Boy: Feingefühl für die Massen

Boy: Feingefühl für die Massen
Da sind sie ja wieder: Boy bringen Gefühle in den Großstadtdschungel © Grönland

Aller Anfang ist schwer? Nicht so im Musikbusiness. Da ist oft das zweite Werk die große Schwelle und genau dort stehen Boy, die beste Idee des Popkurses der Hamburger Musikhochschule, gerade. Als Boy schossen die Züricherin Valeska Steiner und die Hamburgerin Sonja Glass 2011 mitten ins Herz der Folkpop- und Feist-Fans, wovon es selbst in Japan eine Menge geben muss, denn dort stand das Duo tatsächlich an der Chartspitze. Dass sich ihr bei Grönemeyers Label erschienenes erstes Album "Mutual Friends" in Gold verwandeln wird, war eigentlich schon klar, bevor überhaupt der letzte Ton ihrer Ohrwurm-Single "Little Numbers" verklungen war.

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Alben wie Tagebücher

Da man sich im Hause Grönemeyer mit den Leiden der jungen Musiker auskennt, riet man Boy, sich einfach Zeit zu lassen mit dem zweiten Werk. Kein Druck, kein Stress. Und so taten Boy, was sie am besten können: eine musikalische Bestandaufnahme des eigenen Innenlebens nach dem großen Durchbruch und inmitten der großen Erwartungen, zwischen den Gefühlen. "Es geht immer um das Dazwischen, zwischen Tag und Nacht, zwischen zwei Orten oder zwei Gefühlen", so Steiner.


Boy machen also genau da weiter, wo sie aufgehört haben - Japan wird sich freuen. "We Were Here" sind Tagebuch-Songs, so warm und gefühlvoll wie die Umarmung der besten Freundin. Nur mit einem Unterschied: der Juno. Statt einiger Gitarrenmomente gibt es diesmal einige Synthesizer-Momente. War der Erstling noch sowas wie das charmante, selbstorganisierte Open-Air-Sommerkino unter Freunden im eigenen Garten, befinden wir uns jetzt im neuen Privat-Kinosaal. Mit gepolsterten Sesseln, Breitbildleinwand und Soundsystem.


Der Charme der zwei Ladys und ihrer Stimmen strahlt aber noch ein bisschen doller als jeder Breitwandsound. Die Zartheit, einer der Erfolgsfaktoren der sanften Zwei, lassen die Damen nicht vermissen. Dass sie ihr Handwerk gelernt haben, merkt der Hörer sofort. Die Harmonien perfekt, die Songs im radiotauglichen Drei-Minuten-Bereich, das ganze Album aus einem Guss. Dass das bisweilen auch etwas seicht klingen kann, liegt in der Natur der Pop-Sache und stört nur den, der seine Lieblingsband nicht mit 14 Millionen YouTube-Klicks vereinbaren kann. Allen anderen sei gesagt: Sie waren nicht hier, sie sind sowas von da.



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