diesem Buddy-Movie über zwei Duchschnittspolizisten zünden, auch wenn die Story selten dämlich und auch übermäßig kompliziert ist. Nach dem etwas lahmen Einstieg – im Verhör foltert Cop Paul (Tracy Morgan) einen Verdächtigen mit Filmzitaten, bis der ihm seinen Drogenhändler verrät – nimmt die Story Fahrt auf. Paul und sein langjähriger Partner Jimmy (Bruce Willis) versuchen, die Dealer im Alleingang hochgehen zu lassen. Dass sich Paul aus Tarnungsgründen in ein albernes Handykostüm zwängt, trägt einen Großteil zum Scheitern des Einsatzes bei.

Weil Paul zur Verfolgung der Gangster einem Halbwüchsigen das Rad klaut und sich dabei auch noch von einem Schaulustigen mit dem Handy filmen lässt, landet die Szene im Internet – und die beiden Cops beim Chef. "Wie oft wurde das bei Youtube schon angeklickt?" ist leider das einzige, was Paul beim Problemgespräch mit dem Vorgesetzten zu dem Desaster einfällt. "Mindestens zwei: mein Chef und ich", donnert der und suspendiert unsere Helden prompt unter Streichung der monatlichen Bezüge vom Dienst.

Soweit, so konventionell. Genretypisch ermitteln die beiden auf eigene Faust weiter, aber auch nur, weil Jimmy eine seltene Baseballsammelkarte geklaut wird. Die wollte er dringend zu Geld machen, um die Traumhochzeit seiner Tochter bezahlen zu können – anstelle des neuen Stechers seiner Ex-Frau. Selbstverständlich führt die Suche nach dem debilen Dieb (endlich mal eine richtig gute Rolle für Sean William Scott, der in den "American Pie"-Filmen den Stifler mimte) dann doch auf die Spur des brutalen Latino-Drogenbosses, mit dessen Bande alles seinen Anfang nahm.

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Bruce Willis als gescheiterter Familienvater

Während die beiden Nicht-mehr-Cops auf der Lauer liegen und herumschnüffeln, haben sie Zeit, jede Menge dämlicher Sprüche zu klopfen und auch noch der Frage nachzugehen, ob Pauls scharfe Frau Debbie (zauberhaft: Rashida Jones aus "The Office") ihm nun fremdgeht oder nicht.

Auch wenn die Musik von Harold Faltermeyer, die seinem eigenen "Beverly Hills Cop"-Thema Reverenz erweist, irgendwann mit ihrem Elektrosound gewaltig nervt, schaffen es Tracy Morgan und Bruce Willis, dass sie uns trotz ihres manchmal echt albernen Jungs-Gehabes nie auf den Zeiger gehen. Sie bringen ihre selbstironischen Sprüche mit so viel Augenzwinkern und Coolness, dass man einfach lachen muss. Und trotz der sehr actionlastigen Geschichte bedient der Humor eher die Verbal- als die Slapstickschiene.

Dazu sind die Sprüche immer schön unter der Gürtellinie und geizen nicht mit Kraftausdrücken der härteren Kategorie. Da wird auch mal ein Kind geschlagen, dass dann mit allerhand F-Wörtern zurückschlägt - daher die Altersfreigabe ab 16 Jahren. Zum Glück rekrutiert sich Kevin Smiths Fangemeinde nicht aus Teenies, sondern im Wesentlich aus Volljährigen, die im Herzen große Jungs geblieben sind. Die dürften dem Kult-Regisseur auch bei seinem ersten Ausflug ins Big-Budget-Business folgen, auch wenn er diesmal das Drehbuch nicht selbst geschrieben hat. Der Witz ist weiterhin anarchisch, und Smith gönnt sich für Nebenrollen Stars wie Adam Brody, der als Kollege unserer beiden Loser nichts zu lachen hat.

Das Netteste aber ist Bruce Willis als gescheiterter Familienvater, dem bis zum Schluss fast nichts gelingt und der das alles mit einem süffisanten Grinsen und einem trockenen Spruch kommentiert. So gut aufgelegt haben wir ihn lang nicht mehr gesehen – außer vielleicht beim Angeln mit Ashton Kutcher. Dafür gehen wir auch gern in den 128. Copfilm.

Von Mireilla Zirpins

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