Brigitte und Peter Haas: Bewährungsstrafe für Eltern von Tommy Haas

Hartz-IV-Betrug, Peter und Brigitte Haas
Peter und Brigitte Haas, Eltern von Tennisprofi Tommy Haas (38), wurden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. © imago/Lackovic, imago sportfotodienst

Tommy Haas: "Ich wusste von nichts"

Vor wenigen Tagen haben Brigitte und Peter Haas noch von der Tribüne aus ihren Sohn Tommy beim ATP-Turnier in München angefeuert. Jetzt wurden die Eltern des deutschen Tennisprofis zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Denn das Ehepaar Haas hat ein Jahr lang unrechtmäßig Hartz-IV bezogen. Insgesamt sollen sie vom Jobcenter Rosenheim von November 2011 bis Oktober 2012 eine Summe von 14.769 Euro bezogen haben. Haas-Verteidiger Hans-Dieter Gross gestand Fehler des Ehepaares Haas ein, seine Mandanten hätten dabei wohl "geschludert", wie die 'Süddeutsche Zeitung' berichtet.

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Allerdings versäumte das Paar, die Behörde darüber zu informieren, dass Sohn Tommy, der durch seine erfolgreiche Karriere mehrfacher Millionär ist, seine Eltern mit rund 1.200 Euro monatlich unterstützt. Tommy Haas selbst ist schockiert, "ich wusste davon nichts. Das kommt aus heiterem Himmel und ist schockierend für mich und meine Schwestern. Ich versuche, das gerade zu verdauen" sagte der Tennis-Star zur 'Bild'.

Außerdem erhält der ehemalige Tennislehrer Peter Haas nach einem unverschuldeten Motorradunfall in Florida eine Rente von 1.765 US-Dollar (1.357,70 Euro). Nach dem Unfall 2002 war Haas nicht mehr in der Lage seinen Beruf auszuüben, weil er zu 80 Prozent schwerbehindert ist. Es sei ihm schwer gefallen nach dem Unfall einen vernünftigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten, schilderte Haas gegenüber der Amtsrichterin Isabella Hubert. Schließlich zieht das Paar jedes Jahr über die Wintermonate vom bayerischen Bad Aibling in den US-amerikanischen Sonnenstaat Florida. Das müssen sie, sagt Brigitte Haas, denn sie "kann die Kälte hier nicht ertragen." Inzwischen sind die beiden von Bayern nach Graz gezogen und wohnen dort in einer mietfreien Wohnung.

Auf Mitleid sind sie bei der Richterin allerdings nicht gestoßen, stattdessen bekamen Peter und Brigitte Haas gehörig die Leviten gelesen: "Hier werden Leute verurteilt, die sich von den Behörden 200 Euro erschwindeln, weil sie nicht wissen, wie sie von 360 Euro monatlich leben sollen. Sie beide beziehen etwa 3.000 Euro im Monat und leben noch mietfrei! Mit der Hälfte dieses Einkommens würden sich hier hunderte Arbeitslose im Himmel fühlen", sagte Richterin Hubert.

Kopfschütteln auch bei der Staatsanwaltschaft. Sie forderte eine Gefängnisstrafe von elf Monaten. "Diese staatliche Hilfe, ALG II, ist eine Hilfe für Bedürftige! Sie sind das Gegenteil von bedürftig. Sie haben einzig das Problem, ihren früheren Lebensstandard aufzugeben." Richterin Hubert hat das Ehepaar Haas zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafe wurde dann auf Bewährung ausgesetzt. Gemeinsam müssen Brigitte und Peter Haas 500 Euro monatlich an den Kreis Rosenheim zurückzahlen.

"Das Urteil neun Monate hört sich erst einmal hart an, aber man darf nicht vergessen, dass jeder Steuerzahler davon betroffen ist und durch solch ein Verhalten geschädigt wird. Wir alle also! So etwas kann man nicht hinnehmen", sagte Amtsgerichtspräsidentin Helga Gold abschließend zur 'Bild'.

Sohn Tommy werde sich zunächst mit seinen Eltern zusammensetzten und versuchen das Problem zu lösen. Der 36-Jährige vermute, dass seine Eltern "die Geschichte vor mir verborgen haben, um mir keine Last zu sein", sagte er der Zeitung. Allerdings habe er ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern und werde sie auch weiterhin unterstützen.

Bildquelle: Imago

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