Brauchen wir zehnmal am Tag Obst und Gemüse, Jamie Oliver?

Brauchen wir zehnmal am Tag Obst und Gemüse, Jamie Oliver?
Jamie Oliver bei einem Auftritt in London © Mr Pics / Shutterstock.com, SpotOn

Das sagen die Experten

Eine Studie vom Imperial College London empfiehlt 800 Gramm Obst und Gemüse pro Tag. Damit könnten viele Menschen ihr Risiko reduzieren, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs zu bekommen. 7,8 Millionen vorzeitige Todesfälle könnten so weltweit jedes Jahr verhindert werden, schätzen die Experten. Die Botschaft der Gesundheitskampagne "5 am Tag" lautete bisher: Täglich mindestens 5 Portionen Gemüse und Obst essen. Sollte es jetzt "10 am Tag" heißen? Wichtig sei vor allem eine große Bandbreite, meint Star-Koch Jamie Oliver (41, "Genial gesund - Superfood for Family & Friends").

"Gemüse und Obst gibt es in allen Formen, Größen, Farben, Geschmäckern sowie in jeglicher Konsistenz und sie helfen uns, auf wundervolle Art, durch die Jahreszeiten zu kommen", erklärt der britische Star im Interview mit spot on news. "Verschiedene Gemüse- und Obstsorten enthalten unterschiedliche Vitamine und Mineralstoffe und auch wenn einige mehr Nährstoffe als andere enthalten, ist es wichtig, dass wir sehr vielseitig davon essen. Man muss mischen, jede Sorte darf nur einmal pro Tag gezählt werden, ganz egal, wie viel man davon futtert. '10 am Tag' bringt nur etwas, wenn man zehn verschiedene Arten an Früchten und Gemüse nimmt."

Jamie Olivers Rat:

80g Gemüse oder Obst frisch, tiefgekühlt oder aus der Dose. 30g Trockenfrüchte (die nur als eine Portion pro Tag zählen). 80g Bohnen oder Hülsenfrüchte (die auch nur als eine Portion zählen dürfen). Obst und Gemüse aus der Tiefkühlabteilung oder Dose sollte man nicht vernachlässigen, rät Oliver. Eine extra Portion an Erbsen oder Spinat in Pastagerichten, Eintopf und Salaten sei ein anderer toller Weg, um die Menge zu erhöhen und man könne genau das nehmen, was man brauche, um Verschwendung zu vermeiden.

Jamie Oliver selbst isst so viel Obst und Gemüse pro Tag wie möglich, wie er weiter erklärt. Die empfohlenen fünf Portionen sieht er als "Kompromiss", weil es in seiner britischen Heimat nicht allzu gut aussähe in diesem Bereich. Das geringere Ziel verringere die Erwartungen, meint der prominente Küchenchef. Fünf Portionen am Tag "ist aber das empfohlene Minimum", betont er. "In einer idealen Welt würden wir alle sieben oder acht Portionen am Tag schaffen - zehn wären großartig." Andere Länder hätten bereits höhere Ziele, sagt er: "Australien empfiehlt fünf Portionen Gemüse plus zweimal Obst jeden Tag." Außerdem gibt Jamie Oliver zu bedenken, dass in vielen Gemeinden weltweit, in denen der Anteil an Hundertjährigen besonders hoch sei, pflanzliche Ernährung mehr verbreitet sei.

Der einfachste Weg

Vor allem in den Schulen bedürfe es mehr Aufklärung, so Jamie Oliver. Schon fast ein Jahrzehnt lang kämpfe er für bessere Erziehung rund um das Thema Essen. "Ich habe Teams, die jeden Tag an verschiedenen Kampagnen arbeiten." Dabei seien unter anderem Programme entstanden, die den Schulen helfen, Kochstunden anzubieten und durch Jamie Olivers "Ministry of Food" haben seit dem Start 2008 nach seinen Angaben 90.000 Erwachsene gelernt, zu kochen. "Wir stehen einer großen, großen Herausforderung gegenüber, was Fettleibigkeit und ernährungsbedingte Krankheiten angeht." Für Oliver, selbst fünffacher Vater, sei einer der einfachsten und wichtigsten Wege dem zu begegnen, die Kinder über die Auswirkungen aufzuklären, die ihr Essen hat - "in der Schule und zuhause".

Auch für Fitnesstrainer und Entertainer Patric Heizmann (42, "Schlank an einem Tag") ist die Erziehung daheim wichtig: "Ein Fach 'Gesundheit' macht nur dann Sinn, wenn auch die Eltern involviert werden. Sonst kommen motivierte Knirpse nach Hause und sitzen dann vor einem Teller Industriellem. Die Grundlagen spielerisch, mit Humor und vielen Bildern zu vermitteln, spricht alle an: Kinder und Eltern. Das könnte einer der Gründe sein, warum meine 'Ich bin dann mal schlank'-Methode so gut funktioniert."

Start "im gesundheitlichen Strebermodus"

Und was hält Ernährungsexperte Heizmann von 10 statt "5 am Tag"? "Alleine die Anzahl würde viele Menschen schon abschrecken. Es klingt so, als würde man den ganzen Tag im Gemüsebett stehen oder auf einem Apfelbaum sitzen müssen. Aber in Zeiten von Smoothies ist tatsächlich die Menge an gefutterter Botanik gestiegen. Ein wenig ist besser als nichts. Daher ist jedes gegessene Pflänzchen und Stück Obst ein kleiner Erfolg für die Gesundheit. Wer 1x zum Frühstück einen grünen Smoothie verputzt, der startet schon mal im gesundheitlichen Strebermodus in den Tag."

Die Menge von 800 Gramm Obst und Gemüse, die die britische Studie empfiehlt, überrascht Autor und Sportwissenschaftler Dr. Dr. Michael Despeghel (57, "So senken Sie Ihr biologisches Alter") nicht: "Die Zahlen sind nicht neu, die Daten kommen ursprünglich vom World Cancer Research Fund International und vom American Institute for Cancer Research. Dort hat man sich 22.000 Krebsstudien angesehen und davon 7.000 in die Bewertung einbezogen: mit dem Ziel, herauszufinden, wie die Krebs-Prävention vorangetrieben werden kann. Heraus kam, dass von 24 Krebsarten 21 günstig beeinflusst werden können, wenn der Lebensstil optimiert wird. Dazu zählt insbesondere die Ernährung", erklärt der Experte.

Die Menge ist entscheidend

Es gehe allerdings nicht darum, zehnmal am Tag Obst und Gemüse zu essen - "da wird man ja wahnsinnig", so Despeghel weiter. "Wichtig ist, zu versuchen, auf 800 Gramm, vor allem Gemüse, zu kommen. 500 Gramm sind aber auch schon ein guter Weg - wenn die Qualität der übrigen Lebensmittel stimmt. Die sollten grundsätzlich überwiegend pflanzlich sein."

Der Verbraucher sollte sich zunächst einen Eindruck verschaffen, wie viel 500 bis 800 Gramm sind, zum Beispiel mit der Kontrollwaage beim Einkauf, rät Despeghel. "Dann erscheint die Menge auch gleich nicht mehr so groß. Zwei faustgroße Paprika oder drei Kohlrabi wären schon 500 Gramm, mit einer Packung Tiefkühl-Spinat oder -Erbsen kommt man auf 450 Gramm. Da ja auch gleichzeitig andere Lebensmittel wie rotes Fleisch begrenzt werden sollen auf 70g pro Tag - davon isst der deutsche Mann momentan im Schnitt pro Woche 1,1 kg - hat man viel Platz, um das Gemüse in die Mahlzeiten zu integrieren."

Von zehn kleinen Portionen über den Tag verteilt, rät er ab: "Die Bauchspeicheldrüse dreht durch, wenn sie zehnmal am Tag gefordert wird. Das Gegenteil ist gut, nämlich eine große Pause zwischen den Mahlzeiten, um auch Übergewicht in den Griff zu bekommen. Wenn man zehn Mal isst, kommen aus Erfahrung zum Gemüse auch andere Lebensmittel hinzu. Ideal wären zwei bis drei Mahlzeiten. Obst gehört am besten ins Frühstück. Dann wäre es gut, sich etwas aufgeschnittenes Gemüse wie Möhren, Kohlrabi oder Paprika für mittags mitzunehmen. Der Rest kommt zum Abendessen."

spot on news

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