Brendan Fraser: Nur mit 3D-Brille gut

Brendan Fraser: Nur mit 3D-Brille gut

Von Kathrin Pleiss

Brendan Fraser wandelt auf den Spuren von Jules Verne. Als pfiffiger Professor Anderson entdeckt er die mysteriöse Welt im Inneren der Erde. Wer Logik und Realitätsansprüche mal außen vor lässt, kann hier sprichwörtlich ganz großes Kino erleben. Die moderne 'Reise zum Mittelpunkt der Erde' findet nämlich in 3D statt. So spuckt einem Trevor Anderson gleich zu Beginn erstmal lässig sein Zahnputzwasser ins Gesicht. Das lässt den Zuschauer verschreckt an die Kopflehne des Kinosessels stoßen. Und der Film hat noch weitaus mehr solcher Effekte zu bieten. Es fliegen einem prähistorische Piranhas um die Ohren, überdimensionale fleischfressende Pflanzen greifen an, oder man findet sich unverhofft in einem Schwarm leuchtender kleiner Vögel wieder.

Zu Beginn hat Trevor allerdings erstmal keine Probleme mit Fantasie-Wesen, sondern mit seinem ganz realen Neffen Sean. Der Sohn seines verschollenen Bruders Max kommt nämlich für ein paar Tage zu Besuch. Die beiden erwischen nicht den besten Start: Sean ist total abgenervt von seinem chaotischen Onkel, und der Professor kann sich auch etwas Besseres vorstellen, als auf einen 13-jährigen Querulanten auf zu passen. Doch als gutmütiger Charakter entwickelt Trevor schnell Vatergefühle für den aufsässigen Teenager.

Die beiden finden Aufzeichnungen vom vermissten Max, die sie nach Island führen. Gemeinsam mit ihrer attraktiven Bergführerin Hannah (Anita Briem) landen sie in einer Höhle, die sie tief ins Innere der Welt führt. Dort entdeckt das Trio den sagenumwobenen Mittelpunkt der Erde. Wie die drei ihren kilometerweiten freien Fall durch einen Vulkanschlund und den anschließenden Aufprall im Wasser völlig unbeschadet überstehen, darf man einfach nicht hinterfragen.

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Brendan Fraser: Nur mit 3D-Brille gut

Auch nicht, wie sie eine rasante Achterbahnfahrt in einem Minenschacht überleben – Indiana Jones lässt grüßen. Apropos Déjà-vu: Der gefräßige T-Rex, der Sean und Trevor zu Leibe rückt, kommt einem ebenfalls sehr bekannt vor. Man könnte fast meinen, hier hätte jemand den Dino aus dem 'Jurassic Park' recycelt, um sie nun in Brevigs Fantasy-Welt sein Unwesen treiben zu lassen. Doch zur Ehrenrettung sei gesagt, dass das alles sehr nett anzusehen ist. Die 3D-Brille macht den Unterschied.

Der cineastische Ausflug zum Kern der Erde ist ein visueller Gaumenschmaus. Aber die Geschichte gerät bei den spektakulären 3D-Effekten völlig ins Hintertreffen. Plastisch erscheinende, phänomenale Fantasie-Landschaften und zum Greifen nahe Ur-Viecher entschädigen für den fehlenden Tiefgang der Geschichte. Allerdings darf dabei nicht zu viel Action im Spiel sein, denn dann kommt die 3D-Brille nicht mehr mit. Bei schnellen Szenen geraten die Bilder im wahrsten Sinne des Wortes ins Schwimmen. Ein kleiner Wermutstropfen, der aber zu verschmerzen ist.

Langeweile kommt während der 92-minütigen Odyssee durch Felslandschaften, unterirdische Wasserwelten und Urwälder kaum auf. Brendan Fraser spielt dabei allerdings so, wie er es immer tut. Den Habitus des Mumien jagenden Rick O'Connell wird er wohl nicht mehr los. Seinen Fans wird es gefallen, anderen mag es zu wenig sein. Aber die können sich das Action-Abenteuer ja mit einer 3D-Brille schön sehen.

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