'Brautalarm': Beinharte Bräute sorgen für Lachtränen

4 von 5 Punkten

Mit ‚Brautalarm‘ flimmert endlich wieder ein Hollywood-Hochzeits-Streifen über die Leinwand, bei dem sich mal nicht übertrieben aufgehübschte Size-Zero Zicken in einer trivialen Schlacht um das schönste Brautkleid oder den gleichen Kerl streiten. Im Mittelpunkt stehen zwei Rivalinnen, die einen skurrilen Kleinkrieg um den ehrenvollen Platz der besten Freundin der Braut führen – gespielt von Aktricen, die mit Mitte dreißig nicht versuchen zehn Jahre jünger auszusehen. Das artet in grotesker Situationskomik aus, die dem Zuschauer nicht nur Lachtränen in die Augen treibt, sondern ihm auch gerne im Gedächtnis bleibt. Wer vergisst schon, wenn die werdende Braut in einem sündhaft teuren (unbezahlten) Anprobekleid mit verstimmtem Magen aus dem Laden stürmt, in der Hoffnung irgendwo eine Toilette zu finden, es aber bloß bis zu nächsten Kreuzung schafft?

Annie (‚Saturday Night Live‘-Star Kristen Wiig, die selbst in ihrer Mimirolle als Kathrine Heigls Chefin in ‚Beim ersten Mal‘ ihr komödiantisches Leinwandtalent bewies) kann einem wirklich leid tun. Ihre geliebte Konditorei musste sie schließen und die Miete für ihre Chaos-WG mit einem beschränkten Geschwisterpärchen, das heimlich ihr Tagebuch liest, kann sie auch nicht zahlen. Von dem Typen, der ihr stets ganz unverblümt steckt, dass sie bloß ein Betthäschen ist, das nicht zum Frühstück bleiben darf, kommt sie einfach nicht los. Und zu allem Überfluss scheint ihr auch noch die Freundschaft zu ihrer Langzeitseelenverwandten Lillian (Maya Rudolph, ‚Kindsköpfe‘, ‚Away We Go‘) zu entgleiten, die einen Kerl aus der schillernden Glamourwelt heiratet, die Annie völlig fremd ist. Obwohl Annie zur Trauzeugin und obersten Brautjungfer erkoren wurde, versucht die wohlsituierte ‚Ziege’ Helen (Rose Byrne ‚Insidious‘, X-Men: Erste Entscheidung‘) das Ruder an sich zu reißen, um somit die gönnerhafte Organisatorin der Hochzeit und die neue beste Freundin der Braut zu spielen.

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Den zwei überehrgeizigen Hühnern mit falschem Stolz bei ihrem Kleinkrieg zuzusehen ist nicht nur herrlich witzig, sondern geht auch unter die Haut. Das Drehbuch von Annie Mumolo und Kristen Wiig ist nicht nur mit derben Zoten gespickt, die dafür gesorgt haben, dass ‚Brautalarm‘ – so wie der etwas fiesere große Bruder ‚Hangover‘ – in den Staaten zu einer der erfolgreichsten ‚R-Rated Comedy‘ wurde (einer Komödie, die wegen der unzüchtigen Dialoge keine Jugendfreigabe hat). Die deprimierenden Konflikte, die Annie mit sich und ihrer Umwelt austragen muss, werden auch mit der nötigen Sensibilität dargestellt. Diese hervorragende Balance zwischen bizarrer Komik und der ehrlichen Darstellung von ganz normalen Frauen und dem Päckchen, das jede von ihnen zu schleppen hat, trägt dabei eindeutig die Handschrift des Produzenten Judd Apatow (‚Beim ersten Mal‘, Jungfrau, 40, männlich sucht‘). Selbstverständlich hat der Typ, der seit Jahren bei so ziemlich jeder erfolgreichen Komödie irgendwie mitmischt, auch hier seine frechen Finger im Spiel. Mit den urkomischen Darstellerinnen, die alle ihre Wurzeln in der Sketch- und Improvisationscomedy haben, hat er gemeinsam vor und während des Drehs am Skript gefeilt.

Herausgekommen ist ein Streifen, der beweist, dass ruppige Comedy auch weiblich sein kann. Die Darstellerinnen müssen sich keinesfalls hinter ihren männlichen Kollegen verstecken, sondern zeigen, dass sie eine Komödie für eine gemischtgeschlechtliche Zielgruppe tragen können. Darunter auch die grandiose Melissa McCarthy (bekannt als Sookie aus ‚Gilmore Girls‘) als Frau fürs Grobe, die anstatt einer Junggesellinnenparty am liebsten einen Fight Club veranstalten würde. Selbst die Stereotype, die bei einem Film um einen hochzeitswütigen Weiberhaufen natürlich nicht einfach unter den Tisch fallen, werden mit einem selbstironischen Augenzwinkern präsentiert. Lediglich das Timing stimmt bei dieser Komödie nicht immer. Während selbst die widerlichsten Ausflüge unter die Gürtellinie stets am Rande des Ertragbaren bleiben, scheint so mancher Witz unnötig ausgedehnt und albern. Außerdem hat die Klamotte mit ihren 124 Minuten eine Apatow-typische Überlänge, die durchaus etwas kürzer hätte ausfallen können. Wer aber genug Sitzfleisch mitbringt, wird sich sicherlich gut unterhalten fühlen.

Von Mihaela Gladovic

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