'Briefe an Julia': Die volle Dröhnung Romantik

Amanda Seyfried: Prädestiniert für die Rolle der Verlobten

'Briefe an Julia': Die volle Dröhnung Romantik

Die Verlobte spielen kann Amanda Seyfried (“Jennifer’s Body“) gut. 2007 stand sie im ABBA-Musical “Mamma Mia“ nicht nur als Zukünftige des smarten Briten Dominic Cooper auf der Bühne, zwischen den beiden knisterte es auch nach Feierabend ordentlich. Aber wie das mit der Liebe so ist: Sie in Los Angeles, er in London – es dauerte es nicht lange, da kursierten die ersten Trennungsgerüchte. Warum also auf der Leinwand nicht noch mal in die Rolle der Verlobten schlüpfen? Vielleicht findet sich unter den Kollegen ja der nächste Mr. Right. Diesmal hat Miss Seyfried sogar etwas mehr Auswahl.

In “Briefe an Julia“ spielt Amanda die New Yorker Journalistin Sophie. Die freut sich schon auf ein paar romantische Urlaubstage mit ihrem Verlobten, dem Italiener Victor (sexy: Mexikaner Gael García Bernal aus “Babel“). Da der begeisterte Koch schon bald sein eigenes Restaurant eröffnen will, tritt das junge Paar die Hochzeitsreise kurzerhand vor dem Ja-Wort an. Passenderweise geht es nach Verona – in die Stadt der Liebenden, die Heimat von Shakespeares Vorzeige-Liebespaar Romeo und Julia.

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Zu viel Heile-Welt-Idylle

Doch von Romantik ist vor Ort erstmal nicht viel zu spüren. Kaum angekommen, zeigt Victor, dass Liebe tatsächlich durch den Magen geht. Ganz begeistert von den kulinarischen Köstlichkeiten Italiens grast er mit Sophie im Schlepptau unzählige Winzer und Käsereien ab, um nur das Beste in seinem Restaurant kredenzen zu können – sehr zum Leidwesen seiner Liebsten.

Denn während ihr Victor einen Hauch von Melone im erlesenen Käse schmeckt, sind für Sophie selbst Trüffel nichts anderes als stinknormale Pilze. Und wie heißt es so schön: Zu viele Köche verderben den Brei. Die beiden beschließen, für ein paar Tage getrennte Wege zu gehen. So kann Victor sich ungestört durch Italien schlemmen und Sophie Veronas Altstadt erkunden.

Dort kommt endlich ein Hauch von Romantik auf, als sie am Haus vorbeikommt, in dem angeblich Julia gelebt haben soll. Mittlerweile hinterlassen Liebende aus aller Welt in den Mauern Botschaften an Shakespeares tragische Heldin. Beantwortet werden die Briefe von Julias Sekretärinnen – vier Frauen, die bei Herzschmerz ehrenamtlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ganz Reporterin, wittert Sophie eine Story und schließt sich den Damen an.

Als sie schließlich den über 50 Jahre alten Brief von Claire (Leinwand-Legende Vanessa Redgrave) in der Mauer entdeckt, nimmt das Schicksal seinen Lauf: Von Sophies Antwort ganz hin und weg, kehrt die betagte Claire aus England nach Italien zurück. Gemeinsam mit ihrem attraktiven Enkel Charlie (Newcomer Christopher Egan) und Sophie macht sie sich auf die Suche nach ihrer Jugendliebe…

“Briefe an Julia“ hält, was der Name verspricht: Wer die volle Dröhnung Kitsch erwartet und so richtig was Schönes fürs Herz sucht, der kann getrost im Kinosessel Platz nehmen. Der Zuschauer begleitet hübsche und gut betuchte Menschen bei ihrem Roadtrip durch die Postkartenlandschaft der Toskana und bekommt dabei grenzwertigen Italo-Pop auf die Ohren. Leider meint Regisseur Gray Winicks (“Bride Wars“) es mit der Heile-Welt-Idylle aber etwas zu gut.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass offenbar ausprobiert werden sollte, wie viele Italien-Klischees und Herzschmerz-Szenen in 105 Minuten untergebracht werden können. Seyfried spaziert mit ihren treuen Augen im luftigen Kleidchen durch die Hügel der Toskana, hilft artig der lieben Omi und flirtet nebenbei noch kokett mit dem schönen Enkel. Da wird geherzt und geknuddelt, dass das Schmalz eigentlich schon von der Leinwand triefen müsste. Seufz und Doppelseufz. Man muss schon sentimental veranlagt sein, um das zu mögen. Alle anderen bekommen eine Bella-Italia-Schnulze serviert, bei der eher die farbenfrohen Bilder als die Geschichte den Gang ins Kino wert sind.

Von Timo Steinhaus

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