Bravouröses Filmdebüt: Elizabeth Olsen in 'Martha Marcy May Marlene'

Filmkritik und Trailer zu 'Martha Marcy May Marlene' mit Elizabeth Olsen.
Elizabeth Olsen gibt ihr Spielfilmdebüt in 'Martha Marcy May Marlene'

4 von 5 Punkten

Elizabeth Olsen schafft mit nur einem Film das, was ihre berühmten Schwestern Mary Kate und Ashley in 25 Jahren mit kitschigen und bonbonfarbenen Teenie-Filmen nicht erreicht haben: Sie wird bereits nach ihrem Schauspieldebüt als Nachwuchstalent gehandelt und erntet für ihre tiefgründige und emotionale Darbietung in dem Identitätsdrama 'Martha Marcy May Marlene' von den Kritikern zurecht viel Lob und Anerkennung. Regisseur Sean Durkin, der mit dem Film selbst sein Debüt feierte, bewies einen guten Spürsinn – sowohl bei der Wahl seiner Darsteller, als auch bei der Herangehensweise und dem gewagten Blickwinkel auf das Tabu-Thema Sektenkommunen.

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Martha (Elizabeth Olsen) ist zwei Jahre lang spurlos verschwunden, als ihre ältere Schwester Lucy (Sarah Paulson, 'Happy New Year') ein verstörender Anruf erreicht. Die junge Frau ist zu Tode erschrocken und lässt sich nur mit Mühe und Not von Lucy dazu überreden, sie abzuholen. Doch auch inm idyllischen Sommerhaus am See kommt Martha nicht zur Ruhe. Völlig in sich gekehrt und in jedem ihrer Schritte auflauernd, schafft sie es nicht, ihrer Schwester zu erzählen, was passiert ist. Und so kommt es, dass ihr aufgewühltes Gefühlschaos und die ständige Flucht vor ihrer Vergangenheit immer wieder zu Konflikten führt und sie damit das anfängliche Verständnis ihrer Schwester und deren Mannes Ted (Hugh Dancy, 'Shopaholic') auf eine harte Probe stellt.

Je mehr Martha versucht, in der heilen Welt ihrer Schwester Fuß zu fassen, umso mehr muss sie erkennen, dass die qualvollen Erlebnisse tiefe Spuren hinterlassen haben, die eine Rückkehr in ein normales Leben schier unmöglich machen. Mit Voranschreiten des Films setzt sich die traumatische Vergangenheit von Martha wie ein Puzzle zusammen. Dadurch durchlebt der Zuschauer die einschneidenden Flashbacks mit und kann sich somit perfekt in die hineinversetzen.

Bravouröses Filmdebüt: Elizabeth Olsen in 'Martha Marcy May Marlene'

Schnell wird klar, dass Martha auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit Zuflucht in einer sektenähnlichen Kommune gefunden hat, die, wie sich herausstellt, nicht so harmonisch ist, wie sie anfangs glaubte. Untergeordnete Rollenverteilung, Vergewaltigung, organisierte Sex-Orgien bis hin zum Mord pflastern ihren Weg in von Sekten-Führer Patrick (John Hawkes, 'Winter’s Bone') völlig kontrollierten Gemeinde.

Gegensätzlicher und zugleich perfekt aufeinander abgestimmt könnten die Schauplätze nicht sein: Das friedvolle Sommerhaus und die Ruhe am See ist der Kontrast zu dem panischen und aufgewühlten Innenleben von Martha und ihren traumatischen Erlebnissen in der Kommune. Oft greifen Gegenwart und Vergangenheit so sehr ineinander, dass man zunächst nicht weiß, ob die bedrohliche Situation aus vergangenen Zeiten hervorgeht oder das Böse Martha im Jetzt eingeholt hat. So bleibt der Film bis zur letzte Minute spannend.

Ebenso brillant war die Entscheidung, John Hawkes für die Rolle des Sekten-Chefs Patrick auszuwählen. Der Schauspieler und Musiker ist in der Lage, sowohl den charismatischen Helfer in der Not, als auch den geheimnisvollen und angsteinflößenden Sektenführer zu spielen. Die gemeinsamen Szenen von Olsen und Hawkes sind sehr intensiv und einnehmend.

Alles in allem ist 'Martha Marcy May Marlene' ein sehenswerter Film, der den Zuschauer von der ersten Sekunde an einfängt und bis zum Ende nicht mehr loslässt, , auch wenn die Auflösung enttäuscht.

Von Alexandra Mölgen

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