Boris Becker: Darum möchte er Engländer werden

Boris Becker: Darum möchte er Engländer werden
Boris Becker ist zurück in seinem Metier Tennis © Jon Furniss/Invision/AP

Vor knapp zwei Jahren duellierten sich Boris Becker (47) und Oliver Pocher (37) in der RTL-Show "Alle auf den Kleinen". Es war der Tiefpunkt des Abstiegs eines gefeierten deutschen Sport-Stars: Ungläubig beobachteten seine Fans den ehemaligen Weltklasse-Tennisspieler, der sich im Privat-Fernsehen öffentlich zum Affen machte. Mit müdem Blick, aufgedunsenem Gesicht und Fliegenklatschen-Kappe ließ er sich damals durch die Krawall-Show treiben. "Warum tut er das?", fragte sich Deutschland damals mitleidig. Er ist doch unser Star, unser Bobbele und hat einen solchen Zirkus überhaupt nicht nötig.

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Seine Distanz zur Heimat

Kurz zuvor brachte Becker seine Autobiografie "Das Leben ist kein Spiel" auf den Markt. Zwar bereut der gebürtige Laimener mittlerweile dieses Buch, damals sorgte er allerdings mit einem Rundumschlag für ordentlich Aufsehen. Allerdings nicht in den von Becker favorisierten Sport-Gazetten, sondern in den Klatschspalten. Natürlich war Becker ein gefundenes Fressen für Häme: Kritiker warfen ihm vor, dass er auf krankhafter Suche nach Anerkennung sei, er längst zum öffentlichen Gespött verkommen war. Ein gescheiterter Star eben, dem der gute Freund fehle, der ihn zurück auf den rechten Weg bringt.


Das Phänomen schon damals: Nur in Deutschland lag das Image des sauberen Sportsmannes, der in den 1980er-Jahren im Teenager-Alter durch seine Wimbledon-Erfolge zum gefeierten Superstar wurde, im Dreck. Im Ausland, sei es in seiner Wahlheimat England, in den USA oder auch im fernen Japan ist Becker immer das Tennis-Ass geblieben, der gern gesehene Gast und Experte, ein Star zum Anfassen und Aufsehen. Sein Wort hatte immer Gewicht. Kurz: Einer der großen deutschen Sympathie-Träger und Botschafter im Ausland.


Turbulentes Leben nach dem Sport

Doch in Deutschland bröckelte das Ansehen seit Jahren: Der bei seinem Rücktritt 32-Jährige kam nur schwer mit seinem "Rentner"-Leben zu Recht. Die "Besenkammer-Affäre", Kurz-Beziehungen zu Rapperin Sabrina Setlur (41), dem Glamour-Model Heydi Nunez Gomez (35), die Verlobung mit Alessandra Meyer-Wölden (32) und die Jetset-Ehe mit Lilly Becker (38) spülten den Tennis-Helden direkt in die Gossip-Spalten. Überdies schlug sich Becker mit Pleiten von Firmen herum, an denen er beteiligt war, und wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Er setzte ein berufliches Projekt nach dem anderen in den Sand.


Doch kurz nach dem vermeintlichen Tiefpunkt in der Pocher-Show folgte eine Nachricht, die in Deutschland zunächst nur müde belächelt wurde. Man dachte, es handele sich um einen schlechten PR-Gag: Der serbische Tennis-Profi Novak Djokovic (28) berief Becker als Trainer! Er solle ihn auf die nächste Stufe bringen, Becker sei ein Spieler, zu dem er aufblicke, von dem man viel lernen könne, eine echte Ikone eben. Auch wenn die Deutschen diese Berufung nur schwer nachvollziehen konnte: Jeder gönnte es ihm.


Riesenerfolge als Tennis-Trainer

Anfang 2014 übernahm Becker dann die Geschicke des damaligen Weltranglisten-Zweiten mit klaren Zielen: Nummer eins werden und Wimbledon gewinnen. Beides gelang dem Serben am 6. Juli 2014 auf dem Center Court des All England Lawn Tennis and Croquet Club zu Wimbledon nach dem gewonnenen Finale gegen Altmeister Roger Federer (33). Bezeichnender Weise im sogenannten Wohnzimmer von Boris Becker, dort wo er ebenfalls seine größten Erfolge feiern durfte, wo er sich wohlfühlt und wohin er den Lebensmittelpunkt für sich und seine Familie verlegte.


Für diese Chance", sagte Becker Anfang 2014 der "Bild"-Zeitung, ist er "unendlich dankbar". Die Rückkehr in den Tennis-Sport mache ihm viel Spaß. Doch auch dieser Wandel half ihm in Deutschland nicht unbedingt weiter. Das Image des taumelnden Beckers sitzt in vielen Köpfen der Deutschen bis heute fest. Mindestens genau so tief wie der Stachel bei Becker, über den in seinen Augen respektlosen Umgang seiner Landsleute. Jetzt liebäugelt er sogar mit der britischen Staatsbürgerschaft. Will er uns damit vielleicht sogar eins auswischen?


"Sie lieben mich", mutmaßt Becker bei der BBC und liegt damit sicher nicht ganz falsch, "aber sie haben sich in einen 17-Jährigen aus einer kleinen Stadt verliebt. Und jetzt fällt es ihnen schwer zu akzeptieren, dass dieser Junge nun 47 ist - und keiner mehr von ihnen." Er sei kein deutsches Staatseigentum, er habe Deutschland hinter sich gelassen. Boris, möchte man ihm zurufen, du hast recht: Wir lieben dich! Wir lieben dich wirklich, aber auf unsere eigene Art und Weise. Übrigens auch dann noch, wenn Du Brite werden solltest!



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