Brigitte Macron: So tickt Frankreichs neue Première Dame

Brigitte Macron: So tickt Frankreichs neue Première Dame
Emmanuel und Brigitte Macron nach der Wahl © imago/PanoramiC, SpotOn

Wie sie sich in Emmanuel verliebte

Brigitte und Emmanuel Macron - ein ganz und gar ungewöhnliches Paar. Das liegt in erster Linie an ihr. Während Frankreichs neuer 39-jähriger Staatspräsident vor allem mit seiner Jugendlichkeit und seinem brillanten Kopf glänzt, steuert sie das Charisma bei. Die französische Première Dame, Spitzname Bibi, ist zwar 25 Jahre älter als ihr Mann, wirkt aber deutlich jünger. Man sieht ihr nicht an, dass sie 64 und bereits siebenfache Großmutter ist.

"Großmütterlich aber tritt die Politikergattin beileibe nicht auf: Die blonde, schlanke und braungebrannte Mittsechzigerin mit dem breiten Lächeln ist bekannt für ebenso todschicke wie körperbetonte Garderobe. Wo er manchmal etwas steif und brav wirkt, verstrahlt sie unbekümmerte Lebensfreude", analysiert etwa die "Welt". Das ist nur positiv für Emmanuel Macron, und diesen Pluspunkt wird er für seine kommenden Aufgaben gut brauchen können.

Ihre Vorgängerinnen

Ähnlich wie in den USA wird auch in Frankreich der First Lady eine große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zuteil. Bernadette Chirac, Ehefrau von Ex-Staatspräsident Jacques Chirac, wird etwa bis heute noch gefürchtet, egal ob sie nur einen Friseursalon oder das Café des Le Meurice mit dunkler Sonnenbrille und grimmigem Blick betritt. Eine besonders kapriziöse Rolle spielte Cecilia Sarkozy, die ihren Ehemann Nicolas Sarkozy zwar verlassen hatte, dann aber nach seinem Wahlsieg zu ihm zurückkehrte, um dann einige Monate später endgültig das Weite zu suchen.

An ihre Stelle trat die berühmte Carla Bruni, die als Model und Sängerin international bekannt war, als sie Nicolas Sarkozy kennenlernte und kurz darauf heiratete. Ihr gockelstolzer Mann zeigte sie der ganzen Welt als Trophy Wife vor. Und mit Valérie Trierweiler, der Lebensgefährtin von Francois Hollande, zog eine Dame mit großem Hang zum Liebesdrama in den Élysée-Palast. Sie soll einiges an Mobiliar zerschlagen haben, als ihr Liebster nachts das Moped bestieg und sich anderweitig vergnügte.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Nun also Brigitte Macron. Sie stammt wie ihr Mann aus Amiens, und es ist eine delikate Ironie ihrer Liebesgeschichte, dass ihre wohlhabende Familie Trogneux den Nachnamen ihres Mannes berühmt gemacht hatte, lange bevor man von Emmanuel gehört hat. Die Trogneuxs sind seit 1872 Chocolatiers und vertreiben die süße Spezialität Macarons d'Amiens.

Emmanuel lernte seine künftige Gattin als Gymnasiast kennen. Brigitte unterrichtete Französisch und Latein und leitete die Theatergruppe. "Ich habe ein Stück von Tardieu inszeniert, ,La comédie du langage'", sagte Brigitte Macron später in einem Interview. "Er spielte eine Vogelscheuche, und ich dachte, er war erstaunlich auf der Bühne. Was für eine Präsenz!"

Gemeinsam habe man an den Szenen gearbeitet. "Das Schreiben hat uns jeden Freitag zusammengebracht und eine unglaubliche Nähe ausgelöst", beschrieb Brigitte die Anfänge ihrer Liebe in "Paris Match". "Ich spürte, dass ich ins Wanken gerate - und er auch."

An sich ist es nichts Außergewöhnliches, wenn Schüler in diesem Alter für ihre Lehrerinnen schwärmen. Emmanuel Macron jedoch hatte es sich in den Kopf gesetzt, diese Frau, verheiratet mit dem Bankier André Louis Auzière und Mutter von drei Kindern, zu heiraten. Und wie fast alles in seinem Leben, realisierte er auch diesen Plan.

"Egal, was Sie tun, Madame: Ich werde Sie heiraten"

Um einen Skandal zu vermeiden, wechselte Macron zunächst an die Pariser Eliteschule Henri IV, wo er sein Abitur machte. Beim Abschied soll er Brigitte Trogneux versprochen haben, dass er wiederkomme - um sie zu heiraten. Da war er 17 und sprach filmreif: "Egal, was Sie tun, Madame: Ich werde Sie heiraten." Brigitte ließ sich von ihrem Banker scheiden und 13 Jahre später wurde das Versprechen Macrons in die Tat umgesetzt. Eine amour fou wie im Film wurde Realität.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt: "Die Franzosen lieben dieses Paar und seine Geschichte. Wäre Macron zum Beispiel mit der 32-jährigen Anwältin Tiphaine Auzière liiert, würde er viel eher wie ein junger, überehrgeiziger Streber wirken. Aber Tiphaine ist nicht seine Frau, sondern seine Stieftochter; sie ist das Kind von Brigitte Trogneux."

Die anderen beiden Trogneux-Kinder sind älter als er selbst. Eigene Kinder hat das Paar nicht. Er habe sich entschieden, so "Bild", für die Kinder und Enkel seiner Frau ein guter Stiefvater und -opa zu sein. Macron verbringt mit seiner Familie die Wochenenden oft zu Hause in seiner Villa im Seebadeort Le Touquet (Département Pas-de-Calais).

Die neue Stilikone

Brigitte, die erst gar nicht versucht, ihr Alter und ihre Falten zu kaschieren und deshalb von den französischen Modemagazinen als neue Stilikone gefeiert wird, verleiht dem jugendlichen Macron eine Aura von Reife und Charakter. Eine Grundvoraussetzung, wenn einer mit 39 Staatspräsident von Frankreich wird. Ehefrau Brigitte bestärkt ihn darin. Sie soll einmal gesagt haben, dass der Grund dafür ihr Alter sei. Man wisse ja nicht, wie alt sie in fünf Jahren neben ihm aussehen würde.

"Sie wirkt auf allen Bildern wie eine Verkörperung jenes aufbruchsfreudigen, modernen und zuversichtlichen Frankreichs, das sie in ihrer Jugend in den sechziger und siebziger Jahren erlebte", so charakterisiert die "FAZ" Macrons Ehefrau.

Sie ist Macrons Michelle Obama

Mehr noch. "Macron gewinnt an ihr. Sehr. Wo er ohne sie an seiner Seite wie ein voreiliger Streber aussehen würde, macht sie ihn zum Mann, der weiß, was er will und dafür einsteht", schreibt die deutsch-französische Autorin Annabelle Hirsch in der "Zeit". Man nehme ihm ab, dass er kein Windei sei, wie manche seiner Gegner es behaupten, weil er eine starke Frau an seiner Seite habe, die an ihn glaube. "Karl Lagerfeld sagte vor Kurzem, Brigitte Macron sei für ihren Mann, was Michelle für Barack war, und er hat wahrscheinlich Recht. Mit ihr kann er glänzen. Sie wirkt integer, frei, klar. Und sie hat bewiesen, dass es ihr an Mut nicht mangelt."

Frankreichs Kulturwelt feiert Brigitte als gebildete Frau und femme exceptionnelle, was den Komiker Laurent Gerra zu einem Radio-Sketch animierte. In dem wird die Prèmiere Dame als strenge Professorin dargestellt. Sie sei immer noch die Lehrerin und Emmanuel immer noch der Schüler: "Emmanuel, hast du endlich dein Programm aufgeschrieben?", so imitierte Gerra Brigitte Macron: "Na zeig mal her!"

spot on news