Bridget Jones für ganz Arme: 'New in Town'

Bridget Jones für ganz Arme: 'New in Town'

Von Mariana Jang

Wenn es bei einer sogenannten Liebeskomödie die ganze Zeit über mucksmäuschenstill im Kinosaal ist und man sich des Öfteren peinlich berührt von der Leinwand wegdreht, dann spricht das nicht wirklich für die Qualität des Films. Mit 'New in Town' sollte Renée Zellweger eigentlich zu dem Genre zurückkehren, mit dem sie als Bridget Jones berühmt wurde. Doch wer jetzt mit einer ähnlich erfrischenden Romantik-Komödie gerechnet hat, wird mit dem Hollywood-Debüt des dänischen Regisseurs Jonas Elmer bitterlich enttäuscht.

Die toughe Business-Frau Lucy Hill (Renee Zellweger) wird von ihrem Chef gegen ihren Willen in ein Kuh-Kaff im kalten Minnesota geschickt, um eine alte Lebensmittel-Fabrik wieder auf Vordermann zu bringen. In knappem Chanel-Kostümchen und High Heels stöckelt Lucy in das verschneite Städtchen, wo ihr alsbald klar wird: Sie will so schnell wie möglich wieder zurück in ihre sonnige Heimatstadt Miami. Ihre Abneigung gegen das Dorf wird noch größer, als sie die Fabrik-Mitarbeiter kennenlernt, die der neuen Managerin gegenüber ziemlich feindlich gesinnt sind, da sie (zu Recht) mit Stellenabbau rechnen.

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Bridget Jones für ganz Arme: 'New in Town'

Die einzige Person, die Lucy herzlich empfängt, ist ihre Assistentin Blanche (Siobhan Fallon Hogan), die Lucy mit dem Witwer Ted Mitchell (Harry Connik, Jr.) bekannt macht. Nach altbekannter Pärchenfilm-Manier wird aus der anfänglichen Antipathie zwischen Lucy und Ted ganz schnell eine schnulzige Love Story. Doch Lucys Verwandlung von einer kaltherzigen Geschäftsfrau mit Stock im Hintern in eine liebenswerte und herzliche Person geht ziemlich unauthentisch und quasi über Nacht vonstatten.

Ebenso unglaubwürdig sind die anderen Charaktere. Lucy freundet sie sich plötzlich mit den restlichen Einwohnern des kleinen Städtchens an und entdeckt dabei ihr besseres Ich - ganz nach dem Motto: Alle Großstädter sind oberflächlich und geldgierig, während alle Dorfleute herzlich und sowieso die besseren Menschen sind, Alles klar! Lucy lernt die traditionellen Werte wie Gemeinschaftsinn, Loyalität und Freundschaft kennen, aber mal ehrlich: Wer würde denn bitte freiwillig ein riesiges Luxus-Apartment mit Meeresblick gegen eine alte Holzhütte im Schnee eintauschen?!

Auch will der Film einfach nicht in Gang kommen. Man verliert schon von Anfang an das Interesse am Geschehen und hat das Gefühl, die flachen und unoriginellen Witze schon irgendwo mal gesehen oder gehört zu haben - und selbst da waren sie schon nicht lustig. Die verzweifelten Versuche mit peinlichen Slapstick-Einlagen für Lacher zu sorgen, scheitern kläglich. Da helfen auch Witzchen über harte Nippel nicht, genauso wenig eine Pinkel-Szene im Freien oder Zellweger, die im Vollrausch 'Walking on Sunshine' trällert.

Knisternde Erotik sucht man im Film ebenfalls vergebens, denn die Romanze zwischen Lucy und Ted ist mindestens genauso prickelnd wie die strickenden Provinz-Bewohner. Von Zellwegers erfrischend naiver Art in 'Bridget Jones' ist nichts mehr übrig. Doch das liegt weniger an ihr, als an diesem lieblos geschriebenen Drehbuch, das es nicht einmal schafft den Zuschauern ein leises Schmunzeln herauszukitzeln. Diesen Film kann man sich also getrost schenken!

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